Sie weiß mich nicht zu schätzen – bin ich nicht mehr wichtig für sie? (Teil 2)

Fortsetzung des Briefes «Sie weiß mich nicht zu schätzen – bin ich nicht mehr wichtig für sie?»

Hi Beatrice,
vielen Dank für deinen Rat, zum Beispiel dass ich meiner Freundin nicht mehr so viel geben soll, sondern mich rar machen soll und viel mehr Sachen für mich machen soll. Ich bin noch gar nicht richtig dazu gekommen, denn 6 Tage nach deiner Nachricht fuhr sie mit ihrer Familie in Urlaub für 3 Wochen, und ich freute mich sooo auf Tag, bis sie wieder da ist.
Als sie jetzt vor 2 Tagen wieder da war, war ich ewig happy. Das Gefühl hatte ich aber nicht sehr lange. Ich merkte, dass sie mir nicht sehr viel Aufmerksamkeit schenkte. Was mich sehr betrübte. Ich habe mit ihr drüber gesprochen und sie meinte, sie muss sich erst wieder dran gewöhnen, dass jemand um sie rum ist. Also das kann ich nicht so ganz verstehen. Scheinbar hatten wir beide von Tag x verschiedene Vorstellungen.
Auch vorher fand ich, dass wir irgendwie unterschiedlicher Ansichten der Beziehung sind. Sie nimmt alles lockerer. Was ich eigentlich gar nicht so schlecht finde. Ich versteife mich vielleicht manchmal auch zu sehr auf sie und um so mehr werde ich enttäuscht, wenn sie sich dann nicht so viel Zeit für Kuscheln usw. für mich nimmt. Ich glaube, ich hab mich auch schon ein wenig selbst abhängig von ihr gemacht. Ich weiß, das ist nicht gut, aber irgendwie bin ich halt so. Ganz oder gar nicht. Naja dadurch dass ich mir dann halt auch nicht so wichtig für sie vorkomme, fühle ich mich irgendwie zurückgesetzt. Vielleicht habe ich auch alles etwas zu selbstverständlich angesehen und das wird mit der Zeit langweilig für sie.
Auf jeden Fall kann es nicht so weiter gehen. Ich möchte sie um nichts in der Welt verlieren! Darum geb ich vielleicht auch manchmal zu sehr nach und habe Angst vor einer ehrlichen Antwort oder einem Streit.
Weißt Du, wie ich wieder mehr Interesse von ihr bekommen kann?
Tobias (22)

Hi Tobias,
in deinen eigenen Zeilen steht ja schon, was der Kern deines Problems ist:
“…fand ich, dass wir irgendwie unterschiedlicher Ansichten der Beziehung sind. Sie nimmt alles lockerer. Was ich gar nicht so schlecht finde. Ich versteife mich vielleicht manchmal auch zu sehr auf sie und um so mehr werde ich enttäuscht, wenn sie sich dann nicht so viel Zeit für Kuscheln usw. für mich nimmt. Ich glaube, ich hab mich auch schon ein wenig selbst abhängig von ihr gemacht. Ich weiß, das ist nicht gut, aber irgendwie bin ich halt so. Ganz oder gar nicht.”
Nun, Tobias, mit “ganz oder gar nicht” hat das wenig zu tun, sondern dass du sie zu deinem Lebensmittelpunkt gemacht hast und tatsächlich emotional abhängig geworden bist.
Eine Beziehung “ganz” zu führen, bedeutet auf KEINEN FALL, zu klammern, sich klein zu machen und an einer Frau zu kleben, die dich manchmal wie einen Fußabtreter behandelt!
Du musst es schaffen, die Beziehung auch so locker zu nehmen wie sie. Dich nicht so sehr auf sie versteifen. Nicht so viel erwarten und Enttäuschung nicht dauernd raushängen lassen. AUF KEINEN FALL DEIN BEFINDEN VON IHR ABHÄNGIG MACHEN!!!!! Da verliert doch jede Frau die Achtung vor und das Interesse an dir.
Sieh zu, dass du dich auch mal wieder auf dich selber konzentrierst und auf deine Kumpels. Wahrscheinlich klammerst du in eurer Beziehung, und das ist nicht nur ätzend an sich, sondern auch tödlich für die Liebe und für die Erotik (eine ausführliche Erklärung dazu liefrt mein Buch «Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung»).
Du schreibst: “Ich weiß, das ist nicht gut, aber irgendwie bin ich halt so.”
Irgendwie bin ich halt so. Aha. So ein Quatsch! Jeder Mensch kann sich ändern.

Ich kann dir nur nochmal das sagen, was ich dir neulich schon gesagt habe. Bitte führ dir meine erste Antwort nochmals zu Gemüte.
LG, Beatrice Poschenrieder