Er braucht zu lange zum Orgasmus

Frage:
Ich habe das Problem, dass ich beim Verkehr meist über eine Stunde brauche (Vorspiel nicht mitgezählt), bis ich zum Orgasmus komme – wenn überhaupt. Beim Sex schaukeln sich die Gefühle im Normalfall ja immer weiter hoch, dann kommt der Moment, in dem man merkt, dass man kurz vor dem Orgasmus steht, und genau das scheint ein kritischer Augenblick bei mir zu sein. Denn wenn ich mich dann nicht intensiv auf das Gefühl konzentriere, fällt mein “Gefühlspegel” wieder ab und ich fange quasi wieder von vorne an.
Woran es liegt, kann ich Dir nicht genau sagen. Ich weiß nur, dass bei mir in dem Moment, kurz vor dem Orgasmus, nichts passieren darf, was mich aus dem “Konzept” bringt. Ich darf dabei nichts reden oder sonstiges, sondern muss mich voll und ganz auf das Gefühl in meinem Unterleib fixieren. Kennst du Tricks, wie man schneller kommen kann?

Sex von hinten, Mann liegt auf Frau, sie lustlos

Antwort:
Wärst du eine Frau, würde ich sagen: Das ist relativ normal, was du da kurz vor dem Orgasmus erlebst und dass man da so störanfällig ist. Wir erleben das oft, diesen “Absturz” kurz davor, und es ist schon ziemlich ätzend. Da hilft nur die absolute Konzentration auf das, was man gerade spürt, und/oder auf erotische Phantasien.
Für Frauen ist das vielleicht ein bisschen leichter, denn uns gesteht man zu, dass wir beim Sex egoistisch sind, weil wir eben nicht so leicht zum Höhepunkt kommen. Aber von Männern erwartet man gemeinhin, dass sie sich auf die Frau und ihre Befriedigung konzentrieren. Dass sich lang nicht alle dran halten, steht auf einem anderen Blatt – vielleicht gehörst du zu den Männern, die im Bett tun, was die Frau (vermeintlich) von ihnen erwartet, und sich damit unter einen gewissen Druck setzen.
Das würde auch zu einer anderen Vermutung von mir passen: dass du dich im Bett nicht so gut fallen lassen kannst. Viele Leute, die kurz vor dem Kommen abstürzen, haben tief innen so eine unterschwellige Befürchtung, sich beim Orgasmus nicht mehr so recht unter Kontrolle zu haben – wobei diese Befürchtung ja keine rechte Grundlage hat, denn solche Gipfel, wo man schier austickt, erlebt man ja ganz selten. Oder man hat generell eine unbewusste Angst, sich jemand anderem ganz zu öffnen (dahinter kann z.B. die Angst stehen, dann irgendwie “daneben” rüberzukommen und dann Ablehnung zu ernten).
Also wenn meine Vermutung hinhaut, solltest du dir erlauben, dich sexuell mehr gehen zu lassen (was für Frauen oft auch sehr anturnend ist!). Manchmal hat dieses Problem auch mit dem Vertrauen innerhalb einer Partnerschaft zu tun. Zum Thema Hingabe und Sich-Fallen-Lassen gibt´s in meinem Buch “Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung” ein großes Kapitel (Infos siehe unten).

Jedenfalls solltest du deiner jeweiligen Bettgefährtin sagen, dass du manchmal etwas lange brauchst zum Kommen. Du kannst sie um ihr Verständnis bitten, dass du dich kurz vorm “O” ganz auf dich selber konzentrieren musst, und du kannst ein paar Dinge ausprobieren, die bei anderen Männern gut wirken:

  • Stoß-Rhythmus beschleunigen
  • die Partnerin anregen, etwas Bestimmtes zu tun, was dich stärker erregt
  • wenn deine Partnerin sich über Wundheit beklagt, weil du sie so lange stößt, dann soll sie vor dem Verkehr dein bestes Stück per Hand oder Mund bis kurz vor den Höhepunkt bringen
  • Sport, bei dem das Becken bewegt und stärker durchblutet wird (fördert die Orgasmusfähigkeit), z.B. Joggen, Yoga, schnelle Ballsportarten wie Fußball, Squash, Volleyball
  • sich erregende Sachen intensiv vorstellen
  • Stellungen und Techniken herausfinden, die für dich besonders anturnend sind
  • Falls beim Sex für deinen Penis in ihr vielleicht zu wenig Reibung da ist, müsstest du sie bitten, ihre Scheidenmuskulatur anzuspannen. Je öfter sie das übt, desto “enger” kann sie sich machen.
  • Unbedingt weglassen: Häufiges Onanieren, Alkohol und Drogen! Das sind die klassischen Orgasmus-Verzögerer.

Herzlichst, Beatrice Poschenrieder
„Sexbewusstsein“

Hast du einen guten Draht zu deinem Unterleib, zu deiner Sexualität? Kannst du dich gut fallen lassen, oder setzst du dich manchmal unter Druck oder hast zu viele Gedanken im Kopf? Woher solche Dinge kommen und was man tun kann und vieles mehr zeigt dieser Ratgeber!

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