Scheidenpilz: Seit 9 Monaten immer wieder! Woher kommt das nur?

Liebe Beatrice,
ich leide mittlerweile schon seit ca 9 Monaten in regelmäßigen Abständen unter einem Scheidenpilz. Ich weiß, dass du zu diesem Thema schon mehrere Briefe beantwortet hast, die ich auch alle gelesen habe, wollte dir trotzdem schreiben, da ich mittlerweile sehr frustriert bin.
Anfänglich haben die Medikamente auch angeschlagen (Vaginaltabletten + Cremes), jedoch habe ich das Gefühl, dass sie nicht mehr sonderlich helfen.
Mein Frauenarzt ist mit mir alle Möglichkeiten durchgegangen, woran es liegen könnte; zu enge Hosen trage ich nicht, zuckerkrank bin ich auch nicht, meine Hygienemaßnahmen sind in Ordnung (regelmäßig waschen + tägliches Wechseln der Unterwäsche) usw.. Bis er dann auf den Punkt Stress kam. Vor ca 9 Monaten hat meine Mutter verkündet, dass sie sich von meinem Vater trennen will, seitdem geht alles drunter und drüber, wir leben auch immer noch alle zusammen. Nun meint mein Frauenarzt, solange ich unter Stress zu leiden habe, wäre das eine Reaktion meines Körpes, und verschreibt mir fleißig Medikamente. Ich hatte auch schon eine Intensivkur mit Tabletten und einer längeren Vaginalanwendung. Danach waren die Beschwerden auch eine Zeit lang weg.
Mittlerweile war es mir schon regelrecht unangenehm, im Abstand von ca 3 Wochen beim Arzt aufzutauchen, weshalb ich gleich in die Apotheke gegangen bin. Nun geht seit nunmehr drei 3-Tages-Anwendungen der Pilz gar nicht mehr weg.
Mein Problem ist schlichtweg, dass ich mich dadurch schrecklich fühle und das Sexleben von mir und meinem Freund stark darunter leidet (er wurde vorsorglich auch mit Creme, meist wenn´s der Arzt für nötig hielt, mitbehandelt). Wir haben kaum noch Sex und dabei sind wir grade mal 11 Monate zusammen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter.
Darum hoffe ich, dass du einen Rat für mich hast.
Milena (18)

Scheidenpilz, Vaginal-Mykose: es kommt immer wieder

Die verflixten Pilze lassen mich einfach nicht in Ruhe!

Liebe Milena,
der Stress allein kann´s nicht sein. Ich hätte da ein paar Rückfragen:
1) Nimmst du die Pille? Wenn nein, wie verhütest du?
2) Isst du vieles, was Zucker enthält? (z.B. Süßigkeiten, Ketchup, Frühstücks-Flocken, Kuchen, Limonade, Saft, Obst)
3) Wie genau wäschst du deinen Intimbereich und womit?
4) Jetzt kommt eine heikle Frage, aber sie ist wichtig: Kann es sein, dass desöfteren Keime aus dem Darm in deine Scheide gelangen? Z.B. weil du nach dem Stuhlgang von hinten nach vorn wischst? Oder durch anale Praktiken beim Sex? Dazu gehört auch ein Finger im Po, der danach in die Scheide geht. Oder hast du häufig Durchfall?
5) Wie genau äußert sich dein Pilz? Bitte nenne alle Symptome, auch, wie der Ausfluss aussieht.
6) Was gefällt dir an deiner Beziehung nicht so gut? Bitte alles nennen.
7) Wie ist euer Sexualleben? Was würdest du gern daran ändern? Bitte alles nennen.
8) Wie oft habt ihr Sex, und hast du direkt danach Beschwerden?
9) Wie stellt dein Arzt die Pilze fest? Legt er jedes Mal eine Kultur an oder macht einen Laborbefund?
Bis bald, Beatrice

Hallo Beatrice,
erst mal danke für deine schnelle Antwort.
1) Ja, ich nehme die Pille.
2) Ja, ich trinke ziemlich oft Saft und esse viel Obst. Süßigkeiten auch ab und zu, aber in Maßen.
3) Ich wasche mich 2x am Tag, aber nur mit klarem Wasser, Seife find ich unangenehm. Waschen tu ich den ganzen äußeren Bereich.
4) Durchfall habe ich fast nie, anale Praktiken übe ich nicht aus und wische immer von vorne nach hinten.
5) Es juckt immer ziemlich doll und ich habe weißen, bröckeligen Ausfluss (erinnert leicht an Hüttenkäse). Außerdem ist der Bereich um den Scheideneingang immer ziemlich von diesem Ausfluss belegt, weshalb ich mich dann auch öfter wasche.
6) Was mir nicht an der Beziehung gefällt, ist, dass wir oft nicht soviel unternehmen und zu Hause bleiben… aufgrund vom Geldmangel. Was mir am allermeisten missfällt: dass wir so wenig Sex haben.
7) Wenn wir Sex haben, ist er wunderbar, wir gehen beide sehr genau aufeinander ein, haben die gleichen Wünsche und Vorlieben. Was ich daran ändern würde? Ich würde gerne öfter Sex haben, so wie als ich den Pilz noch nicht hatte (alle 2 Tage), was durch die Erkrankung aber nicht möglich ist.
8) Sehr unregelmäßig, in drei Wochen vielleicht 2 Mal, manchmal auch mal länger nicht oder ab und zu öfter. Die ständigen Pilzerkrankungen hindern uns an einem regelmäßigen Sexleben. Beschwerden hab ich desöfteren, auch wenn ich sehr feucht bin, hab ich meist anfänglich Schmerzen, wenn er eindringt, außerdem tut es höllisch weh, wenn ich oben bin, was früher problemlos klappte, es ist dann ein stechender Schmerz. Mein Arzt konnte jedoch nichts finden. Danach verspüre ich oft ein leichtes Brennen.
9) Der Arzt entnimmt eine Probe meines Schleimhautsekrets und schaut es unter dem Mikroskop an. Einmal hat er auch den Abstrich zur Pilzuntersuchung ins Labor geschickt, wo dann auch welche festgestellt wurden. Hinzukommend wurde eine Stuhlprobe genommen, die aber ok war.
Mittlerweile war ich schon wieder beim Arzt, hab Medikamente bekommen und gehe nächste Woche nochmal hin, um zu sehen, ob alles ok ist. Ich hoffe, du kannst mir (uns) helfen.
Milena

Liebe Milena,
leider gab unser Frage-Antwort-Spiel keine weiteren Hinweise auf die Ursache des Pilzes außer die Pille -­ aber die verursacht keinen Pilz, sondern fördert ihn nur. Trotzdem rate ich dir als erstes, dass du dir überlegen solltest, ob du nicht anders verhütest. Etwa mit Kondomen, denn es könnte auch sein, dass dein Freund die Pilze irgendwo herumträgt und immer wieder auf dich überträgt. da Latex oder die Zusätze auf den Latexkondomen die Scheide wieder ein bisschen reizen können, solltest du die modernen Kunststoff-Kondome testen.
Als zweites rate ich dir, eine Frauenärztin zu suchen, die auch naturheilkundlich bewandert ist. Denn die Antipilzmittel schlagen bei dir nicht mehr an. Dein Arzt scheint aber trotzdem total fixiert drauf zu sein und kennt offenbar keine anderen Heilmöglichkeiten, obwohl es diese durchaus gibt.
Vielleicht hast du auch einen Pilz, der auf herkömmliche Mittel nicht anspricht oder inzwischen restistent dagegen geworden ist ­- in dem Fall könnte evtl. nochmal ein Laborbefund gemacht werden.
Auf jeden Fall könnte so eine Ärztin sicher auch mehr auf die seelische Seite der Erkrankung eingehen.

Die Frage ist: Wenn es wirklich die Trennungsabsicht deiner Mutter ist, die deine Erkrankung auslöste: warum ausgerechnet in der Scheide?
Damit du verstehst, was ich meine: Eine chronische Erkrankung steht fast immer in einem „Sinn-Zusammenhang“ mit einem seelischen Problem. Zum Beispiel als ich 19 war, drohte auch die Ehe meiner Eltern zu zerbrechen. Außerdem hatte ich starke Existenzängste, weil ich bereits allein lebte und mich selbst ernährte, was aber schwierig war. Diese doppelten Ängste bescherten mir eine chronische Angina (Mandelentzündung). Angina hat den selben Wortstamm wie „Angst“ und „eng“: es schnürt einem den Hals zu. Und gleichzeitig ist der Kloß im Hals ein Symptom fürs Weinen, also für Trauer.
Ich selber versuchte nach außen hin stark zu sein und meine Mutter zu unterstützen, aber mein Körper drückte das aus, was ich eigentlich fühlte: Angst und Trauer. Gleichzeitig wählte er eine Krankheit, bei der ich früher von meiner Ma gepflegt worden war,­ also eine Art unterbewusster Wunsch, sie möge sich wieder um mich kümmern. All das nennt man in der Psychologie „Krankheitsgewinn“. Chronische Erkrankungen haben fast immer einen Krankheitsgewinn sowie einen Sinn-Zusammenhang zum aktuellen seelischen Problem.
Würde deine Erkrankung sich direkt auf die Eltern-Trennung beziehen, würde sie sich eventuell anders ausdrücken, z.B. in etwas, was dich so bettlägerig und pflegebedürftig macht, dass die beiden sich wieder gemeinsam um dich kümmern müssten und die Trennung erst mal verschieben.
Chronische Erkrankungen der Scheide und des Unterleibs hängen sehr oft entweder mit der aktuellen Partnerschaft oder einem (früheren oder aktuellen) Missbrauch zusammen. Der Krankheitsgewinn hier ist dann, Sex zu meiden oder einzuschränken.
Was ich mir bei dir vorstellen könnte, wäre z.B.:
Die Trennung der Eltern verstört deren Kind oft nachhaltiger, als man wahrhaben will. Unterbewusst zieht das Kind Parallelen zur eigenen Beziehung, etwa in diesem Sinne: Wenn sogar meine eigenen Eltern, die ich immer als unverbrüchliche Einheit betrachtet habe, sich trennen, kann mir das erst recht passieren. Also stelle ich meinen Partner auf die Probe, indem ich den Bereich, in dem wir uns wirklich nahe kommen (also Sex), verkompliziere. Wenn er trotzdem bei mir bleibt, weiß ich, dass ich von ihm keine Trennung befürchten muss.

Tja, es kann so sein oder auch ganz anders. Die Frage ist: Welchen „Krankheitsgewinn“ zieht dein Unterbewusstsein aus dem Scheidenpilz?
Und: Warum bedeutet die Eltern-Trennung so einen großen Stress für dich? Bzw. welche innere Haltung müsstest du finden, um damit besser klarzukommen? (Immer eine gute Lektüre für schwierige Lebensphasen: „Sorge dich nicht – lebe! (Dale Carnegie)“.) Und sprich mit deinen Eltern darüber.

Als drittes rate ich dir zur Lektüre des Briefes
«Scheidenpilz: Vagina aus dem Gleichgewicht?»
Dort erfährst du unter anderem, dass die Gesundheit der Scheide vom gesamten Abwehrsystem des Körpers abhängt. Sprich, wenn du so viel wie möglich tust, um dein Immunsystem zu stärken, wird auch dein Pilz eher verschwinden.
1) Verzichte auf Zucker (also auch Kuchen, gesüßte Getränke, Eis, Cornflakes, Fertigmüsli, Marmelade usw.), Weißmehl, Kartoffelprodukte, Honig, Fruchtsaft, Alkohol, Hefeprodukte (vor allem Brot und Brötchen mit Weizen), schränke Obst ein. Denn Pilze ernähren sich anscheinend am liebsten davon, d.h. je weniger du davon isst, desto eher hungerst du den Pilz aus.*
Brot mit Weizen kannst du z.B. durch Knäcke und (reines!) Roggenbrot ersetzen, Obst z.T. durch Knabbergemüse wie Karotten, Gurke, Tomaten, Paprika.
2) Ernähre dich auch sonst gesund, z.B. kein Fast Food und keine Fertigprodukte.
3) Rauche nicht.
4) Beweg dich täglich an der frischen Luft.

* Über diesen Punkt sind Frauenärzte geteilter Meinung. Die einen sagen, dass das funktioniert, die anderen sagen, es sei Quatsch. Meiner Erfahrung nach hilft es sehr oft und ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

Gute Besserung
Beatrice Poschenrieder