Ich mag es, wenn meine Freundin dominant ist – sie will keine Domina sein

Ich mag es, mich beim Sex von meiner Freundin kontrollieren zu lassen. Irgendwann sagte ich, dass ich sie gern dominanter hätte. Seitdem ist sie komisch…

Wie gern würde ich meine Freundin mal so erleben…!

Hallo Beatrice,
ich habe eine Frage wegen Domina oder nicht Domina…
Ich bin mit meiner Freundin 1 1/2 Jahre zusammen (seeehr glücklich). Ich fand es schon immer cool, wenn ich gefesselt werde und es sich dann immer mehr und mehr steigert…!
Beim Sex reden wir sehr viel und sind sehr offen, vor allem sie, was ich seehr schätze. Mit der Zeit wurde es für mich ein riesiger Reiz mich einfach gehen zu lassen, mich von meiner Freundin einfach kontrollieren lassen. Beispiel: Sie streichelt mich, sie sitzt auf mir und ich kann (darf) sie nicht küssen und sie spielt damit… Im Übrigens kann ich das auch mit ihr machen, das macht sie ganz verrückt und sie kämpft richtig, um mich zu küssen.
Ich hatte nämlich schon mal ihre beiden Hände mit einem Halstuch an die Bettstange gefesselt und die Augen verbunden und hab ihr die Klitoris massiert. Was sie nicht abregend fand, sie aber auch nicht zum Höhepunkt geführt hat, eher dass ich sie gestreichelt habe, während sie gefesselt war!
Wenn sie mit mir spielte, das hat mich einfach so erregt, und ich habe ihr auch mal gesagt, dass ich dieses Spiel mag… und mich auch einmal getraut zu sagen, als wir uns über Sex unterhielten, dass ich es gern habe, wenn sie dominant ist. Und sie meinte – so locker wie sie eben ist: “Ja, so lang ich nicht Domina spielen muss!“
Das hat mich sehr verwirrt. Ab wann ist sie Domina? Wenn sie mit mir spielt und mich fesselt? Und war das eine Antwort, die ich so akzeptieren muss, dass sie das gar nicht will? Oder habe ich‘s ihr falsch gesagt? Ich will ja nicht geschlagen werden, ich mag es einfach, wenn sie ein paar Befehle gibt.
Dennoch spielt sie gerne ein bisschen etwas von dem, was ich gern habe, aber eben nur immer ganz wenig. Sie hat dieses Spiel eine Zeit lang noch benutzt, doch jetzt macht sie es nicht mehr.
Seit ich ihr das gesagt habe, ist sie komisch auf das Thema. Wir hatten für eine Zugfahrt eine Frauenzeitschrift gekauft und dort waren Sachen drin, was man alles so ausprobieren könnte; es waren viele Sachen dabei, die eklig erschienen für mich, und dann kam so was Richtung SM und sie sagte, „Ah, das musst du nicht sehen“ und hat weitergeblättert.
Aber sonst blieb alles beim Alten, sie blockt nur bei diesem Thema Domina und so.
Ich hab einen Bericht gesehen in deinen Sex-Fragen, der mir gleicht, aber eben nicht ganz. Ich bekam ganz nasse Hände, als ich ihn las («Zusammenziehen? Sie weiß noch nichts von meiner SM-Neigung»). Ich selber trau mich nicht über das zu reden. Doch dennoch sollte ich es tun, weil ich könnte im Boden versinken, wenn ich wieder Bilder vom Internet anschaue (so Fetischsachen) und es mich sehr stark erregt und ich mir dann einen runterhole, obwohl wir guten Sex haben.
Vielen lieben Dank für die Hilfe
Ron (21)

Lieber Ron,
ich denke, sie ist ein wenig erschrocken, als du von “dominant” geredet hast, weil sie dann gleich das Wort “Domina” im Kopf hatte und das landläufige Bild dazu: eine herrische Frau in Domina-Kleidung, die sich ihren Sklaven mit Befehlen und körperlicher Züchtigung unterwirft. Und das will sie ganz offensichtlich nicht, sondern einen Freund, den sie als Mann und als Persönlichkeit erleben kann, nicht einen sich ihr unterwerfenden Typen, der alles macht, was sie sagt, und der auch noch Haue will. Dazu kommt, dass eine Frau es zwar spannend finden kann, ihren Partner im Bett zu dominieren, aber eher noch erregender ist es, wenn der Mann der Macher ist. Für viele Frauen ist es nicht besonders erregend, wenn sie alles selber machen müssen – u.a. weil die meisten von uns ein gewisses Maß an körperlicher Zuwendung brauchen, um überhaupt erregt zu werden.
Oder wenn ich es dir noch konkreter erklären soll:
Nehmen wir eine ganz normale Frau namens Lisa. Sie findet es zwar ab und zu lustig, ihren Freund zu fesseln und dann mit ihm zu spielen, aber besonders erregt wird sie dabei nicht. Weil sie zur Erregung braucht, dass er sie streichelt und kost usw., was ja nicht geht, wenn er gefesselt ist.
Nun merkt sie aber, dass ihr Freund total drauf abfährt. Und dass er erregt wird, wenn sie Befehle gibt. Er redet sogar schon vom “dominiert-werden”. Sie hat Angst, dass ihre gemeinsame Sexualität sich in die Richtung bewegt, dass er irgendwann nur noch passiv ist und sie alles machen muss und dann auch noch Befehle geben muss und er sich unterwirft und so Kram. Auf so einen einseitigen Sex hat sie überhaupt keine Lust und auf so eine Art von Mann auch nicht. Also fängt sie an, abzublocken; sie vermeidet Situationen, die in Richtung seiner Neigung gehen.
Welche Folgerung ziehen wir daraus für den Mann?
Er muss sich erst mal überlegen, ob ihm der ganz normale Sex noch Spaß macht und ob er gern auch der Aktive im Bett ist. Wenn nein, wird die Beziehung irgendwann aus diesem Grund zerbrechen. Wenn ja, dann ist es ganz wichtig, dass er sehr gebend im Bett ist und sich sehr drum kümmert, was Lisa beim Sex gern hat und was sie in den Wollust-Himmel trägt. Dann merkt sie nämlich, dass er auch noch die andere Seite des Sex draufhat und gern hat, und es fällt ihr leichter, wieder mehr auf ihn einzugehen.
Ferner sollte er Lisa bei passender Gelegenheit fragen, ob sie Angst hat, dass er sich zu einem SM-Typen entwickelt, und was genau ihr da Angst macht. Das soll sie ganz konkret äußern und er kann ihr ganz konkret die einzelnen Ängste nehmen.
Wie so vieles in Beziehungen, ist auch der Sex oft Verhandlungssache. Man muss sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen, mit dem beide gut leben können. Sehr gute Hinweise dazu findest du in meinem Buch «Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung», u.a. was man seinem Partner sexuell zumuten kann, sowie eine Anleitung, wie man am besten spezielle Sexwünsche äußert oder anbringt.
Und unten findest du noch ei paar Beiträge, die für dich interessant sein könnten.

Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder