Ist es für einen Mann wirklich angenehm, eine Frau zu lecken?

Hi Beatrice!
Ich habe seit ein paar Monaten wieder einen Freund und wir sind sehr glücklich miteinander, auch in sexueller Hinsicht. Ich befriedige meine Freund gerne mit dem Mund und er hat auch keine Hemmungen, selbiges bei mir zu tun. Allerdings seit ein paar Tagen mache ich mir Gedanken, wie es wohl für ihn ist, wenn er mich da unten küsst, denn ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass ihm das wirklich etwas gibt bzw. dass ihm das nicht unangenehm ist. Schließlich werden wir Frauen bei zunehmender Erregung immer feuchter. Wir haben darüber auch schon einmal gesprochen und er meinte, dass ihm solche Intimküsse überhaupt nicht unangenehm sind und es nicht zwingend sein muss, dass (z.B. der Geschmack oder der Geruch) eklig sind. Er meinte, das sei bei jeder Frau anders. Ich habe mich dann aber nicht getraut zu fragen, wie es denn bei mir ist.
Falls ich noch eine zweite Frage anbringen darf, würde ich gerne wissen, wie ich mich denn im Intimbereich pflegen kann, um meinem Freund den Oralverkehr etwas angenehmer zu machen.
Danke im Voraus und liebe Grüße
Diana (22)

Eine Frau oral zu verwöhnen, ist gut und erotisch.

Wer leckt schon gern eine Frau?

Liebe Diana,
zu deiner Frage habe ich vor Jahren mal einen ausführlichen Artikel geschrieben. Hier eine gekürzte Version:

«Neulich gab mein Kumpel Frank von sich, Cunnilingus (aus dem Lateinischen von “cunnus” = Scham, und “lingere” = lecken) sei für jede Frau das Höchste der Gefühle. Theoretisch hat Frank ja recht. Es ist der schnellste Weg, zum Orgasmus zu gelangen, haben Forschungen ergeben: in durchschnittlich sieben Minuten trägt er sie zum Gipfel. Per Hand sind es zehn Minuten, beim Koitus zwölf (immer vorausgesetzt, sie kommt überhaupt). Obendrein ist der Höhepunkt per Zunge auch noch der intensivste: die orgasmustypischen Scheidenkontraktionen sind stärker und häufiger.
In der Praxis stehen diesem herrlichen Vergnügen leider allzu oft zwei Dinge im Weg: Erstens Kerle, die‘s nicht können oder wollen. Aber das ist das kleinere Problem. Zweitens wir selber, genauer gesagt, unser Kopf.
Bei Männern ist das im Allgemeinen so: Sobald ein Frauenmund in die Nähe ihres besten Stücks kommt, denken sie nicht mehr viel. Bei uns scheint‘s umgekehrt zu sein. Fängt der Liebhaber an, nach unten zu wandern, schaltet unser Hirn auf Alarm:
Oh Gott, ich hab zuletzt heute Morgen geduscht. Hoffentlich stinkt‘s jetzt nicht. Oder schmeckt komisch.
Wir Frauen haben ja auch sowas wie Smegma (deutsch: Genitalkäse).
Ist es hell im Zimmer, sind viele Frauen gehemmt, weil sie ihre Vulva unattraktiv finden oder sich begutachtet und ausgeliefert fühlen wie beim Gynäkologen.
Und wenn er sich da unten lang beschäftigt, ohne dass sich allzu viel tut (nämlich weil wir nicht richtig relaxen können), meinen wir, ihn erlösen zu müssen. Denn wir können uns kaum vorstellen, wie es jemandem gefallen könnte, Mund und Nase länger als drei Minuten in etwas zu stecken, das feuchtwarm und haarig ist, mit wachsender Erregung immer schleimiger wird und oft auch noch abartig riecht.

Als ich Frank das alles vortrug, meinte er, ob eine von uns je mal die Männer gefragt hätte, was sie davon halten. Meines Wissens nicht. Also fing ich an, meinen ganzen Verwandten- und Bekanntenkreis mit indiskreten Fragen zu belästigen. Ich wollte zum Beispiel wissen, ob sie‘s selber grundsätzlich nicht mögen oder so jemand kennen. Ergebnis: Auf jede Menge Frauen trifft es zu; männlicherseits wurde mir nur von einem einzigen berichtet. Den graust‘s angeblich davor, weil er findet, die weibliche Scham sehe aus wie eine “offene Wunde, oder wie so’ne Muschel, die gleich zuschnappt”. (Wie ich höre, soll er auch sonst ziemlich verklemmt sein.)
Bei der Allgemeinheit spielt der Faktor “Aussehen” eine untergeordnete Rolle. Zwar finden die wenigsten Frauen ihren Intimbereich schön (Bettina, 25: „sieht aus wie‘ne Schleimschnecke”). Aber “es” passiert ja sowieso eher im Dunkeln oder unter der Bettdecke. Meine männlichen Bekannten jedenfalls kennen so etwas wie eine “hässliche” Vulva nicht. Und selbst wenn sie die Form an sich nicht grade umwerfend finden, erregt doch viele der Anblick.
Cunnilingische Hauptproblematik ist das Aroma. Dazu könnte ich Ihnen jetzt erzählen: ob unsere Muschi ihm mundet, sei reine Geschmackssache. (Das wäre ungefähr wie diese ewige gnädige Herrenmagazin-Lüge, die Penisgröße spiele für Lust und Befriedigung der Partnerin keine Rolle.)
Klar: Es gibt Frauen, die von Natur aus stärker oder herber riechen. Das ist dann auch eine Frage der sexuellen Chemie: Triebhaftere Männer mögen‘s auch mal vollmundiger, anderen kann das schon zu viel sein. Doch vor allem gibt es Situationen, in denen kaum eine mehr leckere Parfümdose hat. Etwa Urin ist bisweilen ziemlich penetrant – frische Reste davon an der Frau können Nasenbären die Suppe versalzen… Oder mangelnde Hygiene.
Doch auch zu viel des Guten ist nicht gut. Manche Frauen können sich selber so wenig riechen, dass sie sich fast zwanghaft waschen: morgens, abends, nach jedem Klogang, vor und nach dem Sex, und zwar mit parfümierten Waschlotionen und -tüchlein, zum Abschluss noch Intimdeo – oder tragen sogar täglich Tampons! Oh je. Abgesehen davon, dass der bittere Geschmack von Seife und Co kaum einen begeistert: übertriebene Intimhygiene reizt die zarte Haut der Genitalregion, bringt die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht und dadurch wird beides empfänglicher für Infektionen. Und die wiederum erzeugen unangenehme Gerüche, die mit noch mehr Parfüm übertüncht werden. Ein Teufelskreis.
Infekte sind nämlich die Hauptverursacher übler Scheidenausdünstungen!
Im Normalfall wird das Bukett einer Frau durch vieles beeinflusst. Zum Beispiel entsteht durch die Selbstreinigung und -erneuerung der inneren Geschlechtsorgane immer ein bisschen Ausfluss (normale Menge: 1-2 Esslöffel pro Tag). Wenn der am Scheidenausgang mit Sauerstoff zusammenkommt, zersetzt er sich. Dann wird‘s etwas muffig.
Oder Konsumgewohnheiten: Starke Fleischesser/innen riechen generell strenger. Bestimmte Nahrungsmittel kann man auch in den Sekreten erschnuppern: u.a. Fisch (vor allem Krustentiere), Knoblauch, Zwiebeln, Gewürze, Spargel. Nikotin und Alkohol machen sie bitter, heftiger Zuckergenuss säuerlicher, Austrocknung (etwa wenn man zu wenig trinkt) konzentrierter und salziger.
Oder in Abhängigkeit vom Monatszyklus: um den Eisprung, wenn der Scheidenschleim flüssiger ist, kann es süßlicher, fruchtiger werden, kurz vor und während der Periode schmeckt man manchmal das Eisen heraus – oder eben das Blut. Und zersetzen sich Reste davon, mieft es manchmal ein bisschen.
Aber grundsätzlich gilt: Eine gesunde Vulva mag vielleicht auch mal kräftiger riechen. Aber sie stinkt nicht.

Frauen sind, was das eigene Aroma anbelangt, wohl empfindlicher. Nicht nur, weil uns von jeher eingeredet wird, wir würden “da unten” müffeln. Gängige Witze über das Odeur primärer weiblicher Geschlechtsteile suggerieren uns das und tragen zu einem Komplexbei, den wir spätestens seit unserer Pubertät mit uns herumschleppen. (Apropos Fisch: Eine der Hauptursachen, wenn wir “fischeln”, ist sein Sperma vom Vortag!) Zudem ist unsere Nase wesentlich sensibler als die des Mannes.
Sprich: was uns bisweilen nicht grade erquickt, muss seine Nase nicht unbedingt stören. Ja, oft macht es ihn nachgerade an. Denn das Scheidensekret enthält Pheromone (sexuelle Lockstoffe). Und die sollen ja nicht uns selber anturnen, sondern unser Gegenüber.
Frank jedenfalls sagt, wenn es denn mal seltsam riecht, dann sowieso nur am Anfang. “Das verschwindet, sobald ich mich eingeleckt habe.” Die Gerüche sitzen nämlich hauptsächlich außen, nicht innen. Und die Lubrikation, jenes natürliche Gleitmittel, das die Scheide bei Erregung produziert, ist per se fast geschmacksneutral. Merksprüchlein also für Geschmäcklerische: “Erst per Hand erregen und dann Mund anlegen.”

Das beste Mittel gegen Befangenheit ist natürlich das Gefühl, sauber zu sein. Doch ergibt sich der Sex unvorhergesehen, turnt es Männer eher ab, wenn ihre Gespielin mittendrin abrupt aufspringt: “Ich muss mich erst mal waschen.” Besser: ins Liebesspiel einbauen (zusammen duschen oder baden) oder beim Wechsel vom Sofa ins Bett kurz im Bad verschwinden, indem man mit verführerischem Lächeln sagt: “Ich komme gleich wieder”. Es muss ja nicht gleich eine Generalreinigung sein.
Sexualexperten raten heutzutage ohnehin, daß sich beide vor jeglichem Verkehr genital säubern sollten. Das kann auch schon zwei Stunden vorher sein, und wenn Sie danach nochmal “müssen”, können Sie mit einem bisschen Wasser (etwa aus einem Becher) nachspülen.
Außer Gerüche bemängeln die Puscheltaucher im kritischen Gespräch so manch anderes Ungemach. Es ist nass, warm, haarig, unbequem. Zungenkoller, Mundstarrkrampf und Nackensteife drohen. Fürwahr, der Liebesdienst an der Frau ist nicht immer das reinste Zuckerlecken – wenig schmeichelhafte Umschreibungen wie “Pilz mit Sauce”, “Unterbodenwäsche”, “Pelzburger” und “Fisch mit Haaren” legen das nahe. Trotzdem: alles halb so wild. Die wenigsten Jungs stören Schamhaare derart, dass sie auf einer Totalrasur bestehen. (Allerdings ein Ziegenbart, aus dem man Zöpfe flechten könnte, sollte vielleicht ein klein wenig zurückgestutzt werden.) Und schwimmt Frau vor Lust weg, sieht Mann das eher als Bestätigung, dass er’s gut macht.
Alles in allem nehmen Männer viele Bürden in Kauf, wenn sie merken, dass es ihre Liebste anmacht. Das macht sie dann nämlich selber an. “Außerdem sind wir generell nicht so aufopfernd wie Frauen. Wenn‘s uns nicht passt, hören wir schon auf”, betont Frank.
Ja, es gibt tatsächlich sehr viele, denen es einfach Spaß macht, im Tiefenrausch zu schwelgen und die Partnerin so zum Orgasmus zu bringen. (Unter der Werbung geht´s weiter!)

Intimbereich – gesund und appetitlich
• Zweimal täglich waschen, am besten nur mit klarem Wasser und einem jeweils frischen Frottee-Waschlappen – der schafft auf schonende Art das oft recht zähe Smegma locker weg! Man zieht mit der einen Hand die Schamlippen auseinander und entfernt mit dem Lappen alles, was nicht so lecker aussieht (besonders das weißliche Zeug; es findet sich sogar manchmal unter dem Klitoris-Häubchen – das kann man auch vorsichtig mit einem angefeuchteten Wattestäbchen wegmachen). Bei hoher Miefgefahr sind ph-neutrale Waschlotionen erlaubt, aber höchstens einmal am Tag.
• Zu enge Hosen und Kunstfaserunterwäsche steigern Wärme und Feuchtigkeit und damit den Nährboden für Keime.
• Tabu: parfümierte Intimseifen, -sprays, Scheidenspülungen: sie zerstören die Scheidenflora.
• Zucker, Nikotin, die Pille und Antibiotika begünstigen Pilz- und andere Infektionen
• Auf der Toilette von der Scheide weg wischen.
• Bei der Regel Binden oft genug wechseln, Tampons möglichst weglassen oder nur sehr kurz tragen.
• Mindestens einmal, besser zweimal jährlich zum Frauenarzt gehen und sich dort auf Infekte abchecken lassen.»

So, Diana – das war‘s! Zu dem Inhalt des Artikels steh ich auch heute noch und hab ihn vielfach bewahrheitet gefunden. Ich hoffe, damit sind deine Fragen beantwortet!
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder