Kondom-Misere: Vor lauter Aufpassen wird der Sex frustrierend

Hallo Beatrice,
ich hätte da ein paar Fragen. Es geht um das Kondom. Das ist doch nur was für Prostituierte. Ich und meine Freundin können aus verschiedenen Gründen nicht anders verhüten als mit Kondom. Ich hatte vor der derzeitigen Freundin eine Freundin, die die Pille nahm, daher erforderte die Umstellung nun etwas Übung. Aber es ging – das heißt, technisch. Am Anfang hatte ich das Gefühl, nichts zu spüren, aber mit einem bisschen guten Willen kam das schon. Genauer: ich kam dann schon. Aber das war und ist dann auch alles.
Ich gehöre zu den Leuten, die in der Regel nur einmal können, aber wo meine Freundin halt noch weiter und weiter will (haha, wir sind halt sehr verliebt). Das ist kein Problem, denn i.d.R. kriege ich nochmal eine Erektion, mit der sich noch was machen lässt (Eindringen oder sie reibt sich bäuchlings dran). Aber das ist halt nun mal was anderes als das, was das Kondom erlaubt: Sex, nicht Liebe: Reinraus reinraus und wegdrehen und dann Finger weg.
Ins Bad gehen und Peniswaschen ist Augenwischerei, denn das, was nachläuft beim fortgesetzten Petting, ist natürlich auch noch voller Samen und gefährlich (Kinder kommen für uns derzeit nicht in Frage). Nochmal ein Kondom überstreifen ist bei dieser „halben Sache“, also über eine eher müde Erektion, unmöglich oder eben sehr gefährlich, da es garantiert rutscht. Was nun?
Eine halbe Alternative wäre, dass ich erst komme, nachdem die Freundin voll befriedigt ist und wir kein Petting mehr machen zum Schluss, uns nicht mehr rumwälzen oder auch nicht mehr umschlungen daliegen. Letzteres machen wir immer, darauf zu verzichten ist im Grunde unmöglich, wenn man im selben Bett liegen bleibt. Aber auch das birgt im Grunde ein Risiko.
Aber: beim längeren Sex nun mit dem Kondom offenbart sich ein anderes Riesenproblem, wo ich bis heute die Lösung nicht weiß: Habe ich länger als 5 Minuten Geschlechtsverkehr mit dem Kondom, dann füllt sich der gesamte Vorderraum mit Schmierstoff. Das setzt zum einen die Empfindung herab (könnte ich gerade noch mit leben) und zum zweiten fängt das Ding an zu rutschen (sehr gefährlich). Du wirst Dich vielleicht jetzt fragen, ob ich „klein“ bin – nein, in Länge und Umfang ein bisschen mehr als normal, ich habe mich informiert. Die Dinger bleiben auf die Dauer einfach nicht am Platz, weil sich der männliche Schmierstoff zwischen Gummi und Haut durcharbeitet. Ist doch auch logisch bei diesen Bewegungen.
Soll man dann in dem Moment ein neues Kondom nehmen (viel Spass beim Halten der Erektion) und das nach Bedarf x-mal wiederholen? Oh weia. Oder mache ich was falsch oder habe ich „zu viel“ von dem Schmierstoff?

Ich befürchte auch, meine Freundin könnte schwanger werden nur durch den indirekten Kontakt, sei es mit den Fingern oder durchs Reiben von außen.
Gibt es Mittel, den klinischen Sex mit dem Kondom zu bereichern, indem man samentötende Substanzen benutzt für Finger, Penis und Vulva? Gibt es die für die „Außenbezirke“ überhaupt und wie sicher und verträglich sind die? Kann man damit Petting machen? Auskunft aus dem Sexshop möchte ich da nicht beziehen, mir zu unsicher.
Ich bin froh, dass es Kondome gibt, so schlimm sie auch sind, denn sonst könnten wir rein gar nichts machen, aber vielleicht kannst Du hier dazu beitragen, dass bei uns aus dem frustrierenden Sex wieder Liebemachen wird. Auch wenns nur hinterher enges Zusammenliegen mit sicherem Gefühl wäre. Ich denke, es geht vielen wie uns.
Tschüss und Danke.
Paul (29)

Hi Paul,
du schreibst:
„Es geht um das Kondom. Das ist doch nur was für Prostituierte.“
Häh?!?! Was soll denn der Spruch?! Was verzapfst du denn für einen Blödsinn.

Ferner schreibst du:
„Nochmal ein Kondom überstreifen … über eine eher müde Erektion ist unmöglich oder eben sehr gefährlich, da es garantiert rutscht. Was nun? Eine halbe Alternative wäre, dass ich erst komme, nachdem die Freundin voll befriedigt ist…“
Ja, das ist doch eine gute Lösung! Haben mein Ex und ich auch gemacht.
Ich habe den Eindruck, als ob Sex bei dir im Prinzip nur aus Verkehr besteht. Aber es gibt ja noch so viele schöne andere Varianten! Die auch sehr befriedigend sein können.
Im übrigen ist „Petting“ lang nicht so gefährlich, wie du zu denken scheinst. Die Gefahr, dass die Frau dabei schwanger wird, ist extrem niedrig, vor allem wenn man konsequent vermeidet, seine Finger in sein Sperma zu tauchen und dann in die Frau zu tun oder auch in der Hitze des Gefechts doch nochmal ein bisserl „penil“ einzudringen (der häufigste Grund für „Petting-Unfälle“!).

Du setzst fort:
„…umschlungen daliegen. Letzteres machen wir immer, darauf zu verzichten ist im Grunde unmöglich, wenn man im selben Bett liegenbleibt. Aber auch das birgt im Grunde ein Risiko.“
Nein, birgt kein Risiko, es sei denn, du kannst dann nicht anders als nochmal einzudringen. Da muss natürlich nochmal ein Kondom drüber.

„…beim längeren Sex nun mit dem Kondom offenbart sich ein anderes Riesenproblem, wo ich bis heute die Lösung nicht weiß: Habe ich länger als 5 Minuten Geschlechtsverkehr mit dem Kondom, dann füllt sich der gesamte Vorderraum mit Schmierstoff. … Die Dinger bleiben auf die Dauer einfach nicht am Platz, weil sich der männliche Sehnsuchtstropfen zwischen Gummi und Haut durcharbeitet.
Soll man dann in dem Moment ein neues Kondom nehmen und das nach Bedarf x-mal wiederholen? Oder mache ich was falsch oder habe ich zu viel von dem Schmierstoff?“
Ja, wahrscheinlich hast du zuviel davon. Aber ich denke, das ist auch eine Frage der Routine. Worauf es auch ankommt: Eine Marke zu finden, die gut zu deinem Penis passt. Geh mal in einen Kondomladen, lass dich beraten und kauf eine Auswahl. Präservative können in der Größe und Passform ja sehr unterschiedlich sein. Es gibt zum Beispiel welche, die haben an der Eichel mehr Platz und auch ein größeres „Reservoir“.
Apropos Reservoir: Ich weiß ja nicht, ob dir das bekannt ist, also das ist der kleine Schniepel am oberen Ende des Kondoms (das, was über der Eichel sitzt). Diesen Schniepel muss man vor dem Abrollen des Gummis mit zwei Fingern zusammendrücken, damit keine Luft drin ist, denn sonst neigt der Überzieher zum Reißen oder Rutschen.
Rutschen können Kondome auch, wenn sie nicht richtig passen, womit wir wieder beim Testen verschiedener Sorten wären.
Wenn „sich der männliche Schmierstoff zwischen Gummi und Haut durcharbeitet“, sollte man tatsächlich ein neues Kondom nehmen oder auch einfach aufhören mit dem Verkehr und zu etwas anderem übergehen (z.B. Oralsex? auch was Nettes!).

„Ich befürchte auch, meine Freundin könnte schwanger werden nur durch den indirekten Kontakt, sei es mit den Fingern oder durchs Reiben von außen.“
Das halte ich für ziemlich unwahrscheinlich.

„Gibt es Mittel, den klinischen Sex mit dem Kondom zu bereichern, indem man samentötende Substanzen benutzt für Finger, Penis und Vulva?“
Deshalb rate ich dir ab von spermientötenden Mitteln fürs Petting, das erscheint mir dann doch etwas übertrieben. Zumal diese Mittel nicht gut für die Scheidenflora sind. Wie du daraus ersiehst: ja, es gibt solche Mittel, z.B. als Salbe oder Gel, z.B. in Apotheken. Meist benützt man sie als Zusatzmittel zum Diaphragma, was (by the way) für euch beide eventuell eine Zusatzverhütung zum Kondom wäre.
Ein Diaphragma ist ein flexibles Gummikäppchen, das man kurz vorm Verkehr zwischen den Fingern schmal zusammendrückt und in die Scheide legt, wo es den Muttermund abdeckt und so eine mechanische Barriere gegen Spermien bildet. Frühestens acht Stunden danach darf sie´s wieder rausnehmen. Frau muss das vom Frauenarzt anpassen lassen, und der erklärt dann auch, wie´s anzuwenden ist.
In meiner Sexberatung in der Rubrik „Verhütung und Schwangerschaft“ findest du noch ein paar mehr Infos über Kondome und Verhütung, z.B. den Brief „Sehnsuchtstropfen am Kondom“.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder