Nach zwei Minuten macht er schlapp, obwohl ich gerne Sex mit ihr habe

Hi Beatrice!
Ich wurde vor 1 1/2 Jahren geschieden. Vorher ging im Bett eigentlich fast garnix mehr. Seitdem habe ich mich mehr oder weniger mit mir selbst beschäftigt. Das lief – mit Ausnahme der fehlenden Partnerin – völlig normal und ich fühlte mich eigentlich gesund und fähig, mit einer Frau glücklich zu sein.
Nun habe ich mich unsterblich verliebt und auch bei meiner Parnerin hat’s mächtig gefunkt. Wir sind seit zwei oder zweieinhalb Monaten zusammen und sehr glücklich, ich kann mir nach all den Jahren sogar wieder eine Vaterschaft vorstellen und habe auch schon (fast) alle möglichen Konsequenzen überlegt. Zwar ist sie um einiges jünger als ich, aber unsere Einstellung dazu ist völlig relaxt. Wenn wir uns nahe kommen – und sogar an – anderen (unpassenden) Orten – regen sich bei mir alle notwendigen Gefühle und wir werden eins. Aber etwa 2 Minuten später versagt mein Kleiner seinen Dienst.
Meine Liebste ist wirklich einfühlsam und drängt mich auch in keinster Weise, sondern versucht alles, um mir zu helfen. Da ich in meiner Ehe immer den aktiven Part übernehmen musste, hält sie sich sogar mit ihren Aktivitäten zurück, um mich nicht zu „erschrecken“.
Was ist da nur los???
Bitte dringend um Hilfe, denn langsam wird’s unangenehm.
Willem (56)

Lieber Willem,
klingt, als ob dein Problem tiefere seelische Ursachen hat. Möglicherweise liegt´s daran, dass dein Unterbewusstsein noch keineswegs zu einer Vaterschaft bereit ist und deswegen dein kleiner Freund weit vor der Ejakulation schlapp macht, um es ja nicht dazu kommen zu lassen. In dem Fall könnte ein Lösungsansatz darin bestehen, dass du die Verhütung selbst in die Hand nimmst (also Kondom), bis euer Kinderwunsch wirklich konkret ist.
Natürlich können auch viele andere Gründe dahinterstecken, z.B. unbewusste Ängste vor einer erneuten Trennung oder unverarbeitete Konflikte aus der letzten Beziehung.
Geh mal in einer stillen Stunde in dich und frag dich: Was „bewirkt“ deine Erektionsschwäche? Bzw. was möchte sie eventuell bezwecken? Eine genaue Anleitung zu dieser Innenschau liefert mein Buch «Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!», darin findest du auch gute Infos zum Thema Erektionsstörungen und jede menge Tipps (auch zu anderen Bereichen im Sex).

Noch eines – du schreibst:
„Da ich in meiner Ehe immer den aktiven Part übernehmen musste, hält sie sich sogar mit ihren Aktivitäten zurueck, um mich nicht zu ‘erschrecken’.“
Vielleicht ist es gar nicht so gut, sexuelle Muster aus der alten Beziehung zu kopieren? Vielleicht wäre es besser, ihr beide entwickelt eure ganz eigenen Muster? Denk mal drüber nach, auch darüber, was du dir in körperlicher und seelischer Hinsicht von deiner neuen Partnerin wirklich wünschst.

Außerdem hast du dich vorher lange Zeit darauf konditioniert, nur durch die eigene Hand zu kommen. Es würde vermutlich sehr helfen, wenn du die Selbstbefriedigung für ca. einen Monat gänzlich weglässt.
Dazu kommt, dass du ja noch nicht lange mit der neuen Partnerin zusammen bist – noch zu nah dran an der sexlosen Zeit der Onanie und noch zu frisch, um über so gewaltige Dinge wie Vaterschaft nachzudenken. Lass dir Zeit und hab Geduld, vor allem mit dir selber, und lerne die neue Frau besser kennen.

Bis zur Bewältigung des Problems könntest du´s übergangsweise auch mal mit einem Penisring versuchen – Anleitung im Brief „Penisring, Cockring: Wie wende ich´s an, was muss ich dabei beachten?“.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder