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Meine neue Freundin wurde schon nach zwei Monaten schwanger, seitdem ist es nur noch kompliziert

Steffen, 35

Hallo Beatrice,

seit etwa 15 Monaten kenne ich meine Freundin (34), die aus erster Ehe bereits ein Kind hat. Am Anfang war die Beziehung sehr schön und wir haben versucht viel miteinander zu unternehmen. Mit ihrer Tochter habe ich ein sehr gutes Verhältnis und ich sehe mich fast als 2. Papa. Am Anfang haben wir ausgemacht, wir lassen uns etwa ein bis 1,5 Jahre Zeit, uns richtig kennen zu lernen, danach ziehen wir eventuell zusammen, heiraten und überlegen, ob wir uns ein weiteres Kind wünschen. Bei beiden war der Kinderwunsch groß. Doch dann passierte das Malheur: sie wurde nach ca. 2 Monaten schwanger, obwohl der Frauenarzt immer wieder versichert hatte, ohne Hormonpräperate wäre dies gar nicht möglich. Die Pille verträgt sie leider nicht. So standen wir da und überlegten, was wir machen sollten. Schließlich haben wir uns dazu durchgerungen, das Kind zu bekommen. Ich verdiene zur Zeit circa 1600 und wohne im Haus meiner Eltern in einer eigenen Wohnung auf ca. 75qm. Sie bekommt von ihrem Ex noch Unterhalt und lebt in ihrer Wohnung circa 65qm. Für eine gemeinsame Wohnung reichte das Geld nicht und da sie nicht zu mir ziehen wollte, blieb eben jeder in seiner. Von Stund an hatte sie Angstzustände, ich könnte sie sitzen lassen und sie stünde dann mit 2 Kindern alleine da. Ich habe versucht mit ihr und dem Kind viel Zeit zu verbringen, um ihre Ängste abzubauen. Dies hat aber nur zeitweise geholfen und sie hat immer wieder Panikattacken bekommen. Ich bin beinahe zu jeder Vorsorgeuntersuchung mitgegangen und habe versucht ihr die schweren Einkäufe usw. abzunehmen.
Ab dem 7. Schwangerschaftsmonat hatte ich dann ein neues Projekt, das mich zeitlich sehr beansprucht und so sind die gemeinsamen Aktivitäten auf gemeinsames Fernsehschauen und ab und zu Spazierengehen zusammen geschrumpft. Seit dieser Zeit hat sich auch in unserer Beziehung viel Streit eingestellt. Vor allem über die Arbeit, da sie der Meinung ist, ich sollte lieber einer abhängigen Beschäftigung nachgehen und so für den Lebensunterhalt sorgen. Ich meinerseits möchte aber lieber mein eigener Herr sein, auch wenn ich vielleicht damit weniger verdiene. Außerdem ist ihr meine Beziehung zu meinen Eltern zu eng, sie wohnen im gleichen Haus wie ich und sind für mich neben meiner Freundin die engsten Bezugspersonen. Unser grösster Traum ist, zusammen in einem Eigenheim zu wohnen und unsere Kinder darin gross zu ziehen. Seit der Geburt unseres Sohnes bei der ich dabei war hat sie ihr EX doppelt vor Gericht gezerrt. Einmal verständlicherweise wegen des Unterhaltes und zum 2. wollte er das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die gemeinsame Tochter. Das Verhältnis der beiden ist schon seit Jahren sehr schlecht und die Kommunikation der beiden ist auf das Minimum beschränkt. Sogleich hat er behauptet sie würde ihre Tochter mißhandeln und nicht ausreichend mit Essen versorgen und andere nette Dinge. Sie war natürlich aus dem Häuschen und mit den Nerven runter. Ich habe ihr versucht immer wieder klar zu machen, daß sie sich keine Sorgen machen solle, sie habe sich absolut nichts vorzuwerfen und sei eine tolle Mutter. Was absolut stimmt, denn sie macht für ihre Kinder alles, manchmal fast zu viel, wo ich ihr sage sie muß bei dem einen oder anderen Punkt zurückstecken und sich selbst etwas gönnen. Ob nun Zeit oder finanziell. Seit der Geburt zahle ich auch einen Anteil am Unterhalt und versuche auch sie darüber hinaus mit kleineren Beträgen zu unterstützen (ist natürlich nicht mehr so viel da). Das gemeinsame Sorgerecht hat sie mir aufgrund der Erfahrungen mit ihrem EX verweigert. Ich selbst arbeite darauf hin, daß wir Anfang 2009 in mein Haus, welches zu Zeit vermietet ist, einziehen können. Dies ist ihr zu lange hin und zu ungewiß. Außerdem liegt es im gleichen Ort wie meine Eltern wohnen. Nun wirft sie mir ständig vor, ich würde ihr nicht ausreichend Rückhalt und Unterstützung bieten und sie vernachlässigen. Für unser gemeinsames Kind nehme ich die Arzttermine war und ich versuche auch sonst, wenn etwas ansteht (Anwalts- oder Gerichtstermine) auf ihn und die Tochter aufzupassen. Auch Abends versuche ich 1 bis 2mal die Woche bei ihr auf die Kinder aufzupassen, damit sie mal für 2 Stunden für sich selbst Zeit hat. Die gemeinsamen Aktivitäten bleiben leider auf der Strecke, außer wie gesagt, das Spazieren gehen. In den letzten Monaten bekommen wir uns ständig in die Haare und wir beide sind hart an unserer Belastungsgrenze. Ein paar Tage nach einem Unterhaltsgerichtstermin hat es dann gekracht. Es ging um meine Steuerunterlagen, die ich vorlegen sollte. Da ich sie selbst nicht mehr hatte, habe ich gesagt, ich müsse versuchen diese beim Finanzamt zu besorgen, ob dies klappt, wisse ich nicht. Daraufhin hat sie mir gesagt, sie hätte absolut kein Vertrauen mehr zu mir und hat mir dies auch nochmal auf den Anrufbeantworter gesprochen. Daraufhin habe ich aus Frust die Beziehung beendet, weil ich so nicht weiter konnte. Nach ein paar Tagen habe ich dann zugestimmt, es noch einmal zu versuchen, allerdings nicht mit den gleichen Abläufen wie vorher. Ich wollte, dass wir uns nicht so häufig sehen, nicht mehr bei ihr übernachten. Zunächst wolle ich ein paar schöne gemeinsame Dinge als Familie erleben, ohne Streit. Einige Wochen hat das auch gut geklappt und gerade als ich wieder Hoffnung für uns hatte, sind wir in den alten Trott und Vorwürfe verfallen. Mangelnde Unterstützung, Rückendeckung etc. Ich könne nicht über meinen eigenen Schatten springen. Ich wäre ein absolutes Sparbrötchen und hätte zu wenige Ansprüche ans Leben. Dazu ist noch zu sagen, daß ich wirklich mit relativ wenigem zufrieden bin. Ein Auto, das fährt reicht mir, auch wenn es eine alte Karre ist. Ich muß nicht gross Essen gehen oder sonstig groß ausgehen. Sie kann nicht verstehen, wie man studiert haben kann und nicht abhängig arbeiten geht, wo man gutes Geld verdienen könnte, sondern lieber selbständig ist und mehr arbeiten muß und weniger verdient.

Was kann ich tun, um die Beziehung zu retten (falls sie überhaupt zu retten ist)? Oder sind wir einfach zu verschieden?
Steffen





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Lieber Steffen,

ich höre jetzt zwar nur deine Seite, aber für mich ergibt sich ganz stark folgender Eindruck:
Du hast mir einen sehr langen Brief geschrieben über eure Probleme, deine Sorgen, ihre Ansprüche und was du alles tust für eure Beziehung, aber kein einziges Wort, was sie für dich oder eure Beziehung tut - oder überhaupt etwas Nettes, was sie tut. Bei ihr und auch in eurer Beziehung geht es die ganze Zeit nur um: IHRE Ängste, IHRE Hilfsbedürftigkeit, IHRE Probleme mit dem Exmann, IHRE Ansprüche, IHRE Wünsche, IHRE Erwartungen, ihren Unterhalt, ihr Wohlbefinden, ihr Sicherheitsdenken etc. Sie erwartet von dir das ganze Programm, was eigentlich ein Ehemann und Vater macht, aber sie gesteht dir nicht die gleichen Rechte zu, geschweige denn kümmert sie sich im Gegenzug auch mal um dich und deine Sorgen und dein Wohlbefinden. Stattdessen übt sie sogar Druck auf dich aus, dass du dich in ein abhängiges Angestellten-Verhältnis begeben sollst, nur damit sie finanziell besser versorgt wird.
Für mich klingt das absolut nicht nach einer Frau, die liebt, sondern nach einer, die sehr selbstbezogen ist.
Sie würde vermutlich argumentieren, dass sie das Beste für ihre Kinder will; nun: das eine ist nicht von dir, und das andere kriegt man auch so groß. Ich habe zwei Schwestern, die beide alleinerziehende Mütter sind; beide kriegen von den Vätern keinen einzigen Cent und null Unterstützung (also Betreuung etc), beide sind Akademikerinnen, beide verdienen nicht grade doll, weil sie wie du eher ihrer Neigung und Persönlichkeit folgen als dem Streben nach Karriere und Kohle (ich übrigens auch). Aber beide kommen gut zurecht und haben wunderbare Kinder.
Du schreibst über dich, "daß ich wirklich mit relativ wenigem zufrieden bin. Ein Auto, das fährt reicht mir, auch wenn es eine alte Karre ist. Ich muß nicht gross Essen gehen oder sonstig groß ausgehen. Sie kann nicht verstehen, wie man studiert haben kann und nicht abhängig arbeiten geht, wo man gutes Geld verdienen könnte, sondern lieber selbständig ist und mehr arbeiten muß und weniger verdient."
Meine Schwestern und ich ticken ganz anders als deine Freundin und genauso wie du, denn uns ist Freiheit, Athentizität und das Gefühl, Herr seiner selbst zu sein, viel wichtiger als materieller Wohlstand. Sie würden NIEMALS von einem Mann verlangen, seine Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit aufzugeben, weil sie wissen: Das gehört zu seiner Persönlichkeit und seiner Wesensart, genau diese Dinge machen ihn zufrieden, und als Angestellter wäre er einfach nur unglücklich. Aber deine Freundin macht sich nicht mal die Mühe, dich in dieser Wesensart zu erfassen und zu verstehen. Sie will dich in ein Schema pressen, damit es ihr selbst gut geht. Ob es dir dabei gut geht, interessiert sie nicht besonders, oder?
Soll das Liebe sein? Oder eine lebenswerte Beziehung?
Liebe und eine gute Beziehung sind getragen von gegenseitiger Unterstützung, Akzeptanz, Respekt und Bejahen des Partners. Seitens deiner Freundin ist davon herzlich wenig zu sehen, zumindest in deinem Brief.
(Ein etwas fieser Gedanke von mir am Rande: Möglicherweise war sie bei ihrem Exmann noch selbstbezogener als bei dir, da länger mit ihm zusammen und verheiratet - das würde erklären, dass er jetzt so böse ist. Die meisten Menschen sind ja nicht "aus Spaß" so böse und strengen sogar Prozesse an.)

Mein Rat: Nimm dir mal ein paar Stunden Zeit für dich allein, setz dich hin, überlege dir, was DU von einer Beziehung / deiner Partnerin erwartest und haben möchtest, schreib alles auf und ziehe Bilanz, was davon du tatsächlich von dieser Frau bekommen hast und wie hoch die Chancen sind, dass du es irgendwann regelmäßig bekommst. (Die ersten 2-3 Monate zählen nicht, die sind Ausnahmezustand).

Ich könnte dir jetzt noch lang und breit sagen, was du alles versuchen könntest, um das Ruder herumzureißen, wie du tatsächlich zu einer Entscheidung kommst und wie du es im Fall einer Trennung hinkriegst, dein Kind trotzdem zu sehen, aber das würde meine kleine Beratung übersteigen.
Denn im Prinzip hab ich all deine Themen bereits behandelt (sogar mehrfach) - bitte geh noch einmal ausgiebig stöbern, vor allem im Liebes-Briefarchiv unter den Rubriken "Liebe im Zwiespalt" und "Beziehnungsprobleme" und "Liebeskummer/ Trennung". In diese Rubriken musst du richtig reingehen und die Titel von oben bis ganz unten durchgehen und dann die Briefe lesen, die für dich interessant klingen.
Herzlichst
Beatrice

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1990