Seit ihren Wechseljahren läuft sexuell fast nix mehr, aber schon vorher war es wenig

Hallo liebe Frau Poschenrieder,
wende mich mit dem Thema “Lustlos” an Sie.
Bin 56 Jahre alt, meine Frau ist 51. Wir sind seit gut 26 Jahren verheiratet und haben drei erwachsene Kinder. Ab der Geburt der Kinder wurde es in Sachen Sex sehr ruhig. Genau gesagt, gab es die letzten 25 Jahre ziemlich genau 1x im Monat Sex, ein bis zwei Tage nach ihrer Periode. Manchmal sogar an zwei darauf folgenden Tagen. Man konnte den Kalender danach stellen. Sie hatte an diesen Tagen Lust und ich hab darauf gewartet und mich darauf eingestellt.
Vier Wochen dazwischen musste ich jedoch leiden und mit meiner Sexualität alleine zurechtkommen.
Außer gegenseitiges Rückenkraulen und Massagen gab es nichts und jeglicher Kontakt mit allen Intimbereichen ist nicht gewünscht. Weder sie berührt mich, noch darf ich sie berühren. Dazu kam (und kommt immer noch) eine sehr lang anhaltende Regelblutung bei ihr, meist über zwei Wochen, durch die jegliche Sexualhandlung sofort von ihr abgewehrt wurde. Trotzdem konnte ich mit der Situation mehr oder weniger damit leben.
Nun ist sie aber in den Wechseljahren, den monatlichen Sex gibt es nicht mehr, sondern inzwischen nur noch alle zwei bis drei Monate und vermutlich bald überhaupt nicht mehr. Ich dagegen hätte sogar gegen tägliche Sexualität nichts einzuwenden.
Dann fürchte ich, ist die Ehe kaputt. Dabei sind wir ein tolles Team und führen ansonsten eine Musterehe. Finde meine Frau auch total sexy, attraktiv und möchte sie auch nicht enttäuschen, oder verlassen. Aber die Situation schlägt mir so sehr auf den Magen, dass ich besonders am Morgen nach dem Aufstehen sehr große Bauchschmerzen hab. Auch Gespräche mit ihr über das Thema sind zwecks Erfolglosigkeit irgendwann verstummt und dass das Problem ein Problem ist, haben wir vermutlich verdrängt. Dabei weiß ich nicht mal, ob sie damit ein Problem hat, oder ob sie weiß, dass ich ein Problem damit habe.
Natürlich versuche ich mich mit Job, Hobbys, Eigenerotik usw. abzulenken, aber ich bin dennoch so frustriert und gelähmt, dass ich momentan nicht genau weiß, wo ich ansetzen soll. Hab auch große Angst davor, mit ihr über das Thema nochmal zu sprechen, bzw Angst hier irgendwas was falsch zu machen.
Würde mich über jeden Tipp oder Anregung freuen.

Liebe Grüße und vielen Dank im Voraus
Günther (54)

Lieber Günther,
oh ja, es ist ein Problem, und das Problem ist sogar zu groß, als dass ich es in dieser kleinen kostenlosen Beratung lösen könnte, aber ich kann Ihnen ein paar Tipps und Hinweise geben.
Also. Weder die Wechseljahre noch die Menopause stellen zwangsläufig die Lust und/oder den Spaß am Sex ab, sondern bei vielen Frauen geht die Sexualität dann erst richtig los. Und selbst bei den Frauen, wo die Lust und der Drang nach Sex völlig nachlassen, ist dies kein Schicksal, was man tatenlos hinnehmen muss. Ihre Frau könnte zum Frauenarzt gehen und sich eingehend untersuchen und beraten lassen (es gibt z.B. auch ein paar sehr gute Naturmittel, die hormonausgleichend wirken und helfen, im Körper der Frau wieder eine gute Balance herzustellen). Dass Ihre Frau das nicht tut, lässt mich vermuten, dass sie halt keinen Leidensdruck hat – der Sex fehlt ihr kein bisschen! Und das wiederum lässt mich vermuten, dass sie entweder aus irgendwelchen Gründen keine Lust mehr auf ihren Mann hat (hat sich z.B. seine Körperform verändert?), oder die Form von Sex, die zwischen den beiden stattfand, war nicht so ganz ihr Ding oder da fehlte irgendwas.
Das müssen Sie rausfinden.
Was bei Ihnen vielleicht noch hinzukommt, ist, dass Sie gegenüber Ihrer Frau nicht besonders risikofreudig sind. Wenn Sie jetzt nicht genug Mut haben, ihr gegenüber Klartext zu reden, dann haben Sie vermutlich in einiger anderer Hinsicht auch zu wenig Mut (z.B. im Bett einfach mal neue Sachen auszuprobieren, oder Ihre Frau zu überraschen, oder auch mal – im Alltag – spontan und verrückt sein usw.). Das Blöde ist, dass das nicht grade das Begehren einer Frau anfacht, sondern im Gegenteil.

Sie können das alles durchaus noch lernen, aber dazu bräuchten Sie ein bisschen fachliche Hilfe. Ich empfehle Ihnen erst mal zwei Bücher, damit Sie mehr Hintergrundwissen bekommen und auch besser durchblicken, was da bei Ihnen beiden einer erfüllten Sexualität da evtl im Wege steht:
„Sexbewusstsein“ und „Sex für Faule und Gestresste“ – zufälligerweise sind beide Bücher von mir.
Natürlich können Sie, falls Sie weder die Zeit noch die Geduld haben, erst mal zwei Bücher zu lesen, auch gleich in fachliche Beratung gehen (Paar- und Sexualberatung).

Es lohnt sich bei Ihnen sehr, dass Sie sich hier reinhängen, denn Sie sagen ja selbst: Wenn das mit dem Sex so weitergeht, „Dann fürchte ich, ist die Ehe kaputt“. Das wäre sehr schade bei so einer guten Beziehung.

Herzlichst
Beatrice Poschenrieder

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