Wir werden heiraten, aber das Gefühl fehlt, dass er der Mann meines Lebens ist

Liebe Beatrice,
ich bin seit knapp 3 Jahren mit meinem Freund zusammen, wir leben seit zwei Jahren in einer gemeinsamen Wohnung. Zusammengekommen sind wir, nachdem ich mich in einem schmerzvollen Prozess von meinem Exfreund getrennt hatte. Ich habe mich dann schwer getan, meine Wohnung aufzugeben, obwohl ich schon längst (seit einem Jahr) bei meinem Freund lebte. Irgendwie hatte ich tief im Innern immer das Gefühl, mir würde etwas fehlen, etwas Emotionales, das mich wissen läßt, dass er der Mann meinen Lebens ist.
Ich habe wohl immer die Hoffnung gehabt, dass der Traumprinz noch daherkommt. Dabei ist mein Freund ein wirklich liebevoller Mann, der mich von Herzen liebt und dem ich voll vertrauen kann, was in Hinblick auf meine vorigen Erfahrungen extrem wichtig für mich ist. Ich bin durch diese Erfahrungen sehr misstrauisch, er gibt mir aber immer ein gutes Gefühl.

Unsere Hochzeit ist schon geplant, aber ich bin in einen anderen verliebt

Keine Heirat und keine Hochzeitsreise? Soll ich alles platzen lassen?

Mit der Zeit haben sich Dinge eingeschlichen, die man wohl als Alltag bezeichnen würde; da er einen sehr anstrengenden Job hat und selbständig ist, hat er für andere Dinge innerhalb der Woche keinerlei Nerven. Er verspricht zwar, dass sich das ändert, aber ich frage mich, ob das realistisch ist. Nun sollte ich ihn wohl akzeptieren, wie er ist, aber leider kann ich das nicht. Ich bin nicht genervt von ihm als Person, ich freue mich jeden Tag aufs Neue auf ihn, habe aber im Hinblick auf unsere sehr bald schon anstehende Hochzeit die Angst, dass sich das, was mich derzeit unzufrieden stimmt, nicht verändern wird.
Ich hasse mich selber dafür, dass ich nicht einfach nur genießen kann, dass ich eine Beziehung führe, in der ich mich wohl und geborgen fühle, sondern dass ich weiterhin unsicher bin, ob die Entscheidung zur Hochzeit die Richtige ist.
Durch seine Arbeit und die damit verbundene Anspannung ist es natürlich auch so, dass unser Sexualleben stark nachgelassen hat. Früher war ich diejenige, die nicht so oft “wollte”, nun er… zu gestresst, zu unwohl, irgendwas ist meist und er lässt sich dann auch nicht verführen, meist wird statt dessen ferngesehen.
Das klingt vermutlich alles sehr drastisch und man fragt sich, wo dann das Glück bei so viel, vielleicht selbstgemachtem, Frust liegt, aber das liegt eben darin, dass er mir unheimlich gut tut und ich, wenn ich daran denke, mich zu trennen, schrecklich traurig bin, mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen kann und große Angst habe, vielleicht nie wieder jemanden zu finden, mit dem ich eine so gute Basis habe, was die gleichen Vorstellungen vom Leben angeht. Ich kann mich mit ihm hervorragend unterhalten, er ist tolerant und lässt mich sein, wie ich bin. Er steht hinter mir und hilft mir, mich selber und in der Beziehung weiterzuentwickeln.
Nun kommt aber dazu, dass ich vor 3 Monaten jemanden kennengelernt habe, wo es gut harmonieren würde und ich die Zeit so gerne mit ihm verbringe. Wir haben uns auch nicht erst 3 Mal getroffen, sondern sicher schon an die 60 Mal, wo man einen Eindruck von der Person sicher ganz gut bekommen kann. Ich fühle mich mit ihm sehr wohl und glücklich, aber trage eben die Unsicherheit mit mir, ob das wirklich das Richtige sein könnte. Denn klar ist am Anfang immer alles schön und man lebt ja noch keine Partnerschaft.
Bin ich bei dem anderen, denke ich, warum sollte ich das nicht versuchen? Dann bin ich zu Hause und habe so ein inniges Gefühl meinem Freund gegenüber, dass ich es nicht übers Herz bringe. Es ist auch kein schlechtes Gewissen, sondern ich denke, klar liebe ich meinen Freund, er ist der Richtige. Aber warum kann ich mich dann nicht vollen Herzens auf die Hochzeit freuen und den Kontakt zum anderen abbrechen? Dazu kommt, dass mein Freund unheimlich gerne ein Kind möchte, ich mich dazu aber nicht bereit fühle. Liegt es daran, dass ich einfach noch nicht so weit bin, oder vielleicht daran, dass ich denke, er ist nicht der Richtige?
Dieses Thema führt öfter zu Diskussionen und Tränen, ich weiß damit langsam nicht mehr umzugehen. Über eine Antwort wäre ich sehr glücklich!
Nadine (33)

Liebe Nadine,
du fragst:
“…warum kann ich mich dann nicht vollen Herzens auf die Hochzeit freuen? und den Kontakt zum anderen abbrechen? Dazu kommt, dass mein Freund unheimlich gerne ein Kind möchte, ich mich dazu aber nicht bereit fühle. Liegt es daran, dass ich einfach noch nicht so weit bin? oder vielleicht daran, dass ich denke, er ist nicht der Richtige?”
3 x die selbe Antwort: Er ist offenbar nicht der Richtige. Es ist schön, dass du dich wohl fühlst und gut mit ihm reden kannst. Aber wenn man´s genau nimmt, ist das eine tolle Freundschaft, keine wirkliche Liebesbeziehung.
Es fehlen zwei elementare Dinge: 1) Faszination, 2) starke erotische Anziehung (und damit auch ein tolles, lebendiges Sexualleben).

Die Frage ist: Wären diese beiden Dinge bei dem “anderen” gegeben? Und würdest du mit ihm lieber ein Kind haben? Und fühlst du bei ihm “etwas Emotionales, das dich wissen lässt, dass er der Mann deinen Lebens ist”?
Falls du nur einmal “nein” gesagt hast, ist auch er nicht der Richtige.

Ehrlich gesagt, ich finde, du solltest deinen Freund nicht heiraten. Nicht, solange du so viele Zweifel hast. Für eine Heirat hast du nicht die benötigten 95 – 100 % “Ja”, sondern vielleicht so 60 %. Das geht nicht gut. Bitte schau dazu auch mein Video “Verliebt in jemand anders: zur neuen Liebe wechseln oder in der Beziehung bleiben?”, ich häng´s dir unten an.

Übrigens, mein Buch “Wer rettet die Liebe?” passt total zu deiner Situation! Es geht auch um “Heiraten oder nicht” und eine Menge Zweifel…
Herzlichst, Beatrice Poschenrieder