Mein Freund will Familie mit mir, aber fragt mich nicht in wichtigen Entscheidungen

Liebe Beatrice,
mein Freund hat mir letztens eröffnet, dass er sich bei der Bundeswehr verpflichtet hat, ohne mich zu fragen, was ich davon halten würde. Nachdem ich ihn gefragt hab, warum, meinte er, “was soll ich denn sonst machen?”
Er hat zwar eine Lehre gemacht, sie auch beendet, aber er möchte halt nicht mehr in diesem Beruf arbeiten. Danach hat er eine Umschulung gemacht, die ihm aber nicht gefallen hat, und er hat sie mittendrin abgebrochen. Jetzt will er Mechatroniker werden, aber das Arbeitsamt übernimmt die Umschulung auf keinen Fall. Nun hat er rausgefunden, beim Bund hat er die Möglichkeit, seine Ausbildung zum Mechatroniker zu machen. Er hat sich jetzt zu 12 Jahren verpflichten lassen, obwohl ja 4 oder 8 Jahre auch gegangen wären, nein er nimmt den längsten Zeitraum. Das hab ich aber auch nur so in einem Gespräch mit seiner Mutter mitbekommen.
Wir sind seit einem Jahr zusammen und wohnen auch schon zusammen, ich finde, dass er darüber auch mal mit mir hätte reden sollen. Das Blöde ist, wir haben jetzt eine Wochenend-Beziehung, weil seine Ausbildungsstelle 450 km entfernt ist!
Ich meinerseits muss ehrlich sagen, dass ich oft rumnörgle, weil ich Angst vor der Zukunft habe. Ich bin nicht gerne alleine und das weiß er auch. Er tröstet mich immer damit, dass er, sobald wir ein Kind haben, sich nach XX versetzen lassen will und abends dann wie in einem normalen Beruf nach Hause kommt. Aber ich will kein Kind, bevor das nicht sicher ist, dass er wieder bei uns zu Hause ist. Ich will eine Familie mit einem Vater, der für unser Kind und mich da sein kann und nicht ab und zu mal am Wochenende vorbeikommt.
Ich weiß auch garnicht, ob ich das noch alles will. Ich muss immer daran denken, dass bei so einer langen Verpflichtung auch mit Sicherheit ein Auslandseinsatz für 6 Monate auch Pflicht sein wird. Bildet er sich denn wirklich ein, dass er mich einfach so für ein halbes Jahr hier ganz allein lassen kann?
Und was, wenn beim nächsten Regierungswechsel eine Partei an die Macht kommt, die für den Krieg ist, und er in den Krieg ziehen muss? Obwohl er mich damit tröstet, dass die Bundeswehr nur zu Verteidigungszwecken da ist. Ja noch, aber wenn sich das ändert?
Er tut meine Gedanken und Ängste immer nur mit einem Satz ab: “Man kann nicht alles haben”. Für ihn ist das alles schon beschlossene Sache und ich hab nur zuzustimmen und still zu nicken.
Ich hab das Gefühl, dass er am Wochenende ein schön gemachtes Heim haben will, aber unter der Woche doch bitte seine Ruhe. Manchmal zweifel ich daran, ob meine Liebe das aushält, ich hab Angst, dass meine Traurigkeit aus Schutz in Wut und Gleichgültigkeit umschlägt und meine Liebe zu ihm daran stirbt.
Lohnt es sich wirklich zu warten auf ihn? Bin ich zu egoistisch, wenn ich eine Wochenendbeziehung auf Dauer nicht akzeptieren möchte? Hab ich nicht das Recht darauf, auch ein wenig mitzuentscheiden? Schließlich geht es ja um UNSERE Zukunft? Meinst du, dass ihm sein Job, seine Aufgabe beim Bund wichtiger ist als meine Gefühle?
Liebe Grüße, Claire (23)

Er trifft große Entscheidungen alleine und meint, ich bin mit einem Baby zufrieden

Er meint, er kann machen, was er will, und ich sitz dann mit dem Baby allein da!

Liebe Claire,
auf der einen Seite bedeutet Liebe, die Entscheidungen des Partners zu akzeptieren. Auf der anderen bedeutet Liebe, den Partner in wichtige Entscheidungen, die diesen auch betreffen, miteinzubeziehen. Und davon scheint der deine nichts zu halten. Er will zwar eine Zukunft und eine Familie mit dir haben, aber offenbar soll alles nach seiner Nase laufen und er redet nicht mal mit dir drüber, welche berufliche Entscheidung er für seine nächsten 12 Jahre trifft…! Das ist, mit Verlaub, ganz schön unpartnerschaftlich!
Ich denke, du hast berechtigte Zweifel, ob es eine gute Idee ist, deine Zukunft auf so einen Mann zu bauen.
Okay, man könnte wiederum sagen: Wenn du ihn wirklich liebst, dann findest du einen Weg, dich mit seiner beruflichen Verpflichtung zu arrangieren. Aber du hast ganz bestimmte Vorstellungen und Wünsche, was deine zukünftige Familie betrifft, und die sind ja keineswegs abwegig. Es ist auch durchaus berechtigt, dass du sagst, eine Wochenendbeziehung ist nichts für dich. Auch deine Ängste in Bezug auf Auslandseinsatz und Einsatz im Krieg sind berechtigt.
Tja, und möglicherweise lassen sich deine Vorstellungen mit den seinen nicht auf einen Nenner bringen, mit dem beide glücklich sind. Ich habe das Gefühl, er speist dich mit billigen Phrasen ab, ohne sich wirklich mit deinen Befürchtungen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Kann es sein, dass er noch zu unreif für eine langfristige Beziehung mit Familienwunsch ist?
Aus diesem Grund rate ich dir, deine Babypläne noch ein großes Stück zu verschieben. Du bist noch so jung! Genieß das Leben und nimm dir Zeit, dir den Mann sehr genau anzuschauen, mit dem du so große und verantwortungsvolle Zukunftspläne hast. Ich finde auch, du solltest auf KEINEN Fall nur deswegen ein Baby bekommen, damit er wieder zurück in eure Stadt kommt. Das würde bedeuten, das Baby zu egistischen Zwecken zu missbrauchen. Du solltest erst dann ein Baby bekommen, wenn du absolut sicher bist, dass der Vater der Mann ist, mit dem du mindestens die nächsten 20 Jahre zusammen sein willst.
Außerdem solltest du nochmals versuchen, ob du ihn nicht doch beeinflussen kannst, was seine Verpflichtung betrifft. Zieh dich ein bisschen zurück und mach dein Glück nicht so arg von ihm abhängig.
Bitte lies dazu auch die Briefe unten bei “Verwandte Beiträge”!
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder