Wie soll ich meiner Mutter beibringen, dass ich (17) bald die Pille nehme?

Hallo Beatrice,
Ich hab seit einem guten Jahr eine Beziehung mit, wie ich es gerne ausdrücke, dem Mann meiner Träume! Wir reden viel, in letzter Zeit primär über Sex. Ich bin noch Jungfrau, doch soll sich das bald ändern. Habe mir letztens einen Termin beim Frauenarzt gemacht.
Ich habe ein relativ gutes, aber kein besonders tiefgründiges Verhältnis zu meinen Eltern. Zu meinem Vater so und so nicht. Wir sind wie Leute, die gern über Politik, Wissenschaft und solche Themen diskutieren… Und meine Mutter würde ich NIEMALS um Rat fragen, wenn es um Männer geht oder um meinen Freund, es hat sich zwischen uns einfach kein Vertrauensverhältnis in diesen Dingen entwickelt, ich wäre eigentlich auch gar nicht fähig gewesen, meinen Eltern zu stecken, dass ich jetzt einen Freund habe, die haben uns mal zufällig in der Stadt gesehen und mich dann darauf angesprochen, aber völlig neutral, sie waren weder schockiert noch begeistert, meine Mutter hat bloß geäußert, dass sie nicht möchte, dass meine Noten darunter leiden.
Mein Freund geht bei uns ein und aus, ich auch bei ihm. Ich schlafe auch öfter bei ihm, aber ich kann meinen Eltern nicht sagen, dass ich das tue, ich erzähle immer, dass ich bei einer Freundin übernachte oder so. Der Punkt ist, dass meine Eltern eher eine konservative Einstellung haben. Ich frage mich jedoch, ob meine Mutter gegen Sex vor der Ehe ist, bzw. wie sie das praktiziert hat, denn ich kann sie das einfach nicht fragen, das überschreitet quasi eine Grenze in unserem Verhältnis.
In knapp einem halben Jahr werde ich 18, ich möchte irgendwie, dass meine Mutter weiß, dass ich die Pille nehme. Auf der einen Seite finde ich zwar, dass es sie nichts angeht, auf der anderen Seite habe ich soviel Respekt vor ihr, dass ich ihr so etwas nicht verheimlichen möchte. Es gibt 1000 Möglichkeiten bzw. Orte, an denen ich die Pillenpackung aufheben kann, so dass sie niemand findet und ich heimlich mein eigenes Süppchen koche, doch es geht mir irgendwie gegen den Strich. Und wenn dann doch mal alle Stricke reißen, meine Mutter irgendeinen Anhaltspunkt findet oder so und sie mich fragt, will ich sie nicht belügen.
Ich habe mir vorgenommen, in dem Monat, den ich habe, bevor ich zur Frauenärztin gehe, um mir die Pille zu holen, meine Mutter irgendwie einzuweihen. Und jetzt frage ich dich, wie soll ich das am besten tun? Nehmen wir an ich sage: “Mama, du weißt, ich bin seit einem Jahr mit Daniel zusammen und ich bin fast erwachsen, ich würde gern zum Frauenarzt gehen und mir die Pille holen…”
Dann ist meines Erachtens die Katastrophe perfekt. Ich denke, ich habe ein Recht auf ein Sexualleben! Vielleicht ist dies mehr ein Privileg als ein Recht, aber es ist doch so gesehen eine eigene Entscheidung und eine wohlüberlegte doch wohl auch. Ich habe lange über dieses Thema nachgedacht, ich will mit Daniel schlafen, ich will auch alle Vorsichtsmaßnahmen treffen und eben die Pille nehmen, zusätzlich nehmen wir auch ein Gummi. Ich bin kein Mensch, der nach ein paar Beziehungstagen gleich mit jemandem in die Kiste springt, doch wie mache ich das meinen Eltern bzw. meiner Mutter klar? Ich will nicht mit dem Gedanken einschlafen, ihr die ganze Zeit etwas zu verheimlichen. Wie schaffe ich es, dass meine Eltern einsehen, dass es nichts Verpöntes ist, wenn ich bei meinem Freund penne?
Bitte hilf mir, ich weiß nicht so recht, was ich machen soll, das belastet mich eigentlich schon recht lange, ich denke schon soo lange darüber nach…
Ganz liebe Grüße, Kati (17)

Liebe Kati,
was für eine “Katastrophe” wäre denn dann perfekt? Dass sie mitkriegt, dass du ein ganz normales sexuelles Wesen bist? Höchstwahrscheinlich würde sie genauso “neutral” reagieren wie bei der Entdeckung, dass du einen Freund hast.
Lass mich dir meine Geschichte erzählen: Meine Mutter ist jetzt 75, also viel älter als deine und deshalb aus einer Generation, die dem Sex noch verklemmter und konservativer gegenüberstand als die Generation deiner Mutter. Meine Ma wuchs auf dem Lande in einer Einöde auf, sehr katholisch, sehr konservativ und sexualfeindlich. Trotzdem hat sie, als ich erst 15 (!!!) war, ganz freundlich reagiert, als ich meinen ersten Freund hatte und es ihr gestand. Sie war verständnisvoll. Und sie hat von sich aus angeboten, dass sie mit mir zum Frauenarzt geht, damit er mir die Pille verschreibt. Ich war ganz erschrocken über soviel Offenheit und sagte, „nein nein, wir haben es noch nicht getan und ich hab es auch nicht vor!“
Aber meine Mutter sagte, „sicher ist sicher“, und kurz vor meinem 16. Geburtstag sagte ich, ich wäre jetzt so weit, und dann fuhr sie einfach mit mir zum Arzt und danach zur Apotheke, um die Pille zu holen. Sie fand auch überhaupt nichts dabei, dass ich mit meinen grade mal 16 Jahren bei meinem Freund übernachtete, denn er hatte sich offiziell bei meiner Familie vorgestellt und sie hatten ihn für vertrauenswürdig befunden.
Was will ich dir damit sagen: Mütter sind viel toleranter, als wir oft denken. Du bist schon ein Stück älter als ich es damals war und deine Mutter ist aus einer offeneren Generation als meine Mutter es war – also ich denk nicht, dass du dir einen Kopf machen musst. Sag es ihr einfach, wie du es mir gesagt hast. Sie wird wissen, dass du verantwortungsvoll mit Sexualität umgehst (was ich übrigens ganz toll finde – ich als deine Mutter wäre stolz auf dich!).
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder