Habe ich Orgasmusprobleme, weil ich auf eine spezielle Methode fixiert bin?

Liebe Beatrice,
ich würde gerne zum Orgasmus kommen, wenn ich mit meinem Verlobten schlafe, schaffe das aber nicht. Meine lang bewährte Orgasmus-Methode ist, mich auf dem Bauch liegend an irgendetwas zu reiben, das zwischen meinen Beinen liegt. Das klappt auch gut, wenn ich auf ihm liege und wir die Beine versetzt/ “verschert” haben. Aber nur, wenn er nicht in mir drin ist. Einfach so komme ich nicht, wenn wir miteinander schlafen, obwohl ich es auch sehr erregend finde. Wenn ich mich dann dabei anfasse, empfinde ich das als unangenehm (ich finde das Anfassen aber sowieso schwierig, auch wenn ich es alleine tu), irgendwie überreizt und ein bisschen taub gleichzeitig. Als wollte mein Körper sagen: “Das was vorne an der Klitoris und das was hinten in der Scheide passiert, passt nicht zusammen.”
Was ist da los? Wenn er rausgeht, merke ich dann, dass ich auch vorne erregt bin, weil es zuckt. Aber irgendwie bekomme ich die beiden Körperregionen nicht in Einklang. Ist vielleicht die Penetration zu heftig? Dabei berührt er doch die Klitoris gar nicht (und so doll geht’s bei uns auch nicht zu:)). Wenn er dann rausgeht und ich auf ihm liege, passiert es oft, dass mein Körper nicht von hinten nach vorne umschalten kann und ich nicht direkt kommen kann, erst eine Weile später.
Lisa (26)

Liebe Lisa,
du bist fixiert auf eine einzige spezielle Methode, um zu kommen, und das ist sehr ungünstig.
Sehr viele Menschen, die für ihre Befriedigung eine „indirekte“ Methode wählen (z.B. sich an etwas reiben, Beine zusammenpressen), statt sich selbst direkt zu berühren, haben in ihrem Inneren einen tief verankerten Widerstand gegen Selbstbefriedigung und/oder aktive Sexualität. Dieser Widerstand ist größtenteils unbewusst und kann gespeist sein aus heimlichen Schuldgefühlen, antisexueller Erziehung, Angst vor Kontrollverlust etc.
Dass das bei dir auch so sein könnte, wird durch diese Aussage gestützt: „ich finde das Anfassen aber sowieso schwierig, auch wenn ich es alleine tu“, und eventuell auch dadurch, dass deine Klitoris manchmal empfindlich und taub zugleich ist (wobei letzteres auch andere Gründe haben kann).
Das heißt: Zuerst einmal wäre es nützlich, wenn du die Hintergründe dieses Widerstandes genauer ergründest, eine Neu-Einordnung vornimmst und dann dir selbst ganz offiziell die Erlaubnis gibst, sexuell zu experimentieren, was das Zeug hält – und zwar mit dir allein wie auch mit deinem Freund.
Dein Körper ist total darauf konditioniert, durch diese einzige Reibe-Methode zu kommen, das heißt, du musst ihn mit viel Geduld und Spucke darauf „trainieren“, auch mittels anderer Methoden zu kommen. Aber dazu musst du erst mal rausfinden, wie du dich anders in eine hohe Erregung bringen kannst als nur durch die bisherige Methode – ja, richtig, es geht erst mal nicht darum, dass du einen Orgasmus ansteuerst, sondern eben hohe Erregung.

Du fragst: „Wenn er rausgeht, merke ich dann, dass ich auch vorne erregt bin, weil es zuckt. Aber irgendwie bekomme ich die beiden Körperregionen nicht in Einklang. Ist vielleicht die Penetration zu heftig?“
Ich glaube, das ist gar nicht so ungewöhnlich, was du da beschreibst. Ich erkläre es mir so, dass beide Regionen ja mit sehr vielen Nerven ausgestattet sind – die Klitoris eh und die Scheide vor allem im Eingangsbereich. Ich halte es für denkbar, dass die Nerven an der Scheide schon genug zu tun haben mit all den Reizen beim Verkehr und das Gehirn in der Verarbeitung der Nerven dann gar nicht so schnell hinterherkommt, oder dass es so eine Art „Nachhall“ gibt, ähnlich wie du einen Schlag auf den Arm noch lange nach dem eigentlichen Schlag spürst und ein anderer, kurz danach gelegener Körperreiz dann weniger intensiv wahrgenommen werden würde.

Also mein Rat lautet
1) wie oben erwähnt: sexuell zu experimentieren, was das Zeug hält – und zwar mit dir allein wie auch mit deinem Freund, wie du anders in eine hohe Erregung kommen kannst als nur durch die bisherige Methode.
2) Wenn du dann ein paar andere Methoden gefunden hast und deinem Körper einige Wochen Zeit gegeben hast, sich dran zu gewöhnen, dann versucht, diese Methoden auch in euren gemeinsamen Sex einzubauen. (Hinweis: Oftmals reagiert die Klitoris besser auf Fremdstimulation als auf Eigenstimulation – findet also eine Stellung, wo er sich zusätzlich zum Verkehr um deine Klitoris kümmern kann. Gute Stellungen dafür und weitere Tipps findest du in meinem Orgasmusratgeber „Stöhnst du noch oder kommst du schon?“)

Herzlichst
Beatrice Poschenrieder

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