Vorspiel? Er sagt nur, zackzack, das muss schnell gehen!!

Hallo Beatrice!
Ich bin seit drei Jahren mit meinem Freund Matthias (26) zusammen. Wir verstehen uns gut und unsere Beziehung läuft! Wobei ich nicht ganz wunschlos glücklich bin, ich hätte nämlich gerne ein längeres Vorspiel, kriege aber keins. Wie lange unseres ist, kann ich nicht genau sagen, vielleicht etwa 6 Minuten. Mir reicht es jedenfalls nicht. Meine Idealvorstellung wäre, dass er mich so lange „richtig heiß“ macht, bis mein Verlangen nach ihm und dass er in mich eindringt so groß ist, dass ich es nicht mehr aushalten will. Ich hatte diese Art von Sex schon, allerdings mit meinem vorherigen Freund, und vermisse diesen Sex auch ein wenig und tja, so langsam auch ein wenig mehr!
Ich habe ihm gesagt, dass mir das Vorspiel nicht genügt, als Antwort habe ich ein (liebes) Grinsen bekommen und die Auskunft: “Zack, zack, das muss schnell gehen!”
Als wir das letzte Mal Lust hatten, habe ich ihn gefragt, ob er mir nicht vorher den Rücken massieren könnte, das habe ich nämlich sehr gerne. Er hat mich daraufhin gefragt, ob dies nicht auch danach ginge, denn jetzt hätte er ja etwas anderes vor… Mhh!
Eine andere Sache ist, dass ich auch gerne mal wieder mit dem Mund verwöhnt werden will, aber auch hier sperrt er sich. Ich habe schon nachgehakt, ob es daran liegt, dass ich ihm nicht gut schmecke etc., aber keine richtige Antwort bekommen. An der Sauberkeit scheitert es jedenfalls nicht, da es mir wichtig ist, dass ich mich sicher fühle, wenn jemand seine Nase ziemlich nah an mein „Allerheiligstes“ führt. Er fordert im Gegenzug allerdings auch nicht ein, dass ich es bei ihm mache, obwohl ich nichts dagegen hätte, nur dafür. Er sagt, dass beide nur das machen sollten, wozu auch jeder Lust hätte. Damit hat er ja auch Recht, aber ich finde die orale Befriedigung nicht so abgefahren, als dass man sich dabei so sperren müsste.
Hinzu kommt, dass sich auch bei uns etwas Alltag ins Liebesleben eingeschlichen hat, irgendwann wird „immer das Gleiche“ eben langweilig. Deshalb habe ich uns vor kurzem zwei Bücher gekauft: «Der perfekte Liebhaber: Sextechniken, die sie verrückt machen»
und eins für mich. Ich habe dies auch in der Hoffnung getan, damit Matthias es noch einmal schriftlich nachlesen kann, dass
a) die Frau länger braucht als der Mann. Er ist nämlich (immer noch!) darüber am staunen, wenn er mich, nachdem er fertig ist, bis zum Orgasmus streichelt, dass das ganze mal eben 10 Minuten dauern kann. Ich habe ihm versucht, das Vorspiel schmackhaft zu machen, in dem ich ihm sagte, dass dies ja beim Mann nicht nur dazu diesen soll, einen hochzukriegen, sondern um die Erregung im ganzen Körper zu verteilen und nicht nur auf die Lendengegend (habe ich irgendwo gelesen). Er weiß auch, dass er nicht mein bester Lover ist, weil er dies einmal nachgefragt hat. Aber anstatt dies als Anreiz zu nehmen, findet er sich eben damit ab. „Mhh, tja, ich bin eben nicht so gut im Bett.“ Argh!
b) er Techniken zum Nachlesen für Cunnilingus erhält, weil er anscheinend nicht genau weiß, wie er es machen könnte.
Wie erkennt mein Liebster, dass etwas mehr Sinnlichkeit auch im Bett Vergnügen bringen würde? Weißt du Rat? Ich habe nämlich die Ahnung, dass er aus „seinem“ Buch nur Anregungen für neue Stellungen heraussuchen wird und der Rest beim Alten bleibt.
Was kann ich da noch tun, Sexentzug? Aber der trifft mich ja auch selber…
Ich möchte Dir außerdem sagen, dass ich Deine Beratung total klasse finde, weil Du a) mit Humor und b) mit Toleranz wertvolle und praxisnahe Tipps gibst! Vielleicht kannst Du mir auch ein paar geben?
Viele Grüße, Bella (23)

Liebe Bella,
ist das die Möglichkeit, dass es immer noch Männer gibt, die nicht wissen/glauben, dass Frauen eine längere Anlaufzeit haben, um richtig erregt zu werden und Sex wirklich genießen zu können?! Und du meine Güte, er mokiert sich sogar über läppsiche zehn Minuten, die du zum Orgasmus brauchst! Bei so wenig Vorspiel ist es fast ein Wunder, dass du in zehn Minuten Handverkehr kommst. Wo hat er sein sexuelles Wissen her – aus Sexheftchen, Pornos oder von One-Night-Stands? Da geht es meistens „zack-zack“, aber doch nicht in einer echten und langen Beziehung!
Mein Tipp an dich wäre: Vergleiche ihn nicht mit anderen Männern, weil: er nimmt es nicht als Anreiz, sondern als Kritik und Abwertung; dementsprechend kriegst du eine negative Reaktion. Sondern zeig ihm eventuell diese Mail oder streiche die entsprechende Passage in „Der perfekte Liebhaber“ an und sag es ihm noch einmal mit aller Deutlichkeit, dass die meisten Frauen ein viel längeres Vorspiel brauchen als Männer und dass du auch zu diesen Frauen gehörst und dass dir dieser Zackzack-Sex nicht besonders viel gibt.
Ferner – wichtig!! – solltest du diesen Zackzack-Sex einfach nicht mehr mitmachen, selbst wenn das bedeutet, dass ihr erst mal ein paar Wochen keinen Sex habt.
Und falls er dir dann mal mehr Vorspiel gibt, dann zeig ihm mit Lauten und Taten, dass dir solcher Sex viel mehr Spaß macht (oder initiiere ein paar neue Sachen, z.B. Stellungen oder Ortswechsel). Dann macht er nämlich den meisten Männern auch noch mehr Spaß, was ihnen wiederum ein Anreiz ist, die Frau richtig heiß zu machen.
Sehr ausführliche Anleitungen bzw einen Extra-Teil für Frauen, wie sie ihre Partner beim Sex “gebefreudiger” machen können, enthält mein Buch «Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!».

Zudem bitte ich dich, ihm meine Youtube-Videoreihe über den weiblichen Orgasmus zu zeigen, speziell Teil 2: In diesem Teil behandle ich folgdende Themen:
• Falsche Vorstellungen über die Erregbarkeit der Frau
• zu wenig Vorspiel
• Das falsche Vorspiel
(ich häng dir den Teil unten an!).

Ansonsten, was Neuerungen in eurem Liebesleben angeht, bin ich immer eher dafür, dass man dem Partner neue Ideen selber vorschlägt oder sie im Bett einbringt, statt ihm Bücher hinzulegen – da fühlt er sich schnell geschulmeistert oder sucht sich, wie du sagst, nur ein paar Details raus, die in sein persönliches Sexkonzept passen.
Oralverkehr mag er vielleicht grundsätzlich nicht; es gibt einfach Leute, denen es nicht behagt, mit Mund und Nase in die Intimzone des Partners abzutauchen oder dies bei sich zuzulassen, und da kann man meistens nicht viel dran ändern. Vielleicht musst du diesen Punkt akzeptieren. Offenbar ist er dafür bei der Handarbeit recht geschickt (was man längst nicht von jedem Mann behaupten kann).
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder