Mein Freund ist pornosüchtig

Liebe Beatrice,
ich (29) bin seit 3,5 Jahren mit meinem Freund (30) zusammen, seit 2 Jahren haben wir eine gemeinsame Wohnung. Als wir zusammenkamen, hatten wir die ersten Monate ganz fantastischen Sex. Jetzt schlafen wir im Schnitt (!) ein bis zwei Mal im Monat miteinander – das ist mir viel zu wenig, denn Sex ist für mich sehr wichtig und gehört für mich unabdingbar zur Partnerschaft. Zumal ich ihn liebe und er eigentlich der Mann ist, den ich immer wollte (angeblich ist das umgekehrt genauso).
Recht früh habe ich entdeckt, dass er ein Faible für Pornos hat – aber, das hast Du ja schon mal in einem Brief geantwortet, das ist wohl relativ “normal” bei Kerlen. Allerdings ist es so, dass dies großen Einfluss auf unser Sexualleben ausübt, und das macht mich wahnsinnig. Je mehr Pornobildchen auf seinem Computer sind, desto weniger und vor allem liebloser wird der Sex. Natürlich tut man das nicht, im Computer des anderen rumstöbern, aber ich weiß mir nicht anders zu helfen.
Schon öfter habe ich ihn darauf angesprochen, jedesmal hat er sich entweder beschwert, dass es mich nichts anginge, oder er gab manchmal zu, süchtig zu sein und es diese “Phasen” gäbe wie bei einem Quartalssäufer, und er könne dagegegen nichts tun. Dann wieder hat er versprochen damit aufzuhören – was ich nicht verlangt habe – und gesagt, es wäre mir gegenüber unfair. Das hielt keine drei Wochen an und es ging von vorne los.
In den letzten Monaten hat er bei jeder (wirklich jeder!) Gelegenheit, wenn ich nicht zuhause war, auch wenn ich nur eine Stunde unterwegs war, dies ausgenutzt, um sich reihenweise W…vorlagen aus dem Netz zu holen. Ich habe schon lange nichts mehr gesagt (weil ich diese sinnlosen Streitigkeiten nicht mehr ertragen kann) und ich glaube, er weiß auch nicht, dass ich dies weiß. Fakt ist, dass er um die 1500 (!) Bildchen und Videoclips fein ordentlich sortiert auf seinem Computer hat, immer wenn ich nicht da bin, kommt eine ganze Reihe dazu.
Findet er eine Frau im Fernsehen attraktiv, lädt er sich ein paar Bilder runter und montiert mit einem Fotoprogramm beliebige Pornokörper darunter – das allerdings finde ich wirklich krank.
Dass ich mittlerweile kaum mehr Sex will, merkt er gar nicht, vermutlich ist er froh. Dass es mich so anekelt, dass ich mich nicht mal mehr nackt vor ihm zeigen will, merkt er auch nicht. Versuche ich ihn zu verführen, ziehe mich sexy an, ziehe etwas an, von dem ich denke, dass es ihn wild macht – keine Reaktion. Ich bekomme keine Komplimente mehr, er schaut mich nicht einmal mehr richtig an. Ich fühle mich gedemütigt, werde wahnsinnig bei allen schönen Frauen, die irgendwo zu sehen sind, weil ich denke, toll, demnächst finden sich die zu Vorlagen montiert in seinem Computer wieder. Ein saudummer Satz, aber – ich fühle mich als Frau nicht mehr wahrgenommen, kann meinen Anmblick im Spiegel nicht ertragen und fürchte, dass ich nicht sein Typ bin.
Ich bin eine junge und attraktive Frau, ich habe eine gute Figur und Lust auf Sex, doch ich habe keine Lust, im Schatten dieser künstlichen Frauen zu vegetieren. Und immer wenn ich zaghaft versuche, ihn zu verführen, blockt er ab. Das tut sehr weh. Den Sex, den wir dann haben, hat nichts mit Begehren zu tun, es ist dann das klassiche Rein und Raus, ohne Vorspiel, ohne Zärtlichkeit, und wird zunehmend grob. Ich komme mir vor wie ein Ersatz für sein wahres Sexualleben, das er rein in der Virtualität lebt. Seine Fantasien lebt er nur damit aus, für mich bleibt ein kläglicher Rest. Ich bin verzweifelt und weiß nicht, wie ich an ihn rankommen soll.
Ich weiß einfach nicht, wie ich ihm klar machen soll, wie ich fühle. Was soll ich denn nur tun? Ihn verlassen? Fremdgehen? Ihn vor die Wahl stellen?
Liebe Grüße, Carla (29)

Seine Pornosucht macht unser Sexualleben und unsere Beziehung kaputt

Er ist pornosüchtig! Sobald ich außer Haus bin, sitzt er am PC und zieht es sich rein..

Liebe Carla,
da ich bei dir erst mal ein bisschen unschlüssig war, was ich sagen soll, hab ich deinen Brief an einen klugen Freund gemailt (natürlich ohne deine Adresse), der mir manchmal bei der Beratung hilft – grade in den verzwickten Fällen. Hier ist seine Antwort:

«Hi Chefin,
manche Kerle sind doch Idioten. Da haben sie ne tolle Frau zu Hause und ergötzen sich an irgendwelchem dummen Porno-Krempel. Meine spontane Meinung: Soll der Typ doch mit seinem unpersönlichen, einsamen Porno-Sex glücklich werden. Allerdings besser ohne Freundin. Denn für sie wird die Situation wohl kaum besser werden. Wenn er das selbst schon als Sucht bezeichnet und wirklich seine Freizeit mit dem Zuschnipseln von Fotos verbringt (so krank, das ist schon wieder klasse), dann wird sie kaum eine Chance haben, an ihn ranzukommen. Er lebt seine Phantasien im Kopf, nicht in der Realität. Also sollte sie ihn schleunigst verlassen und sich ein anderes Exemplar suchen!!!
Aber natürlich ist mal wieder alle Theorie grau. Sie liebt ihn ja und ist bereit, dafür viele Opfer zu bringen bla, bla bla. Frauen halt! Sie kann selbstverständlich weiter mit ihm reden, versuchen ihre Sicht der Dinge klarzumachen und ihm vom Compi wegzerren. Wird ihr aber nicht gelingen, glaube ich. Der Junge braucht einen Schuss vor den Bug. Sie sollte ihm sagen, dass sie so nicht weiter mit ihm zusammen sein kann. Als sie sich kennengelernt haben, war er ja schließlich ganz anders! Und leider kommt es nun vor, dass sich zwei Personen unterschiedlich entwickeln. Sollte das hier der Fall sein, wäre es für sie das Beste, so früh wie möglich Schluss zu machen. Aus persönlicher Erfahrung mit Frauen in ähnlicher Situation (Sex mit dem Partner war mies und selten) kann ich nur sagen, dass sie total glücklich sind, den Absprung geschafft zu haben und nur bereuen, dies nicht schon früher durchgezogen zu haben.
Wenn sie ihn allerdings so sehr liebt, dass sie trotz allem mit ihm zusammenbleiben möchte, dann soll sie sich einen Lover suchen!
Thorsten»

Ich muss sagen, ich bin komplett seiner Meinung. Das Verhalten deines Freundes ist wirklich therapiebedürftig. Aber das wird er nicht so sehen. Oder erst, nachdem du ihn verlassen hast.
Bist du sicher, dass er “der Mann ist, den du immer wolltest”??? Ein Mann, der dich zutiefst verletzt und demütigt, indem er dir (einer attraktiven Frau in der Blüte ihrer Jahre, die auch noch Sex liebt) diese ätzenden Pornosachen vorzieht??? Der dir einen wichtigen Teil einer Beziehung vorenthält, nämlich ein lebendiges und befriedigendes Sexualleben??? Allein was du über den Akt erzählst: “Den Sex, den wir dann haben, hat nichts mit Begehren zu tun, es ist dann das klassiche Rein und Raus, ohne Vorspiel, ohne Zärtlichkeit, und wird zunehmend grob.”
Ich bitte dich, da kriegt man ja das kalte Grausen. Mit so einem lieblosen Klotz willst du zusammen bleiben? Und ich möchte wetten, das ist nicht der einzige Bereich, wo er lieblos ist.
Also der Marschplan: Ein Schuss vor den Bug (z.B. zweiwöchige Trennung), dann ein Gespräch, wo du ihm haarklein und sehr deutlich sagst, wie du das alles empfindest (nach der Beziehungspause wird dieses Gespräch mehr Effekt auf ihn haben), eine Analyse, warum er das tut. Hat es auch mit dir zu tun? Ist euer Liebesleben langweilig für ihn? Fehlt ihm was? Wenn ja, kannst du ihm das geben? Und dann versucht ihr, gemeinsame Lösungen zu finden. Parallel dazu soll er auf jeden Fall eine Sexualtherapie machen.
Wenn er nicht will, dann ist er deine Liebe nicht mehr wert – dann solltest du ihn loslassen.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder