Potenzprobleme durch Peniskrümmung und Fremdgehen

Hallo Beatrice,
hab da ein Problem, mit dem ich glaube nicht mehr fertig zu werden.
Bin seit 20 Jahren verheiratet und im Sommer vorigen Jahres bemerkte ich einen Schiefstand meines Penis. Im November des selbigen Jahres ging ich zum Urologen, der eine Induratio Penis Plastica diagnostizierte. ((Erläuterung von Beatrice: Bei dieser Sache, kurz IPP genannt, handelt es sich um eine kleine Entzündung in den Penis-Schwellkörpern, die zu gewissen Verhärtungen/Ablagerungen führt, durch die sich das Glied immer mehr krümmt.))
Die Krümmung ist eigentlich nicht sehr stark ausgeprägt, so dass man damit leben kann, nur die Angst, es könnte schlimmer werden, krieg ich nicht aus dem Kopf.

Peniskrümmung und Erektionsprobleme, keine Lust mehr

Nun hab ich eh schon einen krummen Penis, und jetzt macht er beim Sex auch noch die Biege!

Seit ich weiß, dass ich an IPP erkrankt bin, geht im Bett überhaupt nichts mehr. Irgendwie hab ich das Gefühl, als hätte ich auf einmal vor der schönsten Nebenbeschäftigung, die es gibt, Angst.
Wenn das nur alles wäre… Im Dezember vorigen Jahres lernte ich eine Frau kennen und wir verliebten uns, meine Ehefrau weiß nichts davon. Diese Geheimnistuerei macht mich noch ganz fertig, noch dazu arbeitet sie im gleichen Betrieb wie ich. Noch dazu hat sie einen Freund, mit dem sie gerade beim Hausbauen ist. Es kommt noch hinzu, dass das Mädchen 20 Jahre jünger ist als ich. Einerseits bin ich verliebt, anderseits habe ich ein sehr schlechtes Gewissen gegenüber ihren Freund und natürlich auch gegenüber meiner Frau.
Anfang dieses Jahres dachte ich, es geht mit mir bezüglich meiner Erkrankung wieder bergauf und der Schock wegen der IPP legte sich wieder etwas. Dann bekam ich den zweiten Schock. Nach einer Nacht mit meiner Geliebten (kein Verkehr) telefonierten wir tags darauf und sie sagte, „dass ich einen kleinen Süßen habe“.
Ich konnte in dem Moment nichts mehr darauf sagen, ich war wie gelähmt. Ich dachte immer, dass man mit 15 bis 16 cm normal gebaut ist. Auf jeden Fall stellte ich sie daraufhin zur Rede und sie meinte, sie hätte es so nicht gemeint, denn ihr jetziger Freund hat einen Monsterpenis, der ihr beim Verkehr Schmerzen bereitet.
Sei es, wie es will, ich kenn mich jetzt überhaupt nicht mehr aus, hab auch keinen Bock mehr auf Sex, früher war ich sehr aktiv, aber jetzt brauch ich nur im Fernsehen eine nackte Frau sehen, dann überkommt mich ein Gefühl der Angst. Ich weiß nicht, ist es Versagensangst, da ich die IPP noch im Kopf hab? Anderseits könnte es auch die Beziehung zu dieser Frau sein.
Es ist schon soweit: wenn ich mit meiner Frau schlafen will, hab ich das Gefühl, als betrüge ich meine Freundin, und umgekehrt ist es auch so.
Auch wenn ich es mir selber mache und an die IPP denke, will mein Freund nicht so richtig. Hab es auch schon mit Viagra probiert, aber wenn ich an die IPP denke oder an die anderen Schwierigkeiten, geht auch nichts.
Weiß nicht, ob´s an der IPP liegt oder ob es psychische Ursachen hat.
Mein Urologe meint, da die IPP nicht so ausgprägt ist, dürfte ich keine Schwierigkeiten haben.
Weiß nicht mehr ein noch aus, und ich weiß auch, dass ich mich in diese Situation selber gebracht habe.
Bitte Beatrice, was würdest du mir empfehlen, wie kann man so was angehen?
Soll ich zu einen Andrologen gehen und den Penis untersuchen lassen oder könnte es eventuell die Psyche sein??
Vielen Dank fuer deine Mühe!!
Ruben (45)

Lieber Ruben,
als ersten Schritt rate ich dir tatsächlich dringend, zu einem guten Andrologen zu gehen und dich eingehend zu der IPP beraten zu lassen, damit du endlich mal diese Sache aus dem Kopf hast. Ich denke nämlich, dass du dich in der Sache völlig umsonst verrückt machst. Extrem viele Männer haben eine leichte Peniskrümmung, aber es kümmert sie überhaupt nicht, weil´s weder im Alltag noch beim Sex stört. Also was soll die Panik? Selbst dein Urologe meint, „da die IPP nicht so ausgprägt ist, dürfte ich keine Schwierigkeiten haben.“ Warum glaubst du ihm nicht?
Die meisten Peniskrümmungen sind angeboren und verschlimmmern sich von daher auch nicht. Manche Krümmungen entstehen im Laufe der Zeit, meist durch Ablagerungen im Innern des Penis (bzw. an der Wurzel). Wenn also eine Krümmung sich im Lauf der Zeit verstärkt, geht man zum Arzt, bekommt Präparate zum Einnehmen (z.B. Vitamin E), wenn das nichts bringt, lässt man durch einen kleinen Eingriff die Ablagerung entfernen.
Also lass es nochmal gründlich untersuchen und sprich mit dem Arzt, ob da ein Eingriff vonnöten ist oder nicht. Und wenn ja, dann lass es um Gottes willen machen, statt dich weiter mit Erektionsstörungen zu quälen.
Allerdings hab ich den Verdacht, dass deinem Unterbewusstsein die IPP „ganz gelegen“ kam, weil dich die Geschichte mit dieser anderen Frau belastet. Wie du selbst schreibst: „wenn ich mit meiner Frau schlafen will, hab ich das Gefühl, als betrüge ich meine Freundin, und umgekehrt ist es auch so.“
Und um diesen Konflikt einfach auszuschalten, schickt dir dein Unterbewusstsein eine Erektionsstörung samt „medizinischer“ Begründung, denn diese Begründung ist für dich offenbar immer noch leichter zu ertragen als der Gedanke, aus seelischen Gründen „impotent“ zu sein (plus evtl. aus Altersgründen – dazu unten mehr). Tatsache ist nämlich, dass dein Selbstwertgefühl offenbar sehr stark von deinem Penis (und dessen Fähigkeiten, eine Frau zu befriedigen) abhängt. Das zeigt mir deine extreme Reaktion auf diese eigentlich liebevoll gemeinte Äußerung deiner Freundin.
Ruben, die meisten Männer würden sich bei einem „kleinen Süßen“ überhaupt nichts denken! oder würden sogar schmunzeln! Auch ich und viele andere Frauen nennen die Teile unserer Jungs oft „kleiner Freund“, „dein Kleiner“ o.ä., denn im Vergleich zum Mann (auf den es uns ja eigentlich ankommt) ist das Ding ja klein.
Dein Penis liegt mit 15 – 16 cm sogar über dem Durchschnitt, der (beim Deutschen) knapp unter 15 liegt. Und deine Freundin hat absolut recht: den meisten Frauen bereitet ein großer Penis eher Unbehagen und Schmerzen.
Deine Größe ist optimal, glaub´s mir.
Also hör auf, rumzuspinnen.
Aber nochmal: Vielleicht hängst du dich auch an dieser harmlosen Bemerkung so auf, weil dein Unterbewusstsein einen Grund sucht, den Sex mit dieser Frau zu vermeiden, da er dich seelisch belastet.
Schritt zwei wäre also konsequenterweise, dir klar zu werden, was du beziehungstechnisch willst.
Allerdings denke ich, dass da noch mehr Faktoren in deinem Problemkreis mitspielen, z.B. Angst vor dem Altern und eine gewisse Torschlusspanik, wie sie viele Männer deines Alters ergreift – die berühmte “Midlife-Crisis”: Man lebt schon viele Jahre in einer festen Beziehung oder Ehe, diese hat sich allmählich abgenutzt, tief drinnen fragt man sich: Das kann doch nicht alles gewesen sein? Geh ich jetzt unaufhaltsam aufs Alter zu, mit immer der selben Frau, dem selben Leben? Alles schwindet: Attraktivität, Fitness, Potenz („jetzt brauch ich nur im Fernsehen eine nackte Frau sehen, dann überkommt mich ein Gefühl der Angst. Ich weiß nicht, ist es Versagensangst…“). Also legt mann sich ein Gegenmittel zu: eine viel jüngere Frau – die schönste Selbstbestätigung, die ein Mann in mittleren Jahren (und darüber) kriegen kann. Denn mann ist ja noch gar nicht alt, unattraktiv, nicht mehr begehrenswert, wenn so eine Junge eine will!
Nur, deine Psyche spielt dir einen Streich. Sie sabotiert dein Verhältnis zu der Jungen, aus verschiedenen Gründen: Das Mädel will dich eigentlich nicht so wirklich, denn sie hält an ihrem Freund fest, mit dem sie sogar ein Haus baut. Du willst sie vielleicht gar nicht so wirklich, weil etwas in dir sagt, dass sie nicht die Richtige ist oder dass du besser an deiner Ehe festhältst. Dein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Freund und deiner Frau.
Aber mit deiner Frau kannst du auch nicht mehr so richtig schlafen, und deine Verliebtheit in die andere ist sicher nicht der einzige Grund. Sex mit deiner Frau ist mit bestimmten Gefühlen verbunden, die dich runterziehen. Spür dem mal gründlich nach!

Das klingt vielleicht komisch: der Penis ist oft ein Barometer der Seele. Denn viele Männer haben keinen so guten Zugang zu ihren Gefühlen und tiefen Bedürfnissen, oder sie verdrängen sie, aber da ist so ein sensibles Ding in ihrer Leibesmitte, das zeigt auf seine Art, dass etwas ganz Grundsätzliches nicht stimmt! (In meinem Buch “Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!” ist das näher beschrieben sowie eine Technik, wie du dem näher auf den Grund gehen kannst.)
Vielleicht sind deine derzeitigen Probleme ein Hilferuf, dass du was ändern musst: an deiner Selbsteinschätzung, deinem Leben, deinen Beziehungen, deinem Umgang mit dir selbst und mit anderen… Mein Rat wäre, dass du dich einem kompetenten Menschen anvertraust (evtl. Therapeut/in mit Zusatzspezialisierung auf Sexualität?).
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder