Frag Beatrice

Noch zwei Jahre nach der Trennung hab ich Depressionen, er hat mir so… Teil 2

Fortsetzung des Briefes Noch zwei Jahre nach der Trennung hab ich Depressionen, er hat mir so viel angetan:

Liebe Beatrice,
vielen Dank für Deine Worte, sie haben mir sehr gut getan!
Du sprichst genau die Dinge an, die mich beschäftigen:
– Warum habe ich gegen meine Intuition gehandelt?
– Warum lasse ich mich immer wieder in eine Opferrolle drängen, warum falle ich immer wieder auf den gleichen Typ von Mann herein?
– Warum sehe ich mich selbst und mein Leben so negativ, warum beschäftige ich mich in erster Linie mit meinen Defiziten?

Der Schlüssel liegt wohl in mangelnder Selbstliebe und -achtung. Vermutlich bin ich im Innersten davon überzeugt, nichts Besseres zu verdienen, und ziehe deshalb immer wieder entsprechende Männer an (wobei es sicher auch falsch ist, die zehn Jahre mit meinem Mann ausschließlich negativ zu bewerten).

Kurz nach der Trennung war ich bei einer Therapeutin, mit der ich aber nicht zurechtgekommen bin. Sie meinte z.B., ich würde alles zu schwarz-weiß sehen, ich würde mich gegenüber meinem Mann moralisch überlegen fühlen, weil ich treu war.
Seitdem habe ich keinen Versuch mehr mit einer Psychotherapie mehr gemacht. Du rätst mir, «gut wäre eine Therapeutin, die auch Paartherapie / Paarberatung in petto hat». Naiv gefragt: Macht das für mich als Single Sinn?
Herzliche Grüße, Ellen (34)

Liebe Ellen,
so eine Therapeutin habe ich deswegen vorgeschlagen, weil sie sich eben auch gut in Liebesdingen auskennt – besser als z.B. eine Therapeutin, die z.B. nur auf Zwänge, Neurosen und Süchte spezialisiert ist. Am besten für dich wäre eine Therapeutin, die sowohl viel Erfahrung in Liebesangelegenheiten als auch in Depressionen hat.
Eine erneute Therapie macht für dich sehr viel Sinn, allein schon aus folgenden Gründen:
– Bearbeitung der verlorenen Beziehung
– Loswerden der Wut
– Loswerden der Opferrolle und des negativen Denkens
– Loswerden der Depressionen
– Stärkung der Selbstachtung und Selbstliebe
– Voraussetzungen schaffen, dass du wieder offen wirst für die Liebe eines Mannes und dass es auch gut geht.

Du bist damals nicht mit der Psychotherapeutin zurechtgekommen, weil du vermutlich noch nicht so weit warst. Du warst noch zu nah dran und noch zu sehr drin in deinem Schmerz. Vielleicht hatte sie ja mit den meisten Dingen Recht?
Jedenfalls, heute hast du genug selbstkritischen Abstand zu dir selbst, um deine eigenen Mankos zu erkennen. Es tut halt weh und kränkt, diese von einer fremden Person vor die Nase gehalten zu bekommen? Aber leider gehört dieser unangenehme Prozess zum Weg der Heilung.
Ein anderer Punkt ist vielleicht, dass diese Frau nicht genug Wärme hatte oder dass ihr beide einfach nicht auf einer Wellenlänge wart. Das ist ziemlich wichtig, damit du ihre Art der Therapie auch annehmen kannst.
Versuch, so eine Therapeutin zu finden. Mach Probe-Termine bei einigen und entscheide dann erst.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

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