Ich habe keine Lust auf Sex

Frage:
Mein Partner möchte gern mehr Sex, kommt oft an mit seiner Lust und beklagt, dass ich so wenig Lust habe. Das stimmt: Ich habe einfach wenig Lust. Woran kann das liegen? Was kann man tun?

Sie hat wenig Lust auf Sex, kein Begehren

Antwort:
(Ich münze dieses Kapitel auf Frauen, weil es bei ihnen verbreiteter ist, aber fast alle Faktoren können auch auf Männer zutreffen – dann bitte einfach “sie” und “er” vertauschen.)

Erst mal: Lustlosigkeit ist relativ. Will z.B. der Mann jeden Tag und die Frau einmal pro Woche, kann man nicht davon sprechen, dass sie lustlos ist – das könnte man schon eher, wenn sie nur einmal im Monat oder noch seltener will. Wobei das kein Thema sein muss, wenn beide damit auskommen. Zum Problem wird´s erst, wenn einer oder beide darunter leiden.

Ursachen für Sex-Unlust
Sex-Unlust kann hundert Ursachen haben. Oft sind es ja vorübergehende oder zeitweilige Gründe, wie Stress, Erkrankung, hormonelle Einflüsse (Pille, Wechseljahre, Schwangerschaft oder Stillzeit), die Geburt eines Kindes, Zeitmangel…
Wobei das dann auch zu einem permanenten Problem ausarten kann. Da sollte man früh genug entgegenwirken (fachliche Hilfe?) bzw. vorbeugen; bei Stress, Zeitmangel, Kindern verliert ein Paar schnell die zweisame Intimität aus den Augen. Gut ist, sich wenigstens einen Abend in der Woche zu reservieren, den man nur dem Partner und dem Liebesspiel widmet. Das heißt, man verabredet sich dazu (und sorgt dafür, dass die Kinder anderweitig versorgt werden). Am Anfang der Beziehung hat man das ja auch getan, sich zu verabreden. Ob Verkehr draus wird oder nicht, kann man dann spontan entscheiden. Hauptsache, man schafft sich ein paar schöne, zärtliche, innige Stunden zu zweit.

Falls die Betroffene dazu nicht bereit ist oder falls das nicht hilft, hat die Lustlosigkeit sehr oft tiefere Ursachen. Hier die häufigsten:

1) Sie ist nicht mehr scharf auf ihren Partner. Das kann daran liegen, dass einfach das anfängliche Prickeln weg ist, aber oft fällt es auch zusammen mit Heirat oder gemeinsamer Wohnung: Da schleicht sich allmählich so eine Vadder-Mudder- oder auch Bruder-Schwester-Harmonie ein und die Erotik stiehlt sich davon. Vielleicht lässt er sich auch gehen, tut vor der Partnerin zu oft unappetitliche Dinge, ist figurmäßig aus der Form geraten, raucht oder trinkt zu viel, trägt zuhause nur noch alte Schlabberklamotten, hängt phlegmatisch herum – das sind alles echte Lustkiller.

2) Sie hat ihn zwar gern, aber liebt ihn nicht mehr – die Beziehung ist eine liebe Gewohnheit geworden, wie ein bequemes altes Möbelstück, das eigentlich ausgemustert oder aufgemöbelt werden sollte, aber man hängt irgendwie noch dran.

3) Es hat sich der Teufelskreis “er will – sie will grade nicht – er will immer öfter – sie will immer seltener” eingestellt. Sie hat das Gefühl, er lauert immer darauf, wann sie wieder bereit ist, und das killt ihre Lust. Sie hat gar keine Gelegenheit, eigene Lust zu entwickeln, weil seine ihr immer zuvorkommt. Oft fühlt sie sich schon bedrängt, wenn er nur zärtlich wird.

4) Der Sex entspricht nicht ihren Bedürfnissen: zu wenig Zärtlichkeit, zu kurzes Vorspiel, der Mann hat einfach zu wenig Ahnung, was ihr wirklich gefällt, oder der Akt läuft immer gleich ab, nach dem selben Muster, und diese vorhersehbare Routine turnt sie ab. Im Grunde ist er für sie unbefriedigend, obwohl sie vielleicht einen Orgasmus hat. Kriegt sie keinen, umso mehr.

5) Es gibt tiefliegende Konflikte in der Beziehung, die sie ein Stück weit über den Sex abreagiert. Etwa: Sie fühlt sich eingeengt, möchte nicht so viel Nähe; oder: Der Partner unterstützt sie nicht; oder: Er behandelt sie respektlos; oder: Er will keine richtige Beziehung und/oder keine Kinder mit ihr haben; oder: Er hat sie betrogen. Und und und…

6) Manchmal agiert die Frau die Lustlosigkeit des Mannes mit aus. Klingt komisch, aber ist manchmal so. Da sie ihn ständig abweist, hat er leichtes Spiel, in die Rolle des Lustvollen zu schlüpfen, obwohl es ihm insgeheim gar nicht so unrecht ist, dass man nicht so oft miteinander schläft. Ob dieser Punkt wirklich zutrifft, kann sich natürlich erst bewahrheiten, wenn sie die begehrende Rolle übernimmt.

7) Sie hat eigentlich “von Natur aus” ein geringes Verlangen nach Sex; nur am Anfang einer Beziehung ist das anders, da fachen die frische Verliebtheit und der Reiz des Neuen die Lust an; sind sie nach ein paar Monaten verflogen, stellt sich das “normale” Lustniveau wieder ein – und liegt leider wesentlich niedriger als das des Mannes. Oft kommt es dann zu dem in Punkt 3 beschriebenen Phänomen.

8) Sie hat durch ihre Erziehung verinnerlicht, dass Sex etwas Ungutes ist: etwas Schmutziges, Widerwärtiges oder etwas, womit man sich ins Verderben bringt oder in Abhängigkeit begibt. Also unterdrückt sie ihre Triebe und ihre Sinnlichkeit so erfolgreich, dass sie selbst nur noch wenig mehr davon spürt.

Mein/e Partner/in hat keine Lust auf Sex – was tun?
Lösungen? Nicht einfach. Solange sie nicht drunter leidet, ist sie eher wenig gewillt, daran zu arbeiten oder etwas dagegen zu tun. Eigentlich wäre es angesagt, mal zu einer Paarberatung zu gehen, dazu wird sie vielleicht nicht bereit sein, solange du trotz Sexflaute mit ihr in der Beziehung bleibst (wobei es auch schon viel bringt, allein hinzugehen). Zumindest sollte man sich gründlich aussprechen. Aber sobald sie den leisen Vorwurf heraushört, dass im Bett zu wenig von ihr kommt, fühlt sie sich unter Druck gesetzt, und das zieht ihre Lust noch mehr runter. Von daher sollte man seine Worte mit Bedacht wählen und nur von sich selbst sprechen.

Ich kann dem Partner nur Vorschläge für Teillösungen geben:

zu 1): Gib ihr Gelegenheit, dich wieder als begehrenswerter Mann zu sehen. Falls du dich hast gehen lassen, lass dich nicht mehr gehen! Tu was!!!
Oder falls du in letzter Zeit zu sehr “Schatzi in Puschen” warst, raffe dich auf, wieder mehr eigene Dinge zu machen. Treib Sport, triff dich mit Kumpels, fahre mit Kumpels ein paar Tage ohne sie in weg. Möble deine Optik auf. Lass dich nicht mehr gehen. Und falls du sonst immer getan hast, was sie wollte, tu es nicht mehr (sprich: sei kein Pantoffelheld).

zu 2): siehe 1), außerdem eventuell Trennung auf Zeit oder getrennte Wohnungen. Oder verändere dich einfach. Äußerlich und in deinen Handlungen. Hör auf, mit ihr bräsig vor dem Fernseher zu sitzen oder stundenlang allein vor deinem PC. Pack unter anderem die Dinge an, von denen du schon lange träumst. Wenn du dich veränderst, ändert automatisch auch sie sich, und es kommt neues Leben in eure Beziehung.

zu 3): Nimm dir fest vor, sie mindestens einen Monat lang sexuell völlig in Ruhe zu lassen. Keine deiner Berührungen darf auch nur auf die leiseste Art von ihr interpretiert werden, als “wolltest du schon wieder”. Kraule ihre Kopfhaut, massiere ihren Nacken, streichle ihre Knie, aber lass die Finger weiträumig von Busen, Po, Intimzone. Am besten so lange, bis sie von selber wieder auf dich zukommt. Das fällt schwer, aber es ist meist die einzige Möglichkeit, die Dynamik umzukehren. Noch ein wichtiger Punkt: Lerne, Zärtlichkeit zu empfangen und zu geben, ohne gleich Sex dranzuknüpfen. Eine Erektion bedeutet nicht automatisch, dass du sie in die Frau stecken musst.
Triff am besten eine Abmachung mit ihr: Dass ihr erst wieder sexuelle Handlungen vornehmt, wenn sie von sich aus ihre Bereitschaft signalisiert. Und bis dahin widmet ihr euch der sexfreien Zärtlichkeit.

zu 4): Wenn du Punkt 3 durchgezogen hast und ihr habt wiedermal Sex, dann gestalte ihn völlig anders als sonst. Denk dir was Nettes aus (bitte etwas, was der Frau gefällt und nicht nur dir!!). Nimm dir ganz viel Zeit dafür und mach eine ausgedehnte, zärtliche, intensive Sache draus. Frag sie, was ihr in eurem Sexualleben fehlt. Frag sie, was sie gern hätte. Erkunde mal wieder liebevoll ihren Körper, wie du´s (hoffentlich) am Anfang getan hast.

zu 5): Führe mit deiner Partnerin ein intensives Beziehungsgespräch. Versuche, die sexuelle Problematik erst mal auszuklammern. Fordere sie auf, ganz offen zu sagen, was an eurer Partnerschaft faul ist, welche Ängste sie hat, wie sie dich gerne hätte. Reagiere konstruktiv, nicht defensiv. Versuch, mit ihr zusammen eine Lösung zu finden.

zu 6): Schwieriger Punkt, außer es sind beide über eine gewisse Zeit zu einem spielerischen Rollentausch bereit: er spielt sie, sie spielt ihn. Oder man trifft eine feste Vereinbarung: er muss sich ein paar Wochen strikt zurückhalten, sie darf auf ihn zugehen, so oft sie mag.

zu 7): Alles umsetzen / ausprobieren, was ich zu Punkt 1 bis 4 vorschlage.

zu 8): In diesem Fall musst du extrem behutsam und geduldig sein, beim Sex Dinge meiden, die die Partnerin zu sehr abstoßen, und ihr die Welt der Sinnlichkeit ganz langsam und vorsichtig eröffnen. Vereinbart ein Zeichen, womit sie dir zeigt, dass ihr etwas gegen den Strich geht.
Oftmals hilft hier nur eine Therapie – aber nur, wenn sie es selbst will. Eigentlich müsste sie an ihrer Einstellung zu Sex arbeiten und diese allmählich ändern, aber das wird sie nicht tun, denn ihre Psyche meint, sie bräuchte das als Schutz. Sie wird erst dann dran arbeiten, wenn sie die Beziehung zu verlieren droht und wenn die Beziehung ihr wichtig ist.
Was du schon mal tun kannst, ist, eigenen Interessen nachzugehen, die die Partnerin nicht teilt, und das zu tun, was ich unter “zu 2)” vorschlage.

(Unter dem Buchtipp geht´s weiter!)
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Wie steht es um dein Bewusstsein gegenüber Sex, wie steht´s damit bei deinem Partner? Ist einer von euch lustlos und ihr wisst nicht genau, warum oder was tun? Es gibt so vieles, was der Lust zwischen zwei Menschen im Weg stehen kann. Hier erfährst du alles darüber und wie du Defizite beheben kannst: „Sexbewusstsein“

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Selbsthilfe-Tipps für Lustlose

A) Geh deiner Unlust sehr genau auf den Grund. Prüfe dich auch, ob du diese Paarbeziehung wirklich aufrechterhalten willst. Liebst du ihn noch? Wenn ja, mach dir klar, dass Liebe ja auch auf körperliche Art ausgedrückt wird. Aber vielleicht ist das auch ein Punkt: nämlich dass du beim Sex nicht das Gefühl hast, dein Partner drückt seine Liebe körperlich aus? Aber es sind eh immer mehrere Ursachen, die zusammenwirken. Super hilfreich bei der Suche nach den Ursachen von Lustlosigkeit ist mein Buch “Sexbewusstsein” (Info siehe oben) – bitte unbedingt lesen!

B) Eventuell zugrundeliegende Konflikte und Vorbehalte gegen den Partner nicht im Bett austragen, sondern offen mit ihm ausfechten.

C) Die eigene Lust ankurbeln durch erotische Phantasien, Videos, Literatur usw.. Den Alltagskram im Kopf ausschalten, indem man selbst aktiv wird und sich auch ein paar neue Sachen ausdenkt – das hilft, mehr “dabei” zu sein, statt ständig an Unerledigtes oder an seine Sorgen denken zu müssen. In dieser Hinsicht bietet mein Buch “Sex für Faule und Gestresste” sehr viele tolle Tipps! (Info siehe unten.)

D) Für Abwechslung im gemeinsamen Liebesleben sorgen, Ideen einbringen (auch hier ist das Buch “Sex für Faule und Gestresste” super).

E) Dem Partner offen sagen, dass sein Verhalten zur Lustlosigkeit beiträgt, und konstruktiv aufzeigen, was er anders machen könnte.

Viel Erfolg
Beatrice Poschenrieder
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