Meiner Frau steht eine Gebärmutter-Entfernung bevor, ist unser Sexleben dann vorbei?

Hallo Beatrice,
meine Frau (48) und ich sind seit 8 Jahren verheiratet und haben immer noch ein intensives Sexualleben. Leider muss sie sich in Kürze die Gebärmutter entfernen lassen, und das belastet unsere Ehe. Sie meint, dass sie sich nach der Operation ja schonen müsse und auch später unser Sex nicht mehr so gut sein könne wie früher bzw. vielleicht gar nicht mehr möglich sei. Ich habe ihr immer wieder gesagt, dass das für mich keine Rolle spielt, denn ich hätte sie ja nicht nur fürs Bett geheiratet. Außerdem könnten wir uns auch oral befriedigen, was ja genauso intim und schön sei.
Offenbar wird sie aber diese Gedanken nicht los. Vor kurzem gab es wieder ein Gespräch zu diesem Thema, bei dem meine Frau unter Tränen sogar meinte, es würde ihr nichts ausmachen, wenn ich mir meine Befriedigung dann woanders (sprich: bei einer Prostituierten) holen würde. Sie könne alles ertragen, nur nicht, dass ich im Zusammenleben mit ihr unzufrieden würde. Ich bin ihr sofort ins Wort gefallen und habe gesagt, dass ich NIEMALS mit einer anderen Frau ins Bett gehen würde, abgesehen davon, dass ich dabei überhaupt keine Befriedigung haben könnte.

Zum besseren Verständnis ist vielleicht wichtig, dass meine Frau schon einmal verheiratet war, aber es war eher eine Zweckehe. Außerdem ist die Ehe einer Arbeitskollegin meiner Frau vor einigen Jahren nach derselben Operation kaputtgegangen. Wir sprachen damals darüber viel, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Frau sich für unsere Ehe ähnliche Sorgen machen könnte.
Ich möchte verstehen, was sie auf eine solche Schnapsidee gebracht hat. Kann eine Frau wirklich “erlaubte Seitensprünge” so einfach wegstecken? Und reicht es aus, dass ich ihr mit Worten und kleinen Gesten immer wieder meine Liebe zeige, wenn ihre Zweifel kommen? Ich mache mir auch über den Verlauf der OP Sorgen, wenn sie in diesem wackligen Seelenzustand ins Krankenhaus soll.
Mit freundlichen Grüßen
Herbert (49)

„Sie

Lieber Herbert,
falls Ihre Frau es noch nicht getan hat, so sollte sie sich auf jeden Fall eine zweite ärztliche Meinung einholen. Manche Ärzte sind nämlich allzu schnell dabei, eine Gebärmutter rauszuschneiden, selbst wenn es Alternativen gäbe (bzw. man erst mal andere Methoden versuchen könnte).
Zweitens: Wer, um Himmels willen, sagt, dass eine Frau nach einer Gebärmutterentfernung keinen Verkehr mehr haben könnte???!!! Die Scheide ist nach wie vor da, der Muttermund auch, ist also alles schön zu, da ist ja keine offene Wunde da unten oder sowas. Die Eierstöcke sind auch noch da, sprich, es werden weiterhin Sexualhormone produziert.
Es gibt sogar Frauen, die nach so einer OP ein besseres Sexleben haben, weil sie sich nicht mehr Sorgen über Schwangerschaft, Schmerzen oder sowas machen müssen.
Meist ist es eher ein seelisches Problem; manche Frauen fühlen sich dann nicht mehr “vollwertig”. Es gibt Therapeutinnen, die sich genau auf diese Thematik spezialisiert haben, aber fragen Sie mich bitte nicht nach Namen – da müsste ich Sie bitten, selber zu recherchieren.
Und besorgen Sie die umfassendste Information über das Thema, die Sie bekommen können, und lesen Sie´s zusammen mit Ihrer Frau.

Sie fragten noch:
«Kann eine Frau wirklich “erlaubte Seitensprünge” so einfach wegstecken?»
Fast keine Frau kann das. In der Realität ist das viel belastender als in der Theorie.

“Und reicht es aus, dass ich ihr mit Worten und kleinen Gesten immer wieder meine Liebe zeige, wenn ihre Zweifel kommen?”
Das ist auf jeden Fall eine gute Idee.

Alles Gute
Beatrice Poschenrieder