Mein Ex missbrauchte mich, ich zündete seine Wohnung an, habe Angst!

Liebe Beatrice,
ich war vor 2-3 Jahren mit meinem ersten Freund zusammen, da war ich 17. Er war eigentlich nicht mein Typ, aber alle hatten einen Freund, nur ich nicht, und meine Ma sagte, “Wenn Du nicht aufhörst dir das Essen auszukotzen, schmeiß ich dich raus.” Sprich, ich hatte Bulimie. Diese Aussage nahm ich ernst. Er wusste davon und sagte: “Du kannst bei mir wohnen, ich schmeiß dich nicht raus.”
Und darum ging es zum großen Teil: ein Dach über dem Kopf haben, einen Vaterersatz/ Bruder (da Eltern von mir geschieden und mein Vater sich nicht für mich interessierte), als Mensch so geliebt werden wie ich bin und eine heile Familie haben.
Als ich dann bei ihm lebte, hat er mich zum Sex gezwungen und hat nicht aufgehört, als ich nein sagte, und hat mich verbal manipuliert, u.a. dass er mich sonst verlässt, und das ging ja nicht. Ich war psychisch so kaputt und hasste mich selbst, dass ich dachte: “Wer hässlich aussieht, kriegt keinen Besseren – du musst das Beste draus machen”.
Jedes Mal beim Sex dachte ich: “Hoffentlich ist es bald vorbei.”
Er sagte: “Alle Männer machen das so wie ich. Das ist ganz normal, dass die kein Vorspiel machen. Das ist langweilig.”
Eine Freundin sagte mir damals auch, es wäre normal, dass Männer sich beim Sex nicht kontrollieren können. Ich glaubte beiden und dachte, ich wäre das Problem, weil es mir nicht gefiel und ich nicht mit ihm Sex haben wollte. Ich dachte, ich wäre nicht normal. Ich verstand es nicht. Für mich war das im Bett ja normal, kannte es nicht anders. Hatte keine jegliche sexuelle Erfahrung, die mich hätte schützen können.
Er sagte damals, er wäre wegen Vergewaltigung auf Bewährung, aber das Mädchen hätte jeden ihrer Ex-Freunde angezeigt wegen Vergewaltigung. Ich glaubte ihm das, es machten doch schließlich alle Männer so wie er.
Ich dachte, ich kriege eh keinen anderen. Auch er trichterte mir ein, “Ich bin der Beste, der dir passieren kann, einen Besseren wirst Du nicht finden”.
Also bemühte ich mich sehr um die Beziehung, gab ihm Geld, wenn er keines mehr hatte, machte den Haushalt, einkaufen, kochen für ihn, Geschenke etc..
Das klingt dumm, oder?
Ich wusste, dass er mir nicht gut tat; wir stritten uns sehr oft und ich hatte fast jeden Tag einen Nervenzusammenbruch, aber ich konnte mich auch nicht trennen und ich wollte auch nicht so lange bei meiner Mutter bleiben; länger als 3, 4 Stunden hielt ich bei ihr nicht aus, sie und ich stritten uns auch immer, noch lautstärker als mit ihm. Er beleidigte mich auch oft und machte sich über mich lustig, auch in Gegenwart von anderen.
Ich gab dennoch immer mehr von meiner Kraft in der Hoffnung, er würde sich irgendwann für mich ändern, weil er mir das am Anfang versprochen hatte. Er sagte immer, “Ich kann der, die mich angezeigt hat, nicht verzeihen, deshalb behandle ich dich so. Wenn du lange genug wartest, wird das anders.”

Ich stellte ihm zum Valentinstag in der ganzen Wohnung Teelichter auf, das sollte eine Überraschung sein, wenn er nach Hause kommt. Ich war dann noch einkaufen für ein schönes Abendessen. Er sollte 10 min später eh heimkommen, er war immer pünktlich, aber genau an dem Tag nicht.
Als ich zurückkam, war die Feuerwehr da und er stand vor dem Haus. Die Wohnung war nicht zu retten, fast alles abgebrannt. Ich hatte zig Nervenzusammenbrüche vor der Polizei und weinte und konnte nicht mehr aufhören. In Abwesenheit von den Polizisten sagte er, “Wenn die Polizei nicht hier wäre, hätte ich dich zusammengeschlagen”. Ich weinte und entschuldigte mich und sagte ihm immer wieder, dass ich das nicht wollte…
Ich musste wegen fahrlässiger Brandstiftung einen Aufsatz schreiben (Einstellung unter Auflagen). Zwei Monate nach dem Vorfall schaffte ich es mich zu trennen. Wir waren ungefähr 8 Monate zusammen.

Irgendwann habe ich gegen ihn eine Anzeige wegen sexueller Nötigung gemacht, der Staatsanwalt änderte es in Vergewaltigung um, erst jetzt weiß ich also, dass es eine war. Ich habe solche Angst vor ihm. Er drohte mir, “Irgendwann fick ich dich kaputt”, das war zwei Jahre, nachdem wir getrennt waren. In diesen zwei Jahren belästigte er mich per Telefon jede Woche, ich solle doch zurückkommen. Er werde so lange warten.

Ich habe seitdem sexuelle Probleme u.a., mache mir Vorwürfe und habe Schuldgefühle, denke an Selbstmord…

Die Verhandlung ist in einem Monat. Habe Angst, dass die denken, ich hätte das mit der Wohnung absichtlich gemacht, weil ich wegen der Vergewaltigung ein Motiv hatte.

Brauche Hilfe und Zuspruch, dass ich mir nicht solche Gedanken mache und nicht solche Angst haben muss.
Ich meine, klingt das alles verständlich, warum ich mit ihm zusammen war und warum das alles passiert ist und warum ich bei ihm bleiben musste…

Habe vor einer Woche erfahren, dass er nicht wegen Vergewaltigung angezeigt war damals, sondern wegen Kindesmissbrauch, und ein weiteres Opfer, bei der er das versucht hat, bezeugt das für mich.
Bitte schreib mir!
Amelie (21)

Seine Wohnung brannte lichterloh, und es war meine Schuld!


Liebe Amelie,
das tut mir sehr leid für dich, wie das alles passiert ist, und ich denke, dich trifft wenig Schuld. So ein Mist, dass du auf einen Kerl getroffen bist, der so asozial und gewalttätig ist.
Ich kann dir leider nicht direkt helfen, ich kann dir nur Mut machen, dich an eine Beratungsstelle für missbrauchte Frauen zu wenden. Solche Stellen gibt es sehr viele in Deutschland, und sie beraten auch telefonisch, falls du nicht selber hingehen willst (kostenlos und anonym).
Wende dich möglichst bald an so eine Stelle! Nützliche Adressen und Telefonnummern findest du u.a. in diesem Brief:
Meine Liebste wurde vergewaltigt – daher so verkrampft im Bett?

Und bitte schau dir alle Briefe an, die ich dir unten bei “Verwandte Beiträge” eingefügt habe.

Hab keine Angst vor der Verhandlung. Du stehst nicht auf der Anklagebank, sondern dieser Typ, oder? Weil du ihn angezeigt hast. Deine Verhandlung wegen des Brandes ist doch längst gegessen. Du bist die Klägerin, und es gibt Zeugen, dass er nicht nur dich missbraucht hat, sondern auch andere. Vielleicht kannst du auch noch andere Zeugen finden, die bestätigen, dass er sich auch in anderer Hinsicht schlecht benommen hat (z.B. dich nach der Trennung bedroht hat – das nennt man “Stalking”). Finde diese Zeugen so bald wie möglich.

Ich will dir außerdem raten, dass du alles, was du mir geschrieben hast, nochmal aufschreibst, nur noch ausführlicher. Versuch dich so gut es geht zu erinnern und nimm dieses Dokument dann zur Verhandlung mit oder gib es deinem Anwalt (falls du einen hast).
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder