Mein Freund hat mich schon mehrmals vergewaltigt, will es nie wieder tun – geht das?

Mann vergewaltigt Frau zuhause

Hallo Beatrice,
ich (2 Kinder, 6 und 9 Jahre) habe vor über 3 Jahren einen Mann kennengelernt, mich in ihn verliebt und für ihn getrennt. Seitdem führen wir eine Fernbeziehung, basteln aber seit einem Jahr daran, uns eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Beim Sex ist er sehr dominant, was mir aber auch gefällt.
Im letzten Sommer hatten wir Zeltwochenende. Wir hatten nett gefeiert und auch etwas getrunken. Nachts haben wir dann geknutscht und wollten beide Sex (er war stark angetrunken). Er ist grob geworden, hat meine Brüste sehr hart bearbeitet. Ich bin darauf hin sauer geworden, habe ihn links liegen lassen und mich schlafen gelegt. Er hat mich dann im Zelt vergewaltigt, ich habe mich versucht zu wehren, er hat mich dann geschlagen und an den Haaren aus dem Zelt gezerrt und später ist er nochmal über mich hergefallen. In den Jahren vorher ist nie etwas ähnliches passiert. Er konnte es sich auch nicht erklären. Er ist sonst ein liebevoller und sehr zärtlicher Mann. Ich wollte damals die Beziehung beenden, aber ich liebe ihn sehr und er mich. Er ließ mich nicht gehen, kam nachts zu mir weinend, schlief in meiner Garage und bettelte, ihm zu verzeihen, es würde nie wieder passieren.
Letztes Wochenende, nach ca. einem 3/4 Jahr, waren wir wieder aus, haben etwas getrunken, er war lustig drauf. Als wir noch kurz in der Küche saßen, paar Happen essen, drückte er mich plötzlich so über den Küchentisch, dass er mich von hinten nehmen kann. Er riss mir das Höschen runter und schrie, “ich besorg´s dir jetzt anal!” Ich wollte nicht und wehrte mich, da packte er mich an den Haaren und drohte mich zu schlagen, wenn ich mich nicht fügte. Dann versuchte er anal in mich einzudringen, aber es gelang ihm nicht, weil ich da hinten völlig dicht gemacht habe und weil er so betrunken war. Stattdessen nahm er mich vaginal, so hart, dass es mir weh tat. Er wurde auch mit meinen Brüsten immer grober, ich bettelte, er solle aufhören und nicht alles kaputt machen. Er war nicht er selbst. Ich konnte dann irgendwie flüchten, hab mich so lange im Klo eingesperrt, bis ich sicher sein konnte, dass er schläft.
Am nächsten Tag hab ich ihm die Klamotten hingeschmissen und wollte ihn rauswerfen. Bekam aber ein schlechtes Gewissen, weil er ja betrunken gewesen war und weil er nun selbst erschrocken war. Er meinte, wir sollten vereinbaren: Wenn wir weggehen, danach kein Sex mehr. Er gab dann zu, er brauche es halt ab und an ganz hart. Er hatte vor mir eine sehr devote Frau, die genau sowas, also Schläge und groben Sex, von ihm wollte. Er hatte damals das erste Mal Berührung damit. Bis zu einem gewissen Grad mag ich seine Dominanz, aber ich will mir keinesfalls weh tun lassen.

Ich habe Angst, dass so etwas wieder passiert. Will ihn aber nicht verlieren.
Komischerweise hatten wir jeweils an den Tagen nach diesen Ereignissen wunderschönen, sehr zärtlichen und liebevollen Sex. Wie kann man sich das erklären? Haben wir eine Zukunft? Ich möchte keine Katastrophenbeziehung. Kann er eine Therapie machen? Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll, da es mir und auch ihm sehr unangenehm ist. Wir sind beide völlig normal, stehen mitten im Leben und laut ihm hat er noch nie eine Frau geschlagen. Ich habe Angst ihn zu verlieren und Angst, dass so etwas wieder vorkommt. Bitte antworte!
Kira (36)

Liebe Kira,
du hast Angst, dass so etwas wieder passiert – berechtigterweise! Leider muss ich aus meiner beruflichen Erfahrung sagen, dass es höchstwahrscheinlich wieder passieren wird – falls er da nicht eine Therapie macht. Und selbst eine Therapie ist kein Garant, dass es danach nie wieder vorkommt – aber die Chancen sind dann besser.
Du schreibst:
“Komischerweise hatten wir jeweils an den Tagen nach diesen Ereignissen wunderschönen und sehr zärtlichen und liebevollen Sex. Wie kann man sich das erklären?”
Tja. Da hat er halt seine tief versteckten heftigen Aggressionen loswerden können und dann ist ´ne Zeitlang wieder gut. Und sicherlich kommt auch so ein Wiedergutmachungs-Drang dazu.

Du fragst: “Haben wir eine Zukunft?”
Ich weiß nicht. Nur mit Therapie. Schau dir mal an, in welchen Situationen er so gewalttätig wurde. Einmal, als ihr sehr viel Nähe hattet (gemeinsamer Urlaub, Zelt), und einmal, als außer Nähe auch Alkohol eine Rolle spielte: beides scheint seine Ich-Kontrolle herabzusetzen. Es steht zu befürchten: Wenn ihr zusammenziehen würdet (bzw. keine Fernbeziehung mehr habt, sondern engeren Kontakt), dass es öfter vorkäme.
Vielleicht könntest du Kontakt zu der Frau aufnehmen, mit der er vor dir am längsten zusammen war, mit ihr ein vertrauliches Gespräch unter Frauen führen und sie vorsichtig fragen, ob er bei ihr auch gegen ihren Willen gewalttätig geworden ist? und woran die Beziehung zerbrach?

“Kann er eine Therapie machen?”
Wie gesagt, er MUSS sogar. Eine Frau so zu vergewaltigen, wie er es getan hat, ist eine sehr schlimme und sehr ernstzunehmende Sache. Du könntest ihn dafür sogar in den Knast bringen.
Überleg es dir gut, ob du wirklich bei ihm bleiben willst. Schon weil du deine Kinder nicht der Gefahr aussetzen solltest, dass sie es eventuell miterleben müssen, wie ihre Mutter misshandelt und missbraucht wird.
Und bleib nur dann bei ihm, wenn er sich bereit erklärt, eine Therapie anzufangen. Setz ihm ein Ultimatum für seine erste Stunde dort, z.B. dass er es innerhalb der nächsten vier Wochen tun muss.
Bitte lies dazu auch den Beitrag
Mein Freund ist sexuell gewalttätig“.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

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