Ich masturbiere lieber, statt mit meiner Freundin zu schlafen

Mein Problem ist, ich onaniere eher als mit Frauen Sex zu haben. Das ständige Onanieren führt dazu, dass mein Penis oft nicht mehr hart wird

Ich onaniere sehr viel, deshalb habe ich zu wenig Lust auf Sex mit Partnerin

Hallo Beatrice!
Aus gegebenen Gründen, die mir zum Teil selbst nicht so klar sind, habe ich lieber Sex mit mir selbst als mit Frauen, obwohl Frauen für mich die schönsten Geschöpfe der Welt sind. Dieses ständige Onanieren hat dazu geführt, dass er nicht mehr so oft stehen will wie früher. Meiner Freundin Hände oder Mund sorgen zwar nach intensiver Behandlung, dass er wieder steht, aber vor 2 Jahren brauchte ich da keine Behandlung, da stand er sofort.
Obwohl ich meine Freundin über alles liebe, reizen mich die vielen schönen Frauen auf dieser Welt. Neulich kam es zu einem One Night Stand mit einer dieser Frauen und ich habe voll versagt: ich bekam keinen hoch! Das ist doch grausam, oder? Hilf mir
Chris (26)

Lieber Chris,
was die Geschichte beim One-Night-Stand betrifft: Ich hab mal einen großen Bericht über Erektionsprobleme recherchiert und verfasst und dabei unter anderem erfahren: sehr viele Männer bekommen bei solchen schnellen Seitensprüngen keinen hoch. Die Psyche (oder das schlechte Gewissen) schlägt einem da ein Schnippchen.
Was mich interessieren würde:
1) Wie oft onanierst du?
2) Warum onanierst du lieber, als mit einer Frau zu schlafen?
3) Seit wann ist das so?
4) Wie lang bist du schon mit deiner Freundin zusammen?
5) Wie läuft euer Sexualleben?
6) Wie stehst du wirklich zu Frauen?
Herzlichst, Beatrice

Hi Beatrice,
zu deinen Fragen:
1) Manchmal masturbiere ich dreimal am Tag, manchmal auch ein paar Tage gar nicht, letzteres trifft immer dann zu, wenn ich ein schlechtes Gewissen habe. Warum, wieso, fragst Du Dich jetzt bestimmt; ich führe mein Versagen auf mein ständiges Masturbieren zurück.
2) Ich schlafe gerne mit einer Frau, aber da gibt es viele Faktoren, weshalb ich das Masturbieren bevorzuge.
Und die wären:
a. Ich bin beschnitten (seit dem 6. Lebensjahr) und habe zwar langes Durchhaltevermögen, aber auch weniger Gefühl im besten Stück.
b. Da sich viel in meinen Kopf abspielt und der PC schon seit Jahren ein treuer Gefährte ist, lese ich mir gern aus dem Internet erotische Geschichten durch und masturbiere dabei. Dieses Gefühl und die Vorstellung im Kopf erregen mich mehr als bei meiner Freundin. Ich weiß, ich bin eigenartig, aber das bekomme ich überall zu hören, zwar jetzt nicht in dieser Sache, denn die behalte ich lieber für mich, da ich die Frauen über alles liebe und begehre (schon komisch, ich begehre sie, aber lieber masturbiere ich).
3) Seit wann ist es so, dass ich lieber masturbiere? Seitdem ich masturbiere oder seitdem mir das Schlafen mit Frauen zur Selbstverständlichkeit wurde? Schwer zu sagen.
4) Wie lang mit ihr zusammen? 11 Monate
5) Unser Sexleben läuft super. Wir probieren viel aus, naja ich bin da mehr der treibende Punkt, aber meine Freundin ist Neuem gegenüber nicht abgeneigt. Wir haben, wenn wir uns sehen, fast täglich Sex und da ist jede Art von Sex dabei, oral, vaginal, vom Kuschelsex bis hin zu spontanen hemmungslosen Sex, sogar anal.
6) Ich komme mit Frauen besser klar als mit Männern. Ich bin selber kein Mann, wie er im Buche steht. Mit Frauen kann ich nächtelang reden, aber bei Männern fehlen mir meistens die Themen.
Chris

Lieber Chris,
das mit deinem beschnittenen Penis leuchtet mir ein, aber nur zum Teil. Zudem haben längst nicht alle Beschnittenen weniger Gefühl im Penis.
Um erregt zu werden und zu kommen, brauchst du einen stärkeren Reiz, und ich nehme an, dass du eine spezielle und ziemlich kräftige Handbewegung beim Masturbieren machst. Die Hand bzw. die Scheide der Frau gibt möglicherweise nicht so viel Reibung her wie du es brauchst. Aber das ist nicht der eigentliche Punkt. Du hast eine relativ frische Beziehung mit einer Frau, die du liebst, ihr habt ein super Sexleben mit allem Drum und Dran – trotzdem onanierst du lieber (und gehst ihr fremd). Das ist seltsam. Und es ist für dein Alter ungewöhnlich. Es könnte ein Hinweis auf eine innere Blockade, eine tiefsitzende Angst sein. Wenn ein Mann lieber masturbiert und zur Erregung ein unpersönliches Medium (Internet, Magazin, Video) benutzt, statt seine Lust und Befriedigung über eine lebendige Frau zu suchen, würden die meisten Sexualtherapeuten wohl eine unterbewusste Angst vermuten. Angst vor der Frau oder Angst vor ihren (vermeintlichen) Erwartungen, oder sexueller Leistungsdruck, oder Angst vor zu viel Nähe, oder…

Du bemerkst nebenbei, ”seitdem mir das Schlafen mit Frauen zur Selbstverständlichkeit wurde…”
Seitdem übt es zu wenig Reiz auf dich aus. Auch seltsam aus dem Munde eines 26jährigen, der mit seiner neuen Freundin ein Sexleben hat, um das ihn jeder andere beneiden würde. Ich denke eher, dass
1) du dich selbst auf diese bestimmten Reize konditioniert hast und
2) Sex mit Frauen für dich irgendwie Stress bedeutet.
Zumindest schiebt sich diese Anforderung an einen bestimmten Reiz zwischen dich und die Frauen. Bewirkt sie Abstand? Eine innere Loslösung von etwas, was dir Unbehagen schafft? Oder wovon brauchst du Abstand?
Sex mit einer jungen, lustvollen Frau ist ja im Prinzip viel spannender als Sex mit sich allein. Aber da ist gleichzeitig diese zweite Person, die Frau, mit all ihren Forderungen, Ansprüchen, Erwartungen. Das ist potentiell immer da, wenn man mit jemand anderem schläft als mit sich selbst.
Und die Frau kann unbewusst auch frühkindliche Assoziationen, oder Muster, wecken. Muster von der Mutter, vielleicht auch mit einer anderen engen Bezugsperson. Eine Verknüpfung mit Sexualität, aber in deinem Fall leider eine unangenehme. Was magst du mit dieser Person erlebt haben?

“Wir haben, wenn wir uns sehen, fast täglich Sex”… Und dazu kommt noch häufiges Masturbieren. Mir scheint, ganz schön viel Sex. Vielleicht zu viel? Klar, dass da der Reiz immer stärker werden muss. Ist so ähnlich wie bei Drogen.
Wofür steht Sex bei dir? Füllt er eine innere Leere aus? Oder lenkst du dich ab damit? Wenn ja, wovon?
Diese Faktoren sind vor allem dann entscheidend, wenn das Masturbieren und das Durchstöbern des Internet nach sexuellen Reizen für dich schon in Richtung Sucht geht, d.h. irgendwas in dir zwingt dich beinah, es zu tun, und zwar regelmäßig.
Tja, das alles kann ich nicht ergründen, da kannst du nur versuchen, bei dir selber in die Tiefe zu gehen. Sehr nützlich dafür wäre ein Buch von mir, “Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung” (Infos siehe unten).

Du meinst, eine gewichtige Ursache für deine Erektionsprobleme ist das häufige Onanieren. Da kann ich nur sagen: Probier´s aus! Bring all deinen Willen auf, für mindestens drei Wochen darauf zu verzichten (auch auf Pornokonsum!!), und schau, was passiert. Eine nähere Beschreibung zu diesem Verzicht und zur Re-Sensibilisierung des Penis gibt´s in einem anderen Buch von mir, «Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!».
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder

„Sexbewusstsein“

Warum macht mein Penis oft was anderes, als ich will? Warum habe ich lieber Sex mit mir als mit meiner Partnerin? Warum kann ich mich im Bett mit ihr nicht gänzlich fallen lassen? Diese Fragen und viele mehr beantwortet mein kluger Ratgeber „Sexbewusstsein“.

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