Mein Mann kauft und nimmt heimlich Viagra, hat er eine andere?

Hallo liebe Frau Poschenrieder!
Seit einiger Zeit bin ich von einer Sache belastet, über die ich mit niemand reden kann. Mein Mann (66) und ich (65) sind seit sehr langer Zeit verheiratet und beide in Pension. Wir sind jedoch beide schlanke attraktive gepflegte Menschen. Sexuell spielte sich in den letzten 10 Jahren nicht wahnsinnig viel ab und ich hatte auch das Gefühl, dass seine Potenz nachlässt. Ich habe jedoch darüber NIE eine negative Bemerkung gemacht. Vor 2 Jahren wurde bei ihm Prostatakrebs im Frühstadium festgestellt – Operation – laut Arzt keine Nerven verletzt – also Glück im Unglück.
Nach einiger Zeit fiel mir eine hohe Apothekenabbuchung auf. Auf meine Frage, was er für so viel Geld gekauft hätte, antwortete er: VIAGRA. Ich wollte natürlich wissen, was damit wäre und ob es wirken würde. Er sagte nein, es gehe nichts mehr. Taktvoll ließ ich ihn in Ruhe. Durch Zufall kam ich dann nach einem Jahr drauf, dass er laufend Viagra kauft und sein Bargeldverbrauch sehr hoch war. Freundin konnte es keine geben, das war sicher. Ich war völlig fertig und fing an, alles zu durchsuchen, was ich noch nie im Leben gemacht habe.
Vor einem halben Jahr kam es dann zu einer großen Aussprache und ich schlug ihm die Trennung vor. Das mit dem Geldverbrauch tat er ab (“wahrscheinlich habe ich damit alles möglich gezahlt”) und zu Viagra hätte ihm der Urologe geraten, um sich selber zu stimulieren. Dass ich ihm Bordellbesuche zugetraut hätte, schmeichelte ihm sogar. Wir sprachen uns aus und ich verführte ihn und siehe da, Sex war möglich (ohne Viagra). Ich bemühte mich sexuell sehr um ihn und hoffte, ihn damit in jeder Weise “aufzubauen”. Er schlief manchmal wieder bei mir über Nacht. Natürlich ist seine Erektion nicht so wie früher, aber mir ist es egal, mir ist nur Harmonie und Nähe wichtig. Das ging eine Zeit ganz gut und er war zu mir viel netter. Doch mein Misstrauen war geweckt und ich beobachtete, dass er weiter Viagra kauft. Er schneidet einzelne Pillen mit der Schere von der Packung, also verwendet er sie außer Haus und nicht im stillen Kämmerlein. Davon kann ich jedoch nichts ansprechen, weil, dann müsste ich zugeben, dass ich seine Sachen durchsucht habe. Ich kann seit Wochen keine Nacht mehr durchschlafen und fühle mich fast schon krank. Bin ich hysterisch? Was halten Sie von der Sache?
Irmgard (65)

„Viagra
 
Liebe Irmgard,
ich hätte da noch Fragen…
1) Lieben Sie ihn noch? Liebt er Sie?
2) Wo genau liegt Ihr Problem: Haben Sie Angst, dass er eine andere hat, oder kommen Sie nicht damit klar, dass er heimlich Viagra kauft und einnimmt?
3) Gibt es konkrete Hinweise auf eine andere Frau?
4) Wohnen Sie nun zusammen oder nicht? Wenn nein, wie oft sehen Sie sich und wie steht es derzeit um Ihre Beziehung?
5) Hat Ihr Mann ein Rückzugsgebiet, z.B. eine eigene Wohnung oder ein eigenes Büro o.?.?
Bis bald, Beatrice


 
Liebe Beatrice!
Ja wir lieben uns, es gibt aber sehr oft schwierige Zeiten (er ist der Inbegriff eines Narzissten). Er pflegt überhaupt keine Kontakte.
Freundin gibt es sicher keine, aber ich verstehe nicht, was er mit dem Viagra heimlich macht.
Ja, wir wohnen zusammen in einem Haus und haben getrennte Schlafzimmer. Wir verbringen viel Zeit mit(neben)einander, aber Rückzugsmöglichkeiten gibt es genug. Auch bin ich oft unterwegs und pflege meine Kontakte, treibe Sport und gehe meinen Interessen nach. Andere Wohnung oder Büro gibt es nicht.
Momentan ist die Stimmung sehr gut und er ist glücklich damit. Aber wenn wieder eine der blauen Pillen fehlt (ohne meine Beteiligung!!), falle ich sicher wieder in ein großes Loch.

Ich lese immer, dass Viagra ein Partnerschaftsmedikament ist. Bei uns jedoch nicht. Wenn ich ihn verführe, ist alles bestens und es geht auch so, warum ist er dann wild darauf, sich woanders Erleichterung zu verschaffen? Das nagt an mir.
Irmgard


 
Liebe Irmgard,
also ich denke, Sie brauchen sich überhaupt nicht zu beunruhigen. Es gibt eine logische Erklärung für die heimliche Viagra-Einnahme.
Sie schrieben:
“Sexuell spielte sich in den letzten 10 Jahren nicht wahnsinnig viel ab und ich hatte auch das Gefühl, dass seine Potenz nachlässt. Ich habe jedoch darüber NIE eine negative Bemerkung gemacht. Vor 2 Jahren wurde bei ihm Prostatakrebs im Frühstadium festgestellt…”

Eine Erkrankung der Prostata kann sehr auf die Potenz schlagen, und der Schreck durch die Diagnose “Krebs” noch mehr, wie auch die Behandlung. Dies alles kann zum völligen Erlahmen der Erektionsfähigkeit führen, wobei da meist seelische und körperliche Faktoren ineinandergreifen.

Auf jeden Fall ist es so, dass der männliche “Apparat”, der für die Erektion sorgt, durch Erkrankung und Impotenz und Nichtgebrauch buchstäblich “verkümmern” kann. Und hier kommt das Viagra zum Einsatz. Große Studien haben gezeigt, dass der KURMÄSSIGE Gebrauch von PDE-5-Hemmern (Viagra, Levitra, Cialis) die Funktionsfähigkeit des Apparats wieder ankurbeln, ja nach längerer Einnahme sogar wiederherstellen kann. Wichtig ist hierbei aber nicht nur die häufige Einnahme über einen langen Zeitraum, sondern auch die “praktische Anwendung“.
Diese Effekte sind bei den meisten Urologen bekannt, von daher vermute ich, dass ihm der Arzt dazu geraten hat.
Da aber für sehr viele Männer Themen wie Impotenz und Viagra-Einnahme sehr mit Scham und “Versager”-Gefühlen behaftet sind oder weil sie ihrer Partnerin nicht zumuten wollen, für diese “Wiederaufbau-Kur” zur Verfügung zu stehen, machen sie’s lieber heimlich. Auf gut deutsch: sie kaufen die Mittel heimlich, nehmen sie heimlich ein und onanieren heimlich. So versichern sie sich auch “gefahrlos” (also ohne peinliche Pannen), dass das Ding wieder einwandfrei funktioniert und sie es ohne “peinliche Hilfsmittel” bei der Partnerin einsetzen können.

Bei Ihrem Mann sind diese Faktoren der Scham und Peinlichkeit natürlich nochmal verstärkt! Nämlich durch seinen Narzissmus. Lieber riskiert er, dass Sie ihn des Fremdgehens bezichtigen, als zuzugeben, dass das Zentrum seiner Männlichkeit Krücken braucht.
Unterschätzen Sie nicht, wie empfindlich Männer hierin sein können!
Von daher rate ich Ihnen, dass Sie ihm seine Heimlichkeiten lassen, es nicht mehr zur Sprache bringen, sondern Ihre Konzentration lieber darauf lenken, dass Sie wieder eine liebevolle, einander zugewandte, auch körperlich innige Beziehung bekommen (denn eigentlich ist es ja fantastisch, dass Sie sich noch lieben und noch Sexualität teilen!).
Dann wird sich das mit den Pillen vielleicht bald von selbst erledigen.
Bitte lesen Sie unbedingt auch den Brief
Ist es unanständig, mit 69 noch Sex zu haben? Wie pflege ich seine Potenz?
und mein Buch „Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!“, darin finden Sie sehr viele Tipps, wie Sie auch als älteres Paar noch guten und abwechslungsreichen Sex haben können!
Liebe Grüße, Beatrice Poschenrieder