Meine Nichte kann nicht vom Liebhaber lassen, zerstört ihre Familie, was kann ich nur tun?

Guten Tag Frau Beatrice,
ich habe eine Nichte, 38 Jahre. Sie und ihr Mann haben sich in 14 Jahren was aufgebaut. Ein Haus, zwei Kinder, 13 und 9 Jahre. Zwei PKW. Die Eltern habe beide Arbeit. Der Mann ist schon seid 14 Monaten aus dem Haus ausgezogen, weil die Frau fremd geht. Ihre Eltern (68 und 75 Jahre) sind aus dem kleinen Ort weggezogen, weil sie die Schande nicht mehr ertragen konnten. Meine Nichte war vor ca. einem Jahr wegen Essstörungen in einer Klinik.
Alles gute Reden von mir hilft nicht mehr. Ich habe ihr mehrmals die Folgen erklärt, mit Scheidung, Hausverkauf, finanzieller Verlust wegen dem Haus. Der Mann kämpft um sie und der Liebhaber will sie auch nicht weglassen. Meine Nichte ist zu schwach, um sich von dem Liebhaber zu trennen. Mehrmals hat sie schon geäußert, „ich bring mich um, dann muss ich nicht mehr leiden“.
Der Sohn leidet schon jetzt, er hat Lernstörungen in der Schule, die Tochter hört schon nicht mehr auf die Mutter. Dieser Liebhaber zerstört meiner Nichte das Leben. Was soll ich jetzt noch unternehmen? Meine Frau und ich, wir leiden auch darunter. Bitte um eine Info.
Danke und LG, Wolfgang (65)

Lieber Wolfgang,
es nützt nichts, wenn Sie Ihrer Nichte (nennen wir sie N.) die Folgen erklären. Das weiß sie ja selber. Mit Vernunft können Sie ihr hier nicht kommen.
Eines, Wolfgang, sollten Sie erkennen und akzeptieren: Diese Ehe ist im Eimer – das war sie aller Wahrscheinlichkeit nach schon, bevor N fremdging. Und N liebt den Liebhaber nun mal, auch da können Sie nichts dran ändern.
Mir scheint, Sie wohnen in einem kleinen Ort, wo man noch drauf achtet, was die anderen von einem denken. Aber in den meisten Orten Deutschlands ist es ganz normal, dass eine Ehe, in der man sich nicht mehr liebt, auseinandergeht, und dass man unter Umständen zum Liebhaber wechselt – auch wenn dann Scheidung und Teilung des Besitzes anstehen. Sowas passiert täglich, es ist zwar kompliziert und mühsam, aber andere Leute kommen auch damit klar.
Und: es ist ehrlicher als eine Schein-Ehe aufrechtzuerhalten, denn auch das ist nicht gut für die Kinder – sie kriegen ja mit, dass die Eltern sich nicht lieben.

Was mich in Ihrer Geschichte eher stutzig macht, ist dieses hilflose Getue von N:
„Hach, ich bin so hilflos und zu schwach, um mich von meinem Liebhaber zu trennen…! Lieber bring ich mich um…!“
Da krieg ich das kalte Grausen. Diese Frau ist 38, nicht 15. Sie war nicht zu schwach, um fremdzugehen (dafür braucht es eine Menge Energie!), sie ist auch nicht zu schwach, am Liebhaber festzuhalten. Und offenbar wäre sie auch nicht zu schwach für Selbstmord. Wie kann man überhaupt davon reden, wenn man Kinder in dem Alter hat? Ehrlich, das finde ich unmöglich.
Es ist auch nicht der Liebhaber, der N. das Leben zerstört – das tut sie selbst. N. ist nicht das Opfer, sie ist genauso Täterin wie alle anderen.
Kümmert sie sich überhaupt drum, wie´s ihren Kindern geht? Oder ist sie vor allem mit ihren eigenen Wehwehchen beschäftigt?
Wenn sie wirklich das Verantwortungsgefühl hätte, was man als Mutter braucht, dann würde sie klare Verhältnisse schaffen, statt sich hinter Hilflosigkeit und Suiziddrohungen zu verstecken. Sie sollte
a) klar sagen, dass eine Trennung das Beste ist, oder
b) wenn sie noch eine Chance sieht, die Ehe zu retten, mit dem Mann zur Paarberatung gehen,
c) auf jeden Fall selbst in Therapie gehen, um eine stabilere Psyche zu bekommen, allein schon der Kinder zuliebe, und
d) sich vordergründig drum kümmern, dass es den Kindern gut geht und sie nicht so unter der Trennung bzw. den Komplikationen leiden.

Von daher mein Rat: Gestehen Sie N. den Liebhaber und die Trennung zu, aber lesen Sie ihr gehörig die Leviten, was diesen Selbstmord-Quatsch und die Kinder betrifft. Unterstützen Sie sie darin, klare Verhältnisse zu schaffen und sich um die Kinder zu kümmern.
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder