Ich denke, sie mag mich sehr, aber schon beim Küssen verkrampft sie

Liebe Beatrice,
nach 12 Jahren Ehe nun seit 2 Jahren geschieden und zufriedener Single, gelang es mir vor einigen Wochen, eine junge Frau anzusprechen, die ich schon seit längerem sehr nett finde. Schon das erste Date ergab viele Gemeinsamkeiten und die berühmte „gleiche Wellenlänge“, brachte allerdings einen Altersunterschied ans Licht, der etwas größer ausfällt als angenommen (ich bin 42, sie ist 24) und auch die Tatsache, dass sie erst vor wenigen Wochen eine Trennung erlebte, die sie nicht wollte.
Besagtem ersten Date folgten Tage mit intensivem Gedankenaustausch und Flirten via Telefon, SMS und kurzen Treffs. Dabei machte ich auch keinen Hehl daraus, dass es mich ziemlich erwischt hat. Umgekehrt war sie sehr nett, gab mehr als deutliche Signale, sprach aber nie davon, genauso zu empfinden.

Hier wird nicht geküsst!

Bitte nicht küssen!

Nach ein paar Tagen endete ein erster, vorsichtiger Annäherungsversuch in einem kleinen Desaster, da sie extrem anspannte – was sie hinterher damit begründete, offenbar doch noch nicht frei bzw. „so weit“ zu sein. Was bleibt einem, wenn man(n) es Ernst meint, anderes übrig, als dies – in der Hoffnung auf den Zeitfaktor – zu akzeptieren? Obwohl es mir schon zu diesem Zeitpunkt sehr schwer gefallen wäre, wollte ich mich daraufhin etwas zurückziehen; doch sie hielt weiter Kontakt und suchte bei zwei weiteren Treffen auch Nähe im Form von Umarmung und „Kuscheln“… aber ein situationsgemäß naheliegender Kuss war undenkbar, schon der vorsichtige Ansatz dazu ließ sie sofort verkrampfen. Mir ist es wie gesagt sehr ernst und so ignorierte ich das so gut es ging; was angesichts der doch intensiveren Enge/Nähe beim letzten Aufeinandertreffen nicht leicht und zugegeben auch etwas verletzend war.
Insgesamt empfand ich diese letzte Situation jedoch als kleinen Schritt vorwärts, zumal wir uns verbal sehr nahe gekommen waren und auch von ihr immer wieder Aussagen vielen, die mehr als Sympathie signalisierten.
Doch schon einen Tag später war die Reaktion auf meinen Anruf sehr unterkühlt. Tags darauf erneut, was mich dazu veranlasst hat, dies auch anzusprechen. Antwort: Es ist zu viel Nähe aufgekommen, obwohl sie ja einfach noch nicht so weit ist. Sie kennt meine Gefühle, fühlt sich dadurch aber momentan beengt.
Meine ehrliche Antwort war einerseits Verständnis für ihre derzeitige Situation, aber auch die Aussage, meinerseits nun nicht mehr auf sie zuzukommen, sondern abzuwarten. Auch habe ich sie gebeten, sich nur zu melden wenn auch sie entsprechende Gefühle hat. Mit ihrer Aussage, dass wir uns sicher wieder sehen, war unser letztes Gespräch zu Ende.
Seither warte ich wie ein Teenager darauf, wieder von ihr zu hören und werde mir meiner manchmal sehr negativen Eigenschaft bewusst, nicht einfach abwarten zu können, sondern immer selbst agieren zu wollen.

Wie soll ich das bisher Geschehene werten? Ich halte menschlich viel von ihr und bin mir sicher, dass sie bewusst keine Spielchen abzieht – andererseits ist der Wechsel zwischen Nähe suchen um doch wieder auf Distanz zu gehen und schließlich den Kontakt ganz zu unterbrechen, merkwürdig und -ehrlich gesagt- auch schmerzhaft.

Kann ich etwas unternehmen und wenn ja, was? Oder bin ich viel zu vernarrt, um nicht erkennen zu können, dass im Grund nichts erwidert wird?
Vielleicht sehen Sie klarer – vorab schon Mal vielen Dank,
Mark (39)

Lieber Mark,
dieses Mädel verhält sich tatsächlich wie jemand, der sich vor kurzem ganz schlimm die Finger verbrannt hat. Um bei dem Vergleich zu bleiben: sie schätzt Ihre wärmende Flamme, die tut ihr gut, aber sobald sie Ihnen zu nah kommt (bzw Sie ihr) und es zu heiß wird/ werden könnte, wird in ihr automatisch die Angst wach, die das kürzlich Erlebte hervorgerufen hat. Dann muss sie sich in einen Sicherheitsabstand zurückziehen.
Ich vermute, sie mag Sie sehr, sie fühlt sich zu Ihnen hingezogen, aber Sie preschen bei jedem Treffen einen Tick zu sehr vor und es wird ihr zu heiß. Aber ich bin mir auch sicher, dass sie sich bald melden wird.
Wenn Sie dieses Mädel halten wollen, müssen Sie unbedingt zurückschalten auf eine frühere Phase – nämlich die, wo Sie beide noch nicht körperlich waren – und ihr sagen, dass Sie zurückschalten. Versprechen Sie ihr dies und lassen Sie ihr alle Zeit, die sie braucht. Nur so haben Sie eine reelle Chance, dass aus euch irgendwann „mehr“ wird.
In der Praxis für Sie heißt dies: Keine Berührungen, keine Küsse – und zwar exakt so lange, bis das Mädel dies von selbst initiiert und dabei weich und offen ist, nicht angespannt und „zu“. Ferner keine Äußerungen, von denen sie sich bedrängt fühlen könnte (z.B. Ankündigungen späterer körperlicher Freuden, gemeinsame Urlaubspläne usw.).
Bitte lesen Sie dazu folgende Beiträge:
«Soll ich meine Liebe zu ihm/ ihr gestehen?»
«8 Anzeichen, dass sie auf mich steht»

Herzlichst
Beatrice Poschenrieder