Er kann nur kommen, wenn er seine Muskeln von Bauch bis Fuß anspannt

Hallo Beatrice,
ich habe ein ungewöhnliches Problem beim Sex. Ich kann nur in einer bestimmten Art zum Orgasmus kommen: wenn ich meine Muskeln komplett, vom Bauch bis zu den Füßen, anspanne, um dadurch das Sperma regelrecht rauszupressen. D.h. eigentlich nur auf dem Rücken, wenn meine Freundin auf mir sitzt oder es mir mit dem Mund oder mit der Hand macht. Es ist immer sehr anstrengend und nicht selten mit Krämpfen währenddessen oder nach dem Orgasmus verbunden. Es ist mir unmöglich, einen Orgasmus entspannt zu erleben oder überhaupt in die Nähe eines zu kommen, wenn ich nicht auf dem Rücken liege. Ist das normal?
Ich kam noch nie zu früh – denn das Gefühl steigert sich nicht! Selbst wenn ich es mit meiner Freundin sehr lang mache und wir beide auch wirklich scharf darauf sind, das Gefühl wird nicht besser. Irgendwann versuche ich dann trotzdem meine Muskeln anzuspannen, um eben das Erfolgserlebnis zu haben, aber es geht nicht! Und es ist wirklich anstrengend!
Das geht dann schon teilweise soweit, dass ich nach einiger Zeit ohne das Anspannen die Lust verliere. Ich habe mit meiner Freundin schon immer länger Sex, manchmal auch bis zu 3 Stunden lang! Das geht, da ich ja nicht komme! Wir haben aber damit ein Problem: Ich rede mir ein, dass das nicht normal ist – Sie redet sich ein, sie würde es nicht bringen. Was absolut nicht der Fall ist: im Gegenteil, ich habe den besten Sex mit ihr. Mich frustriert das auf Dauer – ich habe auch schon mit ihr darüber geredet – aber wir wissen einfach nicht weiter.

Wie kann ich das ändern? oder muss ich das so akzeptieren? Habe ich mir das so antrainiert? Wenn ja, wie kann ich mir das abtrainieren? Ich weiß, dass mein Problem wohl sehr ungewöhnlich ist, denn ich habe nirgendwo darüber etwas gefunden. Deshalb hoffe ich, Du kannst uns bzw mir weiterhelfen.
Vielen Dank, Andi (27)

Ohne starke Muskelanspannung komme ich nicht zum Orgasmus

Ich muss die Muskeln im Unterleib und in den Beinen stark anspannen, um zu kommen!

Hi Andi,
naja, deiner Freundin kannst du schon mal einen schönen Gruß von mir ausrichten: An ihren Sexkünsten liegt´s gewiss nicht, da eher du es bist, der in dieser Hinsicht ungewöhnlich ist. Ich hätte ein paar Fragen an dich:
1) Wie ist das beim Onanieren – einfacher oder das selbe Problem?
2) Wie oft onanierst du?
3) Hattest du das Problem schon immer? Oder seit wann?
4) Bist du schlank oder eher füllig? Wie groß bist du, was wiegst du?
5) Hast du gesundheitliche Probleme, körperliche Leiden, nimmst du Medikamente, Drogen?
6) Wieviel Alkohol trinkst du? (ehrliche Antwort ist hier wichtig)
7) Rauchst du? Wenn ja, wieviel?
8) Machst du Sport? Wenn ja, welchen und wie viel?
9) Hattest du in der Kindheit irgendwelche Erkrankungen oder Eingriffe an Unterleib oder Penis?
10) Gab´s in der Kindheit oft Prügel oder Strafen oder Missbrauch?
Bis bald, Beatrice

Hallo Beatrice,
zu den Fragen:
1. Beim Onanieren ist es etwas einfacher, aber das Gefühl wird auch nur dann wesentlich stärker, wenn ich alle Muskeln anspanne.
2. Früher onanierte ich ca. 3-4 mal am Tag, manchmal sogar bis zu 7mal am Tag. Das versuche ich jetzt ihr zu Liebe zu unterbinden und mache es seit anderthalb Monaten nur noch so alle 10 Tage.
3. Das Problem habe ich ungefähr schon so lange, wie ich Sex habe (auch mit mir selbst), also seit Pubertät.
4. Meine Statur ist eher schlank.
5. Ich nehme im Allgemeinen keine Medikamente. Aber ich habe öfters Migräne, wobei ich dann die Symptome mit Kopfschmerzmitteln behandle.
6. Alkohol trinke ich kaum, aber wenn dann richtig – also so ca jedes halbe Jahr einmal richtig und seit ca. 6 Monaten auch ca. 1mal in 2 Wochen ein Glas Wein/ein Bier.
7. Nein, bin Nichtraucher.
8. Habe bis vor 3 Jahren noch Schwimmen auf Leistung betrieben: 5 mal die Woche je 2h trainieren + Laufen + Krafttraining. Jetzt halte ich mich nur noch auf meinem Level mit ca 2 mal die Woche Schwimmen, paar Übungen und etwas Laufen.
9. Mit 19 hatte ich einen Leistenbruch und der wurde operiert, seitdem gibt es deshalb keine Probleme mehr.
10. Eigentlich nicht, wenn man was richtig Schlimmes gemacht hatte, gab´s nen festen Schlag auf den Po. Aber sehr selten, insgesamt vielleicht 2-3 mal.
Danke sehr schon mal, Andi

Hi Andi,
vermutlich sind es mehrere Faktoren. Die größte Rolle spielt wahrscheinlich das exzessive Onanieren früher, denn ich habe festgestellt, dass das bei vielen Männern zu einer Art Abstumpfung führt und sie es dann zum Orgasmus schwerer und länger haben (seltsamerweise ist dies bei Frauen kaum der Fall – wobei Frauen auch selten in diesem Ausmaß masturbieren! Bei Frauen ist es eher so, dass sie schwerer kommen, wenn sie NICHT oder wenig masturbieren). Zudem hast du dich (bzw deinen Körper) durch durch das wirklich sehr übermäßige Selbstbefriedigen auf deine spezielle Art konditioniert, sprich, du hast recht, wenn du fragst: “Habe ich mir das so antrainiert?” Ja, ich schätze, das ist der Hauptfaktor. Insofern kannst du es dir tatsächlich “abtrainieren”, zumindest zu einem großen Teil, und zwar indem du es lässt.
Lassen musst du erst mal zweierlei:
1) Das Onanieren – darauf solltest du mindestens zwei Monate gänzlich verzichten, auch wenn es schwer fällt. Anderthalb Monate eingeschränktes Selbstbefriedigen sind zu kurz, und außerdem tust du es ja noch. Mit jeder Wiederholung bestätigst du die Konditionierung. Daher: Komplettverzicht!!
2) Diese Anspannerei, um zum Orgasmus zu kommen, musst du auch lassen. Das bedeutet, dass du in nächster Zeit vielleicht gar nicht kommen wirst (in der Regel stellt sich der Körper relativ schnell um). Aber wenn du diese lästige Fixierung endlich mal los werden und mit deiner Freundin nicht nur entspannten, sondern auch vielfältigeren Sex haben willst, dann musst du da durch. Denn ehrlich gesagt, wenn mein Freund immer nur auf dem Rücken liegend kommen könnte und ich muss da lange und heftig ackern und es geht nie wie bei anderen Männern quasi von selbst in allen möglichen schönen Stellungen, dann wäre ich ziemlich genervt und hätte bald nur noch wenig Lust auf Sex.
Das heißt: Mach mit dir selbst und mit deiner Liebsten ab, dass du in den nächsten Wochen nicht kommen wirst und sie auch keine Anstrengungen unternehmen soll. Stattdessen macht ihr beide jetzt alles beim Sex, was bisher durch deine Fixierung zu kurz gekommen ist.

Zusätzlich könnte es sein, dass du zu einer generellen körperlichen Anspannung neigst, also dass du viel häufiger körperlich angespannt bist, als es nötig wäre. So etwas kann auch das Aufkommen von Migräne verstärken. Leistungssport kann diese generelle körperliche Anspannung fördern. Das heißt: Wenn du lernst, deine Körperwahrnehmung zu verfeinern und den Körper umfassender und länger anhaltend zu entspannen, bist du schon ein Riesen Stück weiter mit deiner Problemlösung. Hierzu gibt es in meinem Buch Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung zwei ausführliche Kapitel (Kap. 9 und 10) mit supernützlichen Übungen.
Ich denke nämlich auch, dass deine Beckenbodenmuskulatur viel zu verkrampft, ja vielleicht sogar chronisch verspannt ist.
Du solltest vielleicht wissen, was rein körperlich gesehen da normalerweise passiert. Vor dem Orgasmus spannt sich die Muskulatur im Unterleib an, um dann beim Kommen das Sperma durch rhythmisches Zusammenziehen hinauszupressen. Manche Männer spannen aber nicht nur die Muskulatur im Unterleib an, sondern unwillkürlich auch die gesamte Muskulatur drumherum, obwohl diese fürs Kommen eigentlich gar nicht nötig ist.*
Das heißt: Lerne, genau wahrzunehmen, welche Muskeln genau beim Sex und beim Orgasmus beteiligt sind, und betätige nur diese! Beziehungsweise musst du deine wahrscheinlich sogar lockern, nicht anspannen! (In der Regel sind es nur die Muskeln zwischen den Beinen, also die sog. Beckenbodenmuskeln.) Diese kann man auch gezielt trainieren und sie dann beim Sex bewusst an- und entspannen. Ich glaub nicht, dass du deine trainieren musst, schätze, die sind eher über-trainiert. Du musst lernen, sie locker zu lassen, also zu entspannen.

Ferner müsstest du nach den zwei Monaten Verzicht beim Onanieren trainieren, auf andere Arten (und
in anderen Positionen) zu kommen als deiner bisher üblichen.

* Diese Mechanismen sind auch in meinem Ratgeber „Stöhnst du noch oder kommst du schon?: Der sichere Weg zum Orgasmus“ mehrfach beschrieben.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder