Ich bin schwanger – von einem One-Night-Stand!

Liebe Beatrice,
ich wende mich mit einem Problem an dich, was mich wirklich belastet und hoffe, du kannst mir einige Ratschläge zur Bewältigung dieses inneren Konflikts geben.
Ich bin 17 Jahre alt und gehe in die 11. Klasse. In gut anderthalb Jahren werde ich mein Abitur machen, und meine bisherigen Pläne sahen so aus, dass ich nach dem Abitur studieren möchte. Nun bin ich ungewollt schwanger geworden. Ich hatte einen One-night-stand mit einem guten Freund in alkoholisiertem Zustand. Eigentlich war ich mir sicher, lesbisch zu sein, doch dieses Erlebnis hat mich sehr verwirrt.
Die Tatsache, dass eine Schwangerschaft die Folge ist, belastet mich ja noch mehr und nun bin ich einer äußerst schwierigen Situation. Soll ich das Baby bekommen oder abtreiben? Ich habe Angst vor dem Gespräch mit meinen Eltern, da sie mich, wenn ich ihnen zwei Monate nach meinem Coming-out gestehe, dass ich ein Baby erwarte, für verrückt erklären und eventuell überreagieren könnten…
Danke im voraus
X (17)

Liebe X.,
oh je, du armes Mädchen… Da bist du ja in einer unglücklichen Situation.
Die große Frage ist jetzt, ob mit deinem Gewissen vereinbar ist, die Schwangerschaft abzubrechen. Denn falls du das Baby bekommst, würdest du dein Leben komplett umkrempeln müssen. Dazu kommt, dass du noch verdammt jung bist und der Vater nur ein One-Night-Stand war. Du wärst ein alleinerziehender Teenager ohne Abitur, ohne Ausbildung.

Geh in dich: Empfindest du das, was da in dir ist, als Kind, das du lieben könntest – oder als Belastung? Wirst du dich nach einem Abbruch wie eine Mörderin fühlen oder wirst du erleichtert sein? Geh ganz nach deinem eigenen Gefühl und möglichst nicht nach irgendwelchen Werten, die man dir von außen aufgepflanzt hat.

Auf jeden Fall solltest du deine Entscheidung nicht davon leiten lassen, was deine Eltern denken könnten!!! Und auch nicht ein Kind austragen, nur weil du Angst vor dem Abbruch hast (es ist nicht so schlimm, wie du denkst). Es geht einzig und allein um dein Leben, deine Zukunft. Was einen Abbruch betrifft, so glaube ich, dass du ihn auch ohne das Wissen deiner Eltern durchführen lassen könntest. Aber darüber rede mal lieber mit einer Fachfrau. Ich rate dir, im Internet oder Telefonbuch die Nummer der nächstgelegenen Familienberatung rauszusuchen, dir dort SO SCHNELL WIE MÖGLICH (!!!) einen Termin geben zu lassen und mit der Beraterin dort zu sprechen. Meiner Erfahrung nach wird sie keinerlei Druck auf dich ausüben, sondern dich in deiner Entscheidungsfindung unterstützen und dir alle Fragen beantworten, die du so hast. Sie kann dir auch Ärzte und Kliniken nennen, wo du hingehen kannst. Sei ganz offen mit ihr, sag ihr auch, wie das mit dem Vater ist. Sie wird dich nicht verurteilen, und sie unterliegt der Schweigepflicht.
Zum Beispiel “Pro Familia”: Filialen in deiner Nähe kannst du hier erfahren:
https://profamilia.sextra.de/pages/sextra/beratung/beratungsstellen-vor-ort/

Wenn du zu deinem One-Nighter noch ein gutes Verhältnis hast, so könntest du dir überlegen, ob du ihn einweihst. Schließlich ist er für die Schwangerschaft genauso verantwortlich wie du. Es ist gut, jemanden zu haben, mit dem man über diese beängstigende Sache reden kann und der dich dann auch auf deinen Gängen begleitet – zu Pro Familia, zum Arzt usw. Außerdem sollte er mindestens die Hälfte bezahlen, falls du dich zum Abbruch entscheidest. Aber vielleicht möchtest du das Baby ja lieber zur Welt bringen… ich will dich da nicht zu sehr beeinflussen.

Außerdem solltest du dir nochmal überlegen, ob du nicht doch mit deinen Eltern (oder einem Teil davon) redest. Kommt drauf an, ob sie im Allgemeinen “in Ordnung” sind. Eltern sind meist viel liberaler, als wir denken. Sie müssten eigentlich Verständnis haben, dass du dir mit deinen 17 Jahren in deiner sexuellen Orientierung noch nicht so sicher bist. Klar werden sie erst mal doof reagieren, aber das legt sich meistens ganz schnell und weicht der üblichen elterlichen Sorge und Fürsorge. Wenn du allerdings überzeugt bist, dass sie dich zu einem Entschluss drängen könnten, der dir widerstrebt, dann lass es vielleicht lieber.
Ich wünsch dir von Herzen alles Gute,
Beatrice Poschenrieder