Kommen ihre Schmerzen beim Sex von der Vergewaltigung?

Hallo Beatrice,
ich bin seit 2 1/2 Jahren mit meiner lieben Freundin (22) zusammen. Alles ist gut, nur das Sexleben nicht.
Sie hat jedesmal heftige Schmerzen, wenn ich versuche in sie einzudringen, sie ist damit schon beim Frauenarzt gewesen, doch der konnte nichts Außergewöhnliches feststellen. In den ganzen 2 1/2 Jahren haben wir vielleicht fünfmal Sex gehabt, wo sie einigermaßen schmerzfrei war, ansonsten belassen wir es nur beim gegenseitigen Masturbieren.
Ich muss hinzufügen, dass sie vor meiner Zeit nur schlechte Erfahrungen gemacht hat im Bereich Sex, sie ist einmal vergewaltigt worden (mit 17, von einem Typen, der sie von ner Party abgeschleppt hat), und ihr Exfreund (den hatte sie nach der Vergewaltigung) hat sie geschlagen, weil eben der Sex nicht funktionierte.
Woran kann es liegen, dass wir nicht vernünftig miteinander schlafen können? Oder was schlägst du vor, was wir tun sollen?
Lieben Gruß, Jeroen (25)

Hallo Jeroen,
es ist nur allzu verständlich, dass sie beim Sex Schmerzen hat – weil sie unterbewusst immer noch Sex mit den schrecklichen Sachen verknüpft, die ihr im Zusammenhang damit passiert sind. Selbst wenn ihr Bewusstsein ihr sagt, dass du ihr Freund bist und ihr nix tun wirst, kommt beim Sex unbewusst doch immer diese Panik auf, dass ihr wieder wehgetan werden wird – auf körperlicher Ebene macht sie dann „dicht“, das heißt, unwillkürlich verengt sich ihre Scheide und wird wahrscheinlich nicht mal richtig feucht. So etwas kann meist nur eine gute Beratung auflösen.
Sie hat es erlebt, als bloßes Sexobjekt missbraucht zu werden und danach auch noch von einem Mann, den sie liebte, misshandelt zu werden (und wieder im Zusammenhang mit Sex), sie hat ihr Urvertrauen in Männer verloren, und jedesmal, wenn sie sich beim Sex fallen lässt, kommen in ihrem Unterbewusstsein Ängste und Panik und schreckliche Bilder von Vergewaltigung und Gewalt auf. Da ist auch die Angst, dass die Dinge wieder außer Kontrolle geraten und ihr weh getan wird. Leider kann man das nicht bewusst steuern, wenn man es nicht gelernt hat (in einer guten Therapie lernt man dies). Lies dazu unbedingt in meiner Sex-Beratung:
Wieso kann ich nicht mit ihm schlafen, obwohl er mit der Vergewaltigung nichts zu tun hatte?
Vergewaltigt: Angst vor Aids, Müdigkeit, Lustlosigkeit

Bitte frag sie nicht nach Details. Entweder sie erzählt alles irgendwann aus freien Stücken, oder eben nicht. Das Sprechen darüber hilft ihr nicht unbedingt, kann auch im Gegenteil alles wieder aufbrechen lassen.
Es erfordert Zeit und Geduld, damit fertigzuwerden.
Sie kann es schaffen, wieder angst- und schmerzfrei Sex zu haben, aber das geht sicherlich nur mit fachlicher Hilfe. Es gibt in Deutschland viele Stellen, die missbrauchten Frauen kostenlos und anonym helfen. Mit einer davon habe ich gestern telefoniert, „LARA“ (Krisen- und Beratungszentrum für vergewaltigte Frauen). Die Frau am Telefon war wahnsinnig nett und sagte, sie beraten natürlich auch Frauen, die nicht in Berlin wohnen.
Die Beratung richtet sich völlig nach der Frau; es ginge telefonisch, per Email oder auch persönlich; LARA sitzt in Berlin, und wenn man woanders wohnt, nennen sie gute Stellen, wo man hingehen könnte (wenn man das denn will).
LARA, 030 / 216 88 88 oder Email an: beratung@lara-berlin.de

Die Frauen von „Lara“ sind alle in der Problematik (Vergewaltigung, Missbrauch) geschulte Therapeutinnen und sehr nett!
Du kannst deiner Freundin davon erzählen, zeig ihr eventuell auch meine Mail hier. Aber der Impuls, sich dort hinzuwenden, muss allein von ihr kommen. Also bitte dränge sie in keinster Weise.

Mein Rat an dich: Verzichte in nächster Zeit auf Geschlechtsverkehr. Sei sehr lieb und zärtlich zu deiner Freundin und besprich ausgiebig mit ihr, welche Form von Sex für sie am angenehmsten ist. Überlass die Initiative zu intimeren Sachen erst mal ihr und warte ab, ob etwas kommt. Wahrscheinlich fühlt sie sich wohler und sicherer, wenn sie die komplette Kontrolle über alles hat, was in Richtung Sex geht.
Dränge sie zu nichts, bequatsch sie nicht in der Richtung – sie selbst wird instinktiv wissen, was ihr gut tut, wenn du sie lässt und sie darin bestärkst.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder