Keine Lust auf ihn: Er ist der perfekte Partner, aber der Sex ist so eintönig und lahm

Um Lust zu kriegen, brauche ich einen sexuell dominanten Mann, der weiß, wie er mich handhaben muss. Mein Freund ist leider das Gegenteil!

Wir haben eine gute Beziehung, aber der Sex ist schlecht und langweilig

Liebe Beatrice,
seit einiger Zeit trage ich diverse Probleme in Bezug auf meine Beziehung mit mir herum. Das größte Problem ist wohl meine Unlust… Ich habe eigentlich so gut wie nie wirklich von mir aus Lust auf Sex – vielleicht an einem Tag im Monat, wenn überhaupt. Dabei verstehe ich gar nicht, wieso das so ist. Eigentlich bin ich sexuell ziemlich aufgeschlossen und aktiv – aber leider nur im Kopf. Ich lese gerne erotische Erzählungen und bin eigentlich für alles zu haben, was mir auch nur ansatzweise anregend vorkommt. Zusätzlich bin ich mehr oder weniger devot veranlagt und male mir vor allem in dieser Richtung die wildesten Szenen aus.
So eine Veranlagung bleibt natürlich unbefriedigt, wenn der Partner nicht zumindest ein wenig dominant ist und ab und zu mal sagt “wo’s lang geht”. Mein Freund (22) hat diesen Zug leider absolut nicht. Er ist ziemlich einseitig und langweilig beim Sex, auch wenn wir öfter darüber reden und ich ihm auch schon paarmal meine Wünsche mitgeteilt habe.
Er versucht es immer wieder, meinen Wünschen so gut es geht nachzukommen – wenn er die Wahrheit sagt, gefällt es ihm auch sehr. Doch leider ist das nach zwei Tagen schon wieder erledigt. Ich versuche auch immer wieder, ihm zu erklären, dass das “Vorspiel” bei mir nicht erst im Bett anfangen darf, sondern sich eigentlich über den ganzen Tag aufbauen muss, durch Blicke, Sätze, Berührungen etc. pp. Er versteht es angeblich, setzt er aber nicht um.
Normalerweise sieht der Sex bei uns also so aus: Wir gehen ins Bett oder liegen im Bett und sehen fern. Er fragt: “Schahatz… Hast du Lust?” und spätestens ab da habe ich keine Lust mehr. Ich gehe trotzdem darauf ein (ich will ihn ja auch nicht immer zurückweisen) und dann beginnt er mit dem immer gleichen Vorspiel: streicheln an “der einen” Stelle. Mehr nicht. Irgendwann meint er wohl, dass es reichen müsse, und dann haben wir Verkehr. Meistens in der Missionarsstellung und nur kurz (10 Minuten).
Das alles sind Punkte, die mich stören, ich brauche einfach das Abenteuer im Bett und ein einfallsreicheres Sexualleben. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich das erreichen soll! Mit ihm zu reden, hilft scheinbar nicht.
Insbesondere die Art, wie es zum Sex kommt (siehe die Beschreibung oben), stört mich ungemein. Ich möchte nicht gefragt werden, ob ich Lust habe, bevor etwas passiert, und ich möchte nicht immer das gleiche mechanische Vorspiel haben. Zumal es bei mir sehr lange dauert, bis ich durch solche Streicheleinheiten so weit bin, dass ich beim Eindringen dann keine Schmerzen habe. Woran das wiederum liegt, weiß ich auch nicht.

Der andere, psychische Aspekt meiner Unlust liegt – meiner Meinung nach – in meiner sexuellen Vergangenheit. Als ich 16 war, kam ich mit meinem damaligen Freund zusammen, mit dem ich knapp 1,5 Jahre liiert war. Er war 6 Jahre älter als ich. Die ersten drei, vier Monate waren schön – dann hatte ich mit ihm mein Erstes Mal. Das war auch noch in Ordnung. Und dann hat er angefangen, mich zu schlagen, wenn er betrunken war, und mich sexuell so sehr zu bedrängen, dass ich jedes Mal in Tränen ausgebrochen bin. Später hat er angefangen, mich zu vergewaltigen – auch wenn ich bis heute nicht weiß, ob er das überhaupt gemerkt hat. Ich hatte unglaubliche Schmerzen, wenn wir Sex hatten, und das wusste er, aber das hat ihn nicht gestört. Auch wenn ich dabei geweint habe und mich selbst in den Arm / die Hand gebissen habe aufgrund der Schmerzen, hat es ihn nicht interessiert. Ich war leider so dumm, noch ein ganzes Jahr bei ihm zu bleiben.
Ich denke, dass das der Grund dafür ist, dass ich von mir aus so extrem selten wirklich das Bedürfnis nach Sex, Lust auf Sex habe. Und ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Das bringt mich zum Verzweifeln – und meinen Freund, den ich wirklich über alles liebe, natürlich auch. Welcher Mann will schon eine Freundin, von der er nicht sexuell begehrt wird, die nie einfach mal Lust auf Sex hat? Es zerstört langsam unsere Beziehung und unsere Zärtlichkeiten.
Gleichzeitig, und das finde ich zurzeit fast am Bedrückendsten, habe ich eine unglaubliche Sehnsucht nach Abenteuern, nach einem starken Mann, der weiß, was er will, und weiß, wie er es (gewaltlos…) bekommt. Diese Sehnsucht tut mir an manchen Tagen richtig weh, oft könnte ich einfach stundenlang heulen.
Denn mit meinem Freund habe ich sowas nicht – ich weiß selbst nicht, wieso. Er ist toll, groß, stark, hübsch… aber langweilig. Das klingt hart, aber irgendwie fühle ich mich in letzter Zeit so. Wir gehen nicht aus, wir machen nichts Spontanes, Verrücktes, Abenteuerliches. Irgendwie ist die Luft raus, das Kribbeln, das Geheimnisvolle, das Verführerische. Früher war es besser, aber jetzt ist alles so alltäglich und gewöhnlich geworden.
Ich weiß, das ist oftmals das Problem in längeren Beziehungen. Aber wir sind noch nicht so lange zusammen (14 Monate) und wir lieben uns, wir planen eine gemeinsame Zukunft, ein Haus, Familie… Wie können wir es schaffen, dass das Kribbeln wieder kommt, dass die Beziehung, der Sex, einfach alles wieder spannend wird?
Viele Grüße, Celia (19)

Liebe Celia,
du schreibst:
“Insbesondere die Art, wie es zum Sex kommt (siehe die Beschreibung oben), stört mich ungemein. Ich möchte nicht gefragt werden, ob ich Lust habe, bevor etwas passiert, und ich möchte nicht immer das gleiche mechanische Vorspiel haben.”
Das verstehe ich gut; fast allen Frauen würde es so gehen.

Ich hab aber noch einige Fragen an dich.
1) Weiß dein jetziger Freund, dass dein Ex dich vergewaltigt hat und dass du beim Sex große Schmerzen hattest? Oder was weiß er genau davon?
2) Hattest du je eine richtige fachliche Beratung wegen dieser Vergewaltigungen?
3) Besteht die Möglichkeit, dass du bereits als Kind zu sexuellen Dingen genötigt wurdest?
4) Du schreibst: “Er ist toll, groß, stark, hübsch… aber langweilig. Das klingt hart, aber irgendwie fühle ich mich in letzter Zeit so. Wir gehen nicht aus, wir machen nichts Spontanes, Verrücktes, Abenteuerliches.“
Machst du Vorschläge? Wieviel kommt da von dir und wie oft?
5) Begehrst du ihn? Liebst du ihn überhaupt noch?
Herzlichst, Beatrice

Liebe Beatrice,
ich tue mein Bestes, um deine Fragen zufriedenstellend zu beantworten.
1) Ja, mein jetziger Freund weiß alles, was in der Beziehung mit meinem Ex passiert ist.
2) Nein, ich hatte nie eine richtige Beratung bezüglich der Vergewaltigungen, ich habe anfangs nur mit meinen beiden besten Freunden darüber geredet.
3) Das ist eine sehr schwierige Frage… Ich kann es mir nicht vorstellen, dass so etwas passiert ist. Allerdings hatte ich als Kind öfter unangenehmen Kontakt zu meinem Vater, bspw. wenn er mir den nackten Hintern versohlt hat (es kam vielleicht 2 bis 4 Mal vor, bis ich 7 oder 8 war, glaube ich). Also ich denke nicht, dass da wirklich etwas sexuelles vorgefallen ist, aber solche Erlebnisse verhindern bis heute, dass ich meinen Vater ohne unangenehme Gefühle umarmen kann.
4) Ich sage meinem Freund oft, wie ich mir den Sex mit ihm wünsche und wie ich das gerne in unseren Alltag einbinden würde (flüchtige Berührungen, ausziehende Blicke…). Ab und zu versuche ich auch, ihn zu verführen, wenn wir nicht gerade im Bett liegen, dagegen sträubt er sich aber sehr, weil es ihm in der Öffentlichkeit peinlich ist, mehr als Händchenhalten zu tun. Ich bin seine erste Freundin und er ist streng katholisch erzogen, also irgendwie verstehe ich es schon. Schade ist es trotzdem. Auch wenn ich Unternehmungen vorschlage, Schwimmbad, Kino, hat er meistens keine Lust.
5) Diese Frage habe ich mir selbst auch schon oft gestellt und auf jeden Fall liebe ich ihn noch, mehr als am Anfang sogar. Er ist einfach unbeschreiblich und ich möchte nichts lieber tun, als mit ihm meine Zukunft zu verbringen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich ihn nicht mehr so begehre wie früher. Vermutlich liegt es daran, dass der Sex selbst mittlerweile so eintönig geworden ist. Denn manchmal, wenn er mich mit diesem besonderen, prickelnden Blick ansieht, begehre ich ihn und möchte mit ihm schlafen, doch das endet meistens mit Frustration – da der Sex wieder so war, wie er immer ist, eintönig und langweilig. Irgendwie schafft er es trotz all meiner Vorschläge und Hilfestellungen nicht, das umzusetzen. Und wenn ich es versuche, benimmt er sich kindisch oder blockt ab.
Ich würde also sagen, dass das Verlangen nach ihm noch da ist, aber von der Abneigung gegen diese Art von Sex übertroffen wird…
Viele liebe Grüße, Celia

Liebe Celia,
also dann wollen wir mal.
Du schreibst:
“Insbesondere die Art, wie es zum Sex kommt, stört mich ungemein. Ich möchte nicht gefragt werden, ob ich Lust habe, bevor etwas passiert, und ich möchte nicht immer das gleiche mechanische Vorspiel haben. Zumal es bei mir sehr lange dauert, bis ich durch solche Streicheleinheiten so weit bin, dass ich beim Eindringen dann keine Schmerzen habe. Woran das wiederum liegt, weiß ich auch nicht.”
In dieser Hinsicht bist du völlig normal. Wie du vielfach in meinem Sexarchiv hier nachlesen kannst, brauchen die meisten Frauen ein anständiges und ausgiebiges Vorspiel, was DEN GANZEN KÖRPER EINBEZIEHT und nicht nur im Intimbereich stattfindet! d.h. Küssen, Kosen, Streicheln auch mal an den Füßen, Beinen, Armen, am Rücken, Kopf, Po usw.
Du schriebst zwar, dass du ihm oft deine Wünsche mitteilst, aber hierin scheinst du eher zu verstummen. Dabei ist seine (eigentlich lästige) Frage “Schahatz… hast du Lust?” eine wunderbare Chance zu reden! Genau dann kannst du nämlich sagen: “Momentan hab ich noch nicht so Lust, Schatz, aber wenn du mich erst mal schön an ….. streichelst und mir den Rücken massierst, ist die Chance hoch, dass ich richtig Lust auf dich kriege“ – oder was auch immer du grade brauchst.
Das bedeutet auch: Sobald er mit dem immergleichen mageren und mechanischen Vorspiel beginnt und du hast grade nicht wirklich richtig doll Lust drauf, MUSST DU IHN STOPPEN!!! und ihm sagen, was du stattdessen möchtest. Auch wenn das mal ist: “Heute kein Beischlaf, sondern lieber xy (Schmusen, Petting, Ganzkörpererkundung, Fesseln, Rollenspiele,…)“.
Eine devote Veranlagung bedeutet keineswegs, dass frau den Mann einfach machen lässt und alles über sich ergehen lässt. Je klarer du in deiner Sexualität bist, desto klarer wird es auch ihm, was er tun kann/soll und was nicht.
Bei deinem Ex hast du absolut versäumt, diese Dinge zu tun, und das hat dir deine Lust versaut – und natürlich die Vergewaltigungen durch deinen Ex. Daher lege ich dir sehr nahe, tatsächlich mal eine Beratung zu machen.

Was die sexuelle Zurückhaltung deines Freundes betrifft, denke ich, das kommt aus mehreren Gründen. 1) Er weiß von den schlimmen Erlebnissen mit deinem Ex und will dir nicht mal annähernd sowas antun. Hierin musst du sehr ausführlich und offen mit ihm sprechen und ihn beruhigen, dass du sehr wohl zwischen ihm und dem Ex unterscheiden kannst.
2) Er ist sehr katholisch erzogen, und er ist kein besonders aktiver Mensch. Das, was du beschreibst, ist sehr schwer zu ändern. Dein Schatz ist nicht nur sexuell handlungsgehemmt, zu wenig einfallsreich und vielleicht auch etwas phlegmatisch, sondern er hat ein sehr braves, “anständiges” sexuelles Selbstbild. Das heißt, sich selbst als jemand zu sehen, der frech, dreist, sexuell selbstbewusst, ab und zu dominant und auch ein bisschen versaut ist, ist geradezu unmöglich für ihn; er fühlt sich dann komisch und unwohl, es passt nicht mit dem Bild zusammen, was er von sich selbst hat. Und das wirst du wahrscheinlich auch nicht ändern können, denn du hast ja schon alles Mögliche versucht. Wenn du ihm jetzt das mit dem sexuellen Selbstbild erzählst, wird er nur ungläubig und verständnislos den Kopf schütteln und denken, du willst an ihm herumerziehen. Das Ganze wäre ja viel leichter zu ändern, wenn ER sich an mich gewandt hätte! Von einer neutralen Person, die außerdem sehr erfahren in der Thematik ist, nimmt man eine Analyse und Änderungsvorschläge viel lieber entgegen. Du kannst aber erst mal was Schlichteres versuchen. Ein Buch von mir, „Sexbewusstsein“ (8,99 Euro), wäre die perfekte Lektüre für ihn, und für dich zum Teil auch. Besorg das Buch, fang an, es zu lesen, mach es ihm schmackhaft.

Denn es ist Unsinn, eine gemeinsame Zukunft zu planen, wenn es in zwei Bereichen so stark hakt wie bei euch: Erotik und gemeinsame Aktivitäten. Apropos: du schreibst, “wir lieben uns, wir planen eine gemeinsame Zukunft, ein Haus, Familie…”
Das ist viel zu früh und ihr seid noch viel zu jung dazu! Das erzeugt viel zu hohen Erwartungsdruck, auch in sexueller Hinsicht. Das heißt, auch dies behindert bei dir die Lust und bei ihm das sexuelle Aus-sich-Herausgehen. Ihr müsst bewusst beschließen, euch noch viel Zeit zu lassen und diese Pläne erst mal nicht mehr zu thematisieren.

Liebe Grüße,
Beatrice Poschenrieder

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