Frag Beatrice

Seit wir eine Fernbeziehung haben, werde ich nicht mehr feucht

Liebe Beatrice!
Ich habe seit 2 Jahren einen sehr lieben Freund, mit dem es eigentlich auch im Bett gut klappt. Er geht sehr zärtlich auf mich ein, weiß, was mir gefällt, usw.. Das Problem ist aber, dass ich seit ca. 1 oder 2 Monaten einfach nicht mehr feucht werde und wir somit immer Gleitgel verwenden müssen.
Seit einem halben Jahr wohnen wir aufgrund unserer Studienwahl 600 km auseinander, sehen uns leider nur noch jedes 2. Wochenende und haben somit auch nur alle 2 Wochen Sex. Ich selbst hab schon überlegt, ob es daran liegen kann, dass mir einfach dieser 2-Wochenrhythmus schwerfällt. 11 Tage lang läuft nichts und 3 Tage lang soll ich am besten täglich 2 bis 3 mal Lust haben, da die Zeit natürlich auch „sinnvoll“ genutzt werden soll. Aber so auf Knopfdruck geht das bei mir nicht. Auch wenn die Lösung mit dem Gleitgel recht einfach ist, will ich eingentlich nicht, dass dies zur Gewohnheit wird, da es einfach nervig ist und er sich (denke ich) auch langsam anfängt zu fragen, ob ich ihn noch liebe und attraktiv finde. Beides ist aber 100prozentig der Fall!
Was vielleicht noch ein Punkt sein könnte, ist, dass ich ziemlich eifersüchtig bin und jede andere Frau als Konkurrenz sehe. Seit ich einmal betrogen worden bin, habe ich wahnsinnige Angst, dass ich wieder so enttäuscht werde. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass mich mein jetziger Freund nie betrügen würde, doch die Kopf-Gedanken sind manchmal stärker als das Bauchgefühl. Kann es sein, dass mir das unbewusst ständig im Kopf rumkreist und meine Lust somit beeinträchtigt?
Er macht mir keinen Stress, wenn ich mal nicht will, akzeptiert es ohne zu meckern, doch es geht ja auch darum, dass ich mal wieder so richtig Lust haben will und dieses Kribbeln spüren will…
Danke für die Antwort, Nicky (25)

„weiblicher

Liebe Nicky,
ich hätte noch ein paar Rückfragen:
1) Wie verhütet ihr?
2) Nimmst du die Pille? Wenn ja, seit wann?
3) Gab es vor etwa zwei Monaten irgendeine Veränderung oder ein Ereignis, das vielleicht zum Eintritt deiner Scheidentrockenheit beigetragen hat?
4) Wie könnte deine Angst, nochmals betrogen zu werden, mit der Scheidentrockenheit zusammenhängen?
5) Was „bewirkt“ die Scheidentrockenheit? Bitte alles nennen, was dir einfällt ­ auf seelischer, beziehungstechnischer, sexueller, körperlicher Ebene usw.
6) Leitet dein Freund jetzt immer den Sex ein? Wenn ja: Wünschst du dir, dass er´s mal nicht täte?
7) Möchtest du weniger Sex? Und dafür evtl. von etwas anderem mehr?
8) Habt ihr das Gleitgel schon mal weggelassen? Wenn ja, was war dann und wie empfandest du es? Wenn nein, was wäre dann?
Herzlichst, Beatrice

Hi Beatrice!
1) Ich nehme die Pille.
2) Ich habe mit 15 angefangen die Pille zu nehmen, habe sie allerdings mal ein halbes Jahr abgesetzt weil ich da solo war.
3) Vor ca. 2 Monaten hat das Studium angefangen. Das ist das einzige Ereignis, das mir einfällt. Wir haben davor beide in einer Stadt gelebt. Er ist zum Studieren nach X (alleine) und ich mit meinen Eltern nach Y. Allerdings bin ich hier nicht gerade glücklich. Ich habe im Moment noch wenig Freunde, wohne jetzt anstatt in der Stadt in einem Dorf. Es gibt Momente, in denen ich meinen alten Zeiten ziemlich nachtrauere: Als ich noch viele Leute um mich hatte, die ich sehr gut kannte, viele Freundinnen hatte, am Wochenende oft mit ihnen in die Disco ging und dort sehr viel Spaß hatte, mein Freund noch jeden Abend zu mir kommen konnte, wir uns unter der Woche fast jeden Tag gesehen haben,….
4) Vielleicht habe ich gerade jetzt, wo er eben so weit von mir wegwohnt, besonders Angst, dass er mich betrügt, weil ich es ja nie rauskriegen würde. Ich kann ihn ja nicht kontrollieren. Unter der Woche kann er da ja machen, was er will, ohne dass ich es mitkriegen würde. Und vielleicht geistert mir das die ganze Zeit im Kopf herum, so dass ich mich dann beim Sex nun nicht mehr richtig fallen lassen kann??
5) Ziemlich schwere Frage. Beziehungstechnisch meine ich, dass zur Zeit irgendwas nicht stimmt, sonst würd´s ja klappen. Auf sexueller Ebene wirkt sich das Ganze natürlich ziemlich negativ aus. Die Lust ist da, man küsst sich, zieht sich aus usw., dann langt man hin und es ist nix da. Das ist halt ziemlich enttäuschend, teilweise ist dann die Lust plötzlich weg, oder ich konzentriere mich krampfhaft darauf, dass es doch noch irgendwie klappt, setze mich selbst unter Druck… Aber so richtig genießen kann man dabei dann natürlich nicht. Das einzige, was ich dabei wirklich verspüre, ist Enttäuschung, dass ich nicht kann, und mir tut es leid, dass ich meinen Freund enttäusche.
6) Wenn wir uns wieder 2 Wochen lang nicht gesehen haben, möchte er natürlich am ersten Abend unseres Wiedersehens besonders gern Sex. Und meistens ist das bei mir auch so. Ansonsten leitet er schon oft ein, aber er akzeptiert es dann auch, wenn ich sage „jetzt nicht“. Ja, ich würde mir manchmal wünschen, dass er´s nicht täte und darauf wartet, bis ich die Initiative ergreife.
7) Ob ich weniger Sex will, hm… Dadurch dass wir uns ja so selten sehen und im Moment ja grad auch nicht gerade viel Sex haben… Was mir eigentlich viel wichtiger als Sex ist, ist kuscheln und schmusen, dass ich mich wohl und geborgen fühle. Aber von dem gibt er mir eigentlich auch mehr als genug. Denn er vermisst mich ja auch und „klebt“ dann fast das ganze Wochenende an mir. Von was ich allerdings gern ein bisschen mehr hätte, ist Abwechslung. Denn wenn ich bei ihm bin, sitzen wir eigentlich fast von Freitag bis Sonntag nur in seinem 1-Zimmer-Appartment rum, weil wir beide immer ziemlich viel zu lernen haben. Er hat da anscheinend auch noch nicht Leute kennengelernt, mit denen man mal was unternehmen kann. Und der wichtigste Punkt ist, dass fast unser gesamtes Geld, das uns im Monat zur Verfügung steht, für die Fahrten draufgeht, damit wir uns überhaupt sehen können. Ein ziemlicher Teufelskreis.
8) Also ab und zu, v.a. am ersten Abend, kommt wenigstens ein bisschen Scheidenfeuchte, d.h. das Einführen klappt, aber nicht wirklich ohne Probleme. Dann ist mit Gleitgel natürlich wesentlich angenehmer.
Allerdings muss ich meine Antworten in einem Punkt noch berichtigen und hoffe, dass das Problem dadurch nicht zu komplex wird:
Ich habe geschrieben, dass ich meinen Freund 100% liebe und attraktiv finde. Im Grund genommen stimmt das schon, trotzdem streiten wir zur Zeit ziemlich viel über sämtliche Kleinigkeiten:
a) Wegen meiner Eifersucht (wenn ich z.B. dauernd frage, was er gemacht hat).
b) Wegen seiner übergroßen sozialen Ader. Da er aus einer Großfamilie kommt, ist er es natürlich gewohnt, überall wo es benötigt wird mit anzupacken. Und wenn ich als Einzelkind dann nicht die Streicheleinheiten bekomme, die ich gewohnt bin, weil er noch dem was vorbeibringen muss, seiner Oma beim Einkaufen helfen muss, etc., gibt´s natürlich auch Zank. Mir geht es echt auf den Wecker, dass er nicht mal nein sagen kann. Das traut er sich einfach nicht.
c) Wegen seiner großen Kontaktfreudigkeit. Ich habe oben geschrieben, dass er nicht die Leute kennengelernt hat, mit denen man mal was unternehmen kann, aber trotzdem eben einige Studienkollegen, die dann eben auch ab und zu bei ihm vorbeischauen. Und wenn ich dann am Abend anrufe und mit ihm in Ruhe quatschen will, kann es schon mal vorkommen, dass grad jemand da ist und er mich „abwimmelt“ und wir z.B. deswegen streiten. Doch zu meinen Lasten muss ich zugeben, dass ich darauf ziemlich eifersüchtig bin, weil ich halt hier in meinem Dorf versauere. Ich habe ein bisschen rumgeblättert hier in der Liebesberatung. Eine Frau hat geschrieben, dass ihr Freund ihr ständig auf die Nerven geht. Genauso ist das bei mir auch grade. Ich vermisse ihn zwar und freu mich, wenn er kommt, aber wenn er dann da ist, geht er mir meistens ziemlich auf die Nerven. Wir machen ja nichts Besonderes mehr zusammen. Zumindest im Moment nicht. Dieses Wochenende kommt er am Freitag zu mir. Ich habe ihm vorgeschlagen, am Samstag zum Snowboarden zu gehen, aber er hat abgelehnt, weil er lernen will. Dafür hat er aber die Zeit, heute am Donnerstag, von Süddeutschland (da wohnt sein Onkel) eine Waschmaschine nach Hamburg zu transportieren, weil die von denen zuhause grad kaputt ist und der Onkel eine gebrauchte übrig hatte. Schon gemein, oder? Und das Geld fehlt natürlich…
Liebe Grüße, Nicky

Liebe Nicky,
deine Antwort auf Frage 5 ist sehr bezeichnend und bestätigt auch meine Vermutungen.
„Beziehungstechnisch meine ich, dass zur Zeit irgendwas nicht stimmt, sonst würd´s ja klappen… Auf sexueller Ebene wirkt sich das Ganze natürlich ziemlich negativ aus. … teilweise ist dann die Lust plötzlich weg, oder ich … setze mich selbst unter Druck…
Das einzige, was ich dabei wirklich verspüre, ist Enttäuschung, dass ich nicht kann …“

Auf körperlicher Ebene drückt sich zur Zeit aus, was bei dir in der seelischen Ebene nicht stimmt. Die Scheidentrockenheit bewirkt: Erstens, dass er dir nicht mehr so nah kommen kann (dazu passt auch, dass er dir zur Zeit oft auf die Nerven geht). Zweitens, dass er vielleicht auch mal auf die Idee kommt, dass da was nicht stimmt und er sich mehr um dich kümmern muss. Drittens, du redest von Enttäuschung über dich selbst, aber ist es nicht auch eine Enttäuschung über eure Beziehung? Oder gar deine indirekte „Strafe für ihn, dass er dich teilweise enttäuscht? Viertens drückt es möglicherweise aus: Mal sehen, ob du mich trotzdem noch liebst und bei mir bleibst, auch wenn ich nicht mehr so oft mit dir schlafe ­- oder geht´s dir vor allem um Sex und du wirst mich bald mit einer anderen betrügen?
All diesen Dingen musst du dich stellen. Und mit ihm drüber reden.
Sex und Lust „auf Knopfdruck“, was du im ersten Brief erwähntest, sind ja schon Grund genug, dass der Körper manchmal streikt, aber bei dir / euch kommen ja noch eine ganze Menge andere Dinge dazu.
Die direkteste Lösung wäre natürlich, dass ihr einen Weg findet, wieder zusammen zu wohnen (oder zumindest in einem Ort). Denkt da mal alle Lösungsoptionen durch.
Falls es sich partout nicht machen lässt, musst du mit ihm ein ernsthaftes langes ausführliches Gespräch führen, nämlich darüber, dass eure Beziehung in Gefahr ist und dass ein paar Dinge anders werden müssen. Zum Beispiel mehr gemeinsame Unternehmungen. Dafür muss man schon die Zeit aufbringen, wenn man sich ohnehin nur jedes zweite Wochenende sieht! Du bist zu Recht sauer, wenn er wegen einer gebrauchten Waschmaschine quer durch Deutschland und wieder zurück fährt, obwohl man für das Benzingeld in Hamburg ebenso eine gebrauchte bekäme und er die zwei Fahrttage auch dem Lernen widmen könnte, um mit dir zusammen mal was zu unternehmen!
Und was das Geld betrifft: es gibt ja auch vieles, was nichts oder wenig kostet. Macht mal ein Brainstorming und stellt eine Liste von Aktivitäten zusammen.

Nochmal zum Sex: Immer Gleitgel nehmen ist Quatsch, vor allem in deinem Alter und da du vorher in dieser Hinsicht ja keine Probleme hattest. Die Trockenheit ist ein psychosomatisches Zeichen, das ihr ernst nehmen und an die Ursache gehen müsst, statt die Symptome zu bekämpfen. Alle Ursachen für Scheidentrockenheit und die Lösungswege findest du in meinem Buch «Stöhnst du noch oder kommst du schon?: Der sichere Weg zum Orgasmus».
Du schreibst u.a.:
„ich würde mir manchmal wünschen, dass er´s nicht täte, und darauf wartet, bis ich die Initiative ergreife“.
Sag ihm das. Und dann vereinbart ihr ab und zu einen Tag oder ein Wochenende, wo er das wirklich abwarten soll. Und auch nicht enttäuscht sein soll, wenn dann nichts von dir kommt.
Außerdem möchte ich euch folgendes raten: Vereinbart miteinander, am nächsten gemeinsamen Wochenende keinen Sex zu haben ­- also keinen Verkehr! Alles andere ist erlaubt. Oder auch, falls dir dir Variante besser gefällt: schmusen, küssen, streicheln erlaubt, aber nichts Sexuelles. Probiert das mal aus und schaut, was passiert und wie ihr euch damit fühlt.
Ihr könntet zudem abmachen, dass ihr euch abwechselt in der Planung und Gestaltung eurer gemeinsamen Zeit. Einmal bist du dran, einmal er. Und der andere soll dann auch wirklich mitspielen. Probiert es einfach mal aus, zieht es ein paar Wochenenden durch.

Ferner möchte ich dir noch ein paar Briefe ans Herz legen -­ bitte lesen:
* Wie bringen wir wieder Spannung in unser Liebesleben?

* Über Sex reden: Wie soll ich meine sexuellen Bedürfnisse ausdrücken?

* Sie wird nicht mehr feucht, liebt sie mich nicht mehr?

* Ich bin zu eifersüchtig und habe zu hohe Erwartungen

* Wie kann unsere Fernbeziehung klappen?

* Mein Freund zeigt immer weniger Initiative, liebt er mich nicht mehr?

Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

Seit wir eine Fernbeziehung haben, werde ich nicht mehr feucht
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