Frag Beatrice

Blockade, wenn etwas in ihre Scheide eindringt

Nach mehreren schmerzhaften Untersuchungen beim Frauenarzt macht ihre Scheide dicht, wenn etwas hineinwill; nicht einmal der eigene Finger geht

Hallo Beatrice,
vor kurzem habe ich versucht, einen Finger in meine Scheide zu stecken. Sonst „befriedige“ ich mich eher auf eine andere Art (reiben), was mich zwar sehr erregt, aber nicht zum Höhepunkt bringt.
Ich sollte dazu sagen, dass ich bisher keine sexuellen Erfahrungen gesammelt habe, also noch Jungfrau bin.
Als ich versuchte den Finger reinzustecken, hatte ich auf einmal eine totale Blockade, da war dieses Gefühl, das mich an meine Untersuchung beim Frauenarzt erinnerte, dort hatte man mich per Ultraschall untersucht, und das nicht nur einmal. Es war für mich immer sehr unangenehm und beim 1. Mal auch sehr schmerzhaft. Daher war ich jedes Mal auch sehr angespannt, beim 3. Mal war es dann nicht mehr so schlimm, doch ist es jedes Mal so, als wäre etwas da, das einfach nicht dort hingehört.
Jetzt hätte ich gern einen Rat von dir, ich möchte gern wissen, was ich dagegen tun kann, dass ich nicht immer, wenn ich mich befriedige, daran denken muss, und nicht mehr so verspannt bin.
Ich befürchte nämlich, dass ich den Sex dann nur noch als sehr unangenehm empfinde und immer mit dieser Untersuchung assoziiere.
Bye, Katja (20)

Liebe Katja,
ich wüsste gern noch etwas:
1) Warum hattest du diese Ultraschalluntersuchungen? Und wann waren die einzelnen Termine?
2) Warum war es schmerzhaft? War der Arzt so unvorsichtig oder warst du so angespannt?
3) Jetzt kommt eine unangenehme Frage; du musst sie nicht beantworten, aber sie könnte uns helfen, zum eigentlichen Kern der „Blockade“ vorzustoßen… Erinnerst du dich, ob du in der Kindheit ein unangenehmes Erlebnis hattest mit etwas, das in deine Scheide eindrang?
4) Besteht deine eigentliche Angst darin, dass du beim Sex mit einem Mann eine ebensolche Blockade haben könntest wie beim eigenen Finger?
5) Ist dein Intimbereich (mitsamt der Scheide) für dich etwas eher Positives oder eher Negatives? Falls eher negativ, warum?
Liebe Grüße, Beatrice

Hallo Beatrice,
zu deinen Fragen:
1) Warum diese Ultraschalluntersuchungen?
Das erste Mal wurde so eine Untersuchung vor 3 Jahren gemacht, ich verspürte starke Schmerzen im Unterleib, woraufhin ich ins Krankenhaus kam. Dort hatte ich auch meine 1. Untersuchung, damals standen bestimmt 5 Leute um mich herum, drei davon waren Männer, du kannst dir sicher vorstellen, wie ich mich dabei gefühlt habe.
Es hat sich herausgestellt, dass ich eine Zyste hatte. Bei dieser Untersuchung hatte ich dann auch Schmerzen – ob das durch die Untersuchung oder von der Zyste kam, weiß ich nicht.
Man hatte mir damals auch nicht erklärt, was gemacht wird und wieso.

Die 2. Untersuchung hatte ich dann letztes Jahr im Winter, wieder hatte ich unglaublich starke Schmerzen, die aber von der Zyste kamen. Die Untersuchung an sich war nur noch unangenehm. Diesmal musste ich aber operiert werden, denn es war etwas mit meinem linken Eierstock nicht in Ordnung.

2) Warum war es schmerzhaft? Wie schon erwähnt, war es meine 1. Untersuchung, und ich wusste ja nicht, was ich hatte, und die Schmerzen waren ja vorher schon da; besonders vorsichtig ist der Arzt damals auch nicht vorgegangen.

3) In der Kindheit ein unangenehmes Erlebnis mit etwas, das in die Scheide eindrang? Nein.

4) Besteht die eigentliche Angst darin, dass beim Sex mit einem Mann eine ebensolche Blockade kommt wie beim eigenen Finger?
Ja, und davor, es als unangenehm zu empfinden.

5) Ist mein Intimbereich für mich etwas eher Positives oder eher Negatives?
Das ist eine gute Frage, die ich nicht so leicht beantworten kann. Das ist für mich nichts Negatives, aber auch nicht Positives. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.
Bye, Katja

Liebe Katja,
zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass dein Körper auf eine sehr verständliche Weise reagiert. Kein Wunder, dass du eine Art Blockade hast gegen etwas, was in deine Scheide eindringt, nach dem, was du durchmachen musstest. Das tat mir wirklich leid zu hören. Du warst noch so jung und unerfahren, und dann hast du doppeltes Pech: eine schmerzhafte Unterleibsgeschichte und dazu noch eine schrecklich unsensible Behandlung, die so ein junges Mädchen wirklich schwer verkraften kann.
Es macht mich echt wütend zu hören, wie die Ärzte mit dir umgingen! So bloßgestellt sein vor 5 fremden Leuten, kein Wunder, dass deine Scheidenmuskulatur total verspannt war, und das hat natürlich die Schmerzen bei der Untersuchung noch verstärkt – die nicht mal mit der gebührenden Sanftheit vorgenommen wurde.
Ganz klar, dass da ein kleines körperliches „Trauma“ entstanden ist, was bis heute anhält. Die gute Nachricht ist, dass du selbst dazu beitragen kannst, dieses Trauma zu heilen. Zuerst einmal ist es gut, die Zusammenhänge zu sehen. Du schreibst, du hast/ hattest da so ein Gefühl, als ob da etwas ist, was nicht hingehört. Logisch, da waren viele Sachen, die da nicht von Natur aus hin- bzw. hineingehören: Das Untersuchungs-Spekulum, das Ultraschallgerät, die Zyste. Aber zum Glück hast du das ja jetzt hinter dir.
Das seltsame Gefühl, das dich überfiel, als du den Finger einführtest, rührt daher, dass der Körper ein „Erinnerungsvermögen“ besitzt. Dies stellt sich automatisch ein, aber du kannst diesen Automatismus auflösen, indem du dir bewusst machst, dass der Finger etwas ist, was zu dir gehört – und dass du es buchstäblich „in der Hand“ hast, ob die Berührung unangenehm wird oder nicht.
Nun gehört aber auch ein Finger nicht zwangsläufig in eine Scheide; Finger können dort sowohl angenehme als auch unangenehme Gefühle hervorrufen.
Ähnlich ist es mit einem Penis. Ein Penis „gehört“ ja durchaus in eine Scheide, denn sie ist dafür gemacht, einen Penis aufzunehmen – allerdings nur dann, wenn du Lust darauf verspürst. Wenn du einen Mann richtig gern hast und beim Liebesspiel mit ihm erregt wirst, wird deine Scheide von selbst ein Verlangen entwickeln, seinen Penis in sich zu haben. Dann wird es sich auch gut anfühlen. Und wenn dieses Verlangen nicht da ist, brauchst du ihn auch nicht reinlassen. So einfach ist das.
Ähnlich ist es bei der Selbstbefriedigung. Die meisten Frauen masturbieren nicht in der Scheide, sondern streicheln oder reiben ihren Kitzler. Manche werden dann so erregt, dass sie zusätzlich etwas in ihre Scheide tun (Finger, Dildo etc), manche nicht. Auch das kannst du nach Lust und Laune halten und ganz nach deinen körperlichen Bedürfnissen gehen.
Bitte lies mal den Brief “Seit meiner Endometriose tut Sex weh und ich hab Abwehr dagegen“.
Relativ weit unten steht ein „Vorschlag“ – der könnte auch bei dir passen.
Vielleicht hilft es dir zusätzlich, deiner Wut über diese ärztliche Behandlung Ausdruck zu verleihen – indem du dich dort beschwerst oder mit einer Frauenärztin darüber sprichst (oder mit einer Mitarbeiterin von einem Frauenzentrum). Aber das musst du nach deinem Bauchgefühl entscheiden, ob dir das helfen würde.
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder

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