Frag Beatrice

Seit wir bei seinen Eltern wohnen, kriselt´s bei uns

Hallo Beatrice!
Ich habe seit 3 Jahren einen Freund (er ist 44, wir sind seit 1 1/4 Jahren verlobt). Bin für ihn aus meiner Stadt weggezogen. Habe dort meine Familie, meine Freunde und meine Arbeit aufgegeben, was ich bisher noch nicht bereut hatte, bis vor kurzem die Probleme angefangen haben… Ich hatte eine Zeitlang eine eigene Wohnung, da ich nicht mit zu seinen Eltern ins Haus ziehen wollte, da ich damit keine guten Erfahrungen gemacht habe. Dann habe ich meinen Job verloren, weil die Firma Konkurs angemeldet hat, und da das mitten im Winter war, konnte ich auf die Schnelle nichts anderes finden. Ich fragte ihn, ob er nicht zu mir ziehen koennte, um sich mit mir die Kosten zu teilen, da wir sowieso zusammenziehen wollten. Aber ich merkte damals schon, dass irgendetwas nicht stimmt…
Vor knapp 2 Jahren bin ich dann doch zu ihm und seinen Eltern gezogen, was sich nicht gut für unsere Beziehung ausgewirkt hat; wir haben in dem Haus zwar eine eigene Wohnung, aber wir dürfen nicht abschließen, und sie gehen hier ein und aus, wie ihnen das gefällt. Sie kommen zwar nicht hoch, wenn ich zuhause bin, aber kaum bin ich aus dem Haus – egal ob nur zur Arbeit oder kurz einkaufen – schon stehen sie hier oben in der Wohnung. Und wenn ich was zu ihm sage, dann erwidert er immer: “Ich kann ihnen nichts sagen, es ist ihr Haus!”
Ok, er hat ja recht, aber wir zahlen 700 Euro Miete jeden Monat, also habe ich ihm schon vorgeschlagen, dass wir zusammen ausziehen und unser eigenes Leben leben, aber auch da sagt er: “Ich kann nicht!”
„wir
Was ich dazu sagen muss: er war 41 Jahre alt, als ich ihn kennenlernte, und er hat vor mir noch nie eine Freundin gehabt, in keinerlei Beziehung, kein Sex, keine Liebe, einfach gar nichts, aber es lief am Anfang alles so gut, wir sind zusammen nach England gefahren usw.. Aber seine Eltern akzeptieren mich einfach nicht. Ich sei zu jung und wolle nur sein Geld und sein Auto… Ich habe eine gut bezahlte Arbeit, ich verdiene sogar mehr als er, ich habe mein eigenes Auto, also was soll das?
Seine Mutter und seine ältere Schwester machen mich hier in dem Ort schlecht, und sie kamen hier einmal hoch in die Wohnung, haben mir Geld angeboten, wenn ich sofort ausziehe und meinen Verlobten in Ruhe lasse.
Das ganze Problem bei der Sache ist, dass ich ihn liebe, und wie er sagt, er mich auch, aber er kann sich nicht durchsetzen gegen seine Mutter und seine Schwester. Er sagt, wenn er jetzt hier weggehen würde, dann könnte er nie mehr hierher zurück!!!
Er hat hier sein Leben lang gewohnt und er könne es von innen heraus nicht tun (ausziehen). Was soll ich machen? Soll ich wirklich aufgeben und alleine ausziehen und das, nachdem ich so lange gekämpft habe? Es macht mich seelisch kaputt zu sehen, dass ich ihn zwischen diese berühmten zwei Stühle schiebe. Ich verlange nicht von ihm, dass er sich entscheiden muss zwischen mir und seiner Familie, aber ich kann bald nicht mehr. Ich traue mich schon nicht mehr hier in dem Ort einkaufen zu gehen oder zum Doc zu gehen, weil mich die Leute anschauen, als hätte ich eine ansteckende Krankheit.
Seitdem die Probleme hier angefangen haben, habe ich staendige Kopfschmerzen, ich war deswegen schon bei mehrern Ärzten, aber niemand kann etwas finden… Nun sagte mir ein Psychologe, dass es an den Spannungen zuhause liegen kann!! Kannst du mir einen Rat geben, was ich tun soll??
Vicky (30)

Liebe Vicky,
logisch hängen die Kopfschmerzen mit deinen seelischen Ärgernissen zusammen, und sie werden immer schlimmer werden, wenn du deine Probleme nicht bald angehst.
Ich hatte gestern ein ausführliches Beratungsgespräch mit einer Frau, die das gleiche hinter sich hat, wie du´s grade erlebst. Diese Frau hat das über zehn Jahre mitgemacht, und sie ist fast dran kaputt gegangen.
Sie ist der selben Meinung wie ich: dass du dringend ausziehen musst. Besser wäre es, du ziehst in einen andern Ort. Am allerbesten wär´s, ganz weit weg (vielleicht wieder zurück?), um einen Neuanfang zu machen. Denn dein Freund kommt da nicht mehr raus aus seiner Familienkiste. Wenn er´s mit 44 (!!!) nicht geschafft hat, wird er dort bis an sein Lebensende bleiben. Eine schauderhafte Vorstellung, nicht?
Ehrlich gesagt, frag ich mich, wie du noch Liebe und Achtung haben kannst für einen Menschen, der in dem Alter noch im Elternhaus wohnt, sich von Mutti und Schwesterlein in die Suppe spucken und in der Wohnung spionieren lässt und vor allem: der es zulässt, dass seiner Partnerin so was angetan wird!!! Ist der Mensch denn so blind und so mutterfixiert, dass er es nicht wahrhaben will, wie du in der jetzigen Situation allmählich vor die Hunde gehst? Soll das Liebe sein??? Jeder normale Mann wäre sowieso schon längst ausgezogen, um sein eigenes Leben zu leben, und mit einer festen Partnerin allemal. Aber der deine, der ist zu schwach und zu bequem.

Wie´s scheint, hast du ja derzeit einen Job, also wieso suchst du dir nicht ne eigene Wohnung (vielleicht in einem Nachbarort)? Dein Freund wird sich gut überlegen, ob er dann nicht hinterherkommt, denn du bist seine erste Freundin, und aus Mangel an Beziehungserfahrung wird er an dir festhalten.
Aber wie angedeutet, ich find eigentlich, du verdienst einen besseren. Einen, der zu dir steht, der dich verteidigt, dem daran liegt, dass es dir seelisch und körperlich gut geht. Ein Wohnungswechsel ist ja nun wahrhaft kein allzu großes Opfer…
Liebes Mädel, in deinem Alter kannst du doch so viele tolle, selbstbewusste, eigenständige Männer haben… was verlierst du dein Herz an einen 14 Jahre älteren, der noch nicht mal seinen Mann stehen kann!
Ich weiß, es ist verdammt schwer, loszulassen; aber in dem Fall steht deine seelische und körperliche Gesundheit auf dem Spiel.
Wenn du dich nicht entscheiden kannst, dann rate ich dir, ohne ihn zu verreisen. Am besten mit einer lebenslustigen Single-Freundin, und zwar BALD und mindestens zwei Wochen. Oft fällt es mit einem gewissen Abstand leichter, klar zu sehen und zu einem Entschluss zu kommen.
Und noch ein kleiner Rat: Lies mein Buch “Mister Aussichtslos: 12 Männertypen, die Sie sich sparen können“, darin findest du auch den Typus “Das Muttersöhnchen”.
Nur Mut!
Beatrice Poschenrieder

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