Frag Beatrice

Ich will beim Sex die perfekte Liebhaberin sein, dadurch keine Hingabe, kein Orgasmus

Vor lauter Perfektionsdrang beim Sex vergesse ich meine eigenen Bedürfnisse und komme im Bett zu kurz. Wie kann ich das abstellen?

Perfektionismus beim Sex, ich fühle mich beobachtet
Ich fühle mich beim Sex immer beobachtet und meine, ich müsste perfekt sein

Hallo Beatrice,
deine Sexberatung ist wirklich sympatisch und informativ – eher ungewöhnlich für das ganze Thema.
Ich hatte schon fünf Beziehungen und mehrere Bettgeschichten und hatte dabei nie einen Orgasmus, bzw. war eben nicht befriedigt; früher dachte ich, es liegt am Mann oder daran, dass es sexuell nicht so gut passt, aber jetzt habe ich die eigentliche Ursache gefunden: Irgendwie habe ich zu wenig Hingabe, also die Fähigkeit, mich beim Sex wirklich fallen zu lassen und ganz im Geschehen, im Genuss aufzugehen. Dabei bin ich, zumindest in meinen Phantasien und auch, was z.B Oralverkehr angeht, nicht gerade verklemmt. Auch an Lust mangelt es mir nicht, und ich masturbiere häufig.
Allerdings bin ich im Bett mit Männern, die ich mag bzw. liebe, unheimlich „fürsorglich“, was den ein oder anderen richtig gestört hat. Ich möchte es dem Typen dann einfach immer so angenehm wie möglich gestalten und vergesse meine eigenen Bedürfnisse dabei.
Gleichzeitig stehe ich auch sonst im Leben unter einem übertriebenen Leistungs- und Perfektionsdrang, der in der sexuellen Liebe wahrscheinlich ganz schön tödlich ist.
Hast Du ein paar Tipps, wie ich, wenn´s zur Sache kommt, abschalten kann und vor allem vergessen kann, ob ich es dem Partner gerade „perfekt besorge“?
Danke! Anna

Hi Anna,
das Beste wäre, du findest heraus, was hinter deinem Leistungs- und Perfektionsdrang steckt. Mangelndes Selbstwertgefühl? Findest du dich nicht „liebens-wert“? Ein paar Sitzungen bei einer/m Therapeutin/en könnten hierbei eine große Hilfe sein, ferner die Lektüre meines Ratgebers Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung
– in diesem Buch wird Leistungs- und Perfektionsdrang in verschiedenen Kapiteln behandelt und es werden etliche Lösungswege und Tipps gegeben.
Drei kleine Anregungen verrate ich schon mal:
1) Falls du mal einen Partner hast, der wirklich lieb zu dir ist und dem du 100 % vertrauen kannst, könntest du mal ausprobieren, wie es sich für dich anfühlt, wenn er dich fesselt (erst mal nur leicht!) und vielleicht sogar deine Augen verbindet und dich dann verwöhnt. Ihr müsstet dazu aber ein Stichwort abmachen, damit er dich, sobald du es sagst, sofort losbindet.

2) Wenn du dir vorstellen kannst, dass dir „Rollenspiele“ liegen bzw. gefallen könnten, versuch´s damit! Mit Rollenspielen meine ich, dass du mit deinem Partner zusammen durch bestimmte Verkleidungen, Accessoirs und Umgebungen in andere Rollen eintaucht, z.B. Lehrer und Schülerin, Chef und Sekretärin, Arzt und Patientin, Callgirl und Kunde… Nicht immer, aber oft gelingt es, durch Rollenspiele in eine andere Person zu schlüpfen und seine üblichen Hemmschuhe über Bord zu werfen! Also gib nicht auf, wenn das erste mal nicht klappt – dann versuch was anderes.

3) Ohne dass ich jetzt zum Alkoholismus verführen will: Zwei bis drei Gläser Sekt oder Champagner (also 0,2 – 0,3 l) können eine Frau wunderbar enthemmen und die üblichen störenden Gedanken abschalten. Es darf aber auf keinen Fall so viel Alkohol sein, dass du betrunken bist oder dir gar übel wird! Du sollst auch nicht vor jedem Sex trinken, sondern die positive Erfahrung soll dir helfen, beim nächsten (oder übernächsten) Mal lockerer zu sein.

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Viel Spaß
Beatrice Poschenrieder

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