Wir passen wie Topf und Deckel, warum verliebt er sich nicht in mich?

Hallo Beatrice,
ich bitte dich auch um Rat. Man ist ja manchmal so vernagelt und gute Freunde tun sich schwer, unbeliebte Wahrheiten zu sagen. Ich muss den Kopf einfach klar kriegen.
Ein Mann hat mich total verwirrt:
Wir haben uns vor gut einem Jahr kennen gelernt. Irgendwann hat es plötzlich gekribbelt bei mir und ich stellte immer mehr fest, dass der Mann wie für mich gemacht schien. So viele Gemeinsamkeiten, so viel Prickeln, unglaublich.
Seine ganze Körpersprache sagt, dass er mich mag. Er lächelt viel, schaut mir in die Augen, beobachtet mich oft, wenn er glaubt, ich sehe es nicht, er ist mir fast immer zugewandt, manchmal wirkt er auch verlegen, zuckt zusammen, wenn ich ihn aus Versehen anstubse. Er erzählt oft, dass er sich lange überlegt habe, was ich von ihm gedacht habe und denke, halte, erwarte etc. Solche Gedanken macht man sich doch nicht, wenn man sich nichts aus dem anderen macht, oder geht hier das Vernageltsein schon los?
Andererseits kommt von seiner Seite nichts, keine Vorschläge, keine Initiative, keine spontanen Kontaktaufnahmen.
Irgendwann habe ich ihn in einem Anfall von Verzweiflung darauf angesprochen und ihm auch gestanden, dass ich ein wenig verschossen in ihn bin. Das hat ihn sehr verwirrt, er meinte, er hätte gerne wieder eine Beziehung, er möge mich, fände mich attraktiv und bräuchte ein wenig Bedenkzeit.
Am Ende der sehr langen Bedenkzeit (Monate – in denen ich nie gestresst habe), meinte er, sein Gefühl würde nicht ausreichen, gleichzeitig gestand er aber, dass er bei unseren 2-3 Treffen zwischendurch total angespannt war, weil er mich so erotisch fand, dass er sich vor sich selbst geschämt hat. Er wäre liebend gerne über mich hergefallen, aber weil er nicht die große Liebe spürte, dachte er, das hätte mich vielleicht zu sehr verletzt.
Liebe? Das Wort habe ich nie benutzt, so etwas muss sich doch auch entwickeln und ist nicht plötzlich da. Wenn man sich so gut unterhalten kann, lachen kann, viele Gemeinsamkeiten hat und sich erotisch findet, dann ist das doch eine gute Ausgangslage, mal zu sehen, was kommt, oder nicht? Vielleicht entdecke ich ja auch nach 3 Monaten, dass ich mich geirrt habe.
Mich wundert nicht, dass er keine intensiven Gefühle hat, wir kennen uns ja kaum, sehen uns immer nur mit anderen. (Ich habe nur Angst, wenn ich ihm das sage, dass er das als Freibrief für eine Bettgeschichte sieht, während ich interessiert bin eine Beziehung zu versuchen.)
Es ist, als habe er Angst vor mir, von ihm kommt absolut nichts und von mir dementsprechend auch nicht mehr. Vorher war ich dezent, jetzt lasse ich ihn inzwischen einfach in Ruhe, keine Mails, keine Vorschläge, auch wenn es mir so schwer fällt, treffe ihn nur noch alle paar Wochen zusammen mit unseren gemeinsamen Freunden.
Es fällt mir unglaublich schwer mental loszulassen, weil ich nie so einen Mann getroffen habe, der wirklich mein Deckelchen sein könnte. Und von dem ich dazu spüre, dass er mich mag und weiß, dass ich derzeit seine erotische Phantasie bin. Wenn er mich so ansieht, fällt es unglaublich schwer, sein Nein zu respektieren.

Was ist da los? Kann bei so viel Gemeinsamkeit wirklich Sex das einzige Interesse sein? Darf ich ihn fragen, was ihm an mir fehlt? Fragen, ob ich ihn bedrängt oder etwas falsch gemacht habe? Ist er verwirrt oder bin ich es?
Viele Grüße, Ellen (33)

Wir würden gut zusammenpassen, aber er will mich nicht

Wir sind wie Topf und Deckel, warum zum Teufel verschmäht er mich?

Liebe Ellen,
ich kann´s leider auch nicht einschätzen, inwieweit er an dir interessiert ist.
Du fragst: „Kann bei so viel Gemeinsamkeit wirklich Sex das einzige Interesse sein?“
Wenn bei ihm nur der Unterleib, nicht aber das Herz anspringt: ja.

„Liebe? Das Wort habe ich nie benutzt, so etwas muss sich doch auch entwickeln und ist nicht plötzlich da.“
Das funktioniert nur bei manchen Leuten. Bei den meisten muss so eine Art „Grundfunken“ da sein, etwas, was ihnen spontan das Herz aufgehen lässt (meist kann man nicht mal benennen, was das ist).

„Darf ich ihn fragen, was ihm an mir fehlt? Fragen, ob ich ihn bedrängt oder etwas falsch gemacht habe?“
Hm… das würde ich nicht unbedingt raten. Damit machst du dich doch nur klein. Die Positionen sind dann so: Du bist die, die um seine Gunst buhlt, er ist der “Große”, der entscheidet, ob du seiner würdig bist oder ob du was falsch gemacht hast. Ich denk nämlich nicht, dass du was falsch gemacht hast oder dass an dir was verkehrt ist – ER sollte eigentlich in diesem Stadium um dich werben, nicht du um ihn!! Sondern ich denke sowieso, dass er nicht wirklich ein Traummann ist. Auch nicht für dich. Da mögen viele Gemeinsamkeiten sein – zwei entscheidende sind nicht da: Erstens, er will keine Beziehung mit dir (und die Wahrscheinlichkeit, dass du das ändern kannst, ist leider gering). Zweitens, er zeigt keinerlei Initiative. Das deutet nicht nur drauf hin, dass er kein großes Interesse an dir hat, sondern auch, dass er ein sehr passiver, vielleicht sogar sehr gehemmter Mensch ist. Eine Beziehung mit so einem Mann ist die Hölle, das kannst du mir glauben!!! Du musst alles initiieren, von Unternehmungen über schlichte Küsse und Berührungen bis hin zum Sex! Und du fragst dich die ganze Zeit, ob er dich nicht genug liebt, denn sonst würde er sich ja mehr in deine Richtung bewegen…
(Bitte lies dazu auch in meiner Sex-Beratung: “Ich bin so wütend, weil er sich in sexueller Hinsicht so blöd anstellt
Guter Buchtipp zum Thema Männer + Verlieben: siehe unten.)

Mach dir das alles immer wieder bewusst und fang endlich an, dich von deiner Traumvorstellung zu lösen, denn etwas anderes ist es nicht. Die Realität mit diesem Mann wäre höchstwahrscheinlich eine Aneinanderreihung von Frustrationen.
Aber kannst ihn ja trotzdem fragen, woran´s hakt (mach dich dabei nicht klein!!) – das wird dir sicher auch helfen beim Loslassen.
Und fang am besten sofort an, dich nach einem „reellen“ Mann umzusehen. Einer, der dich will und liebt, aber nur 80 % Übereinstimmungen mit dir hat, ist tausendmal mehr wert als einer, der zu 95 % übereinstimmt, aber dich nicht liebt.
Herzliche Grüße
Beatrice Poschenrieder