Hängen meine Scheidenschmerzen mit den Problemen mit meinem Vater zusammen?

Liebe Beatrice,
Ich hatte früher schon mal Schmerzen beim Sex, meine Frauenärztin fand aber keine “äußeren” Auslöser. Mit der Zeit (mehrere Monate) wurden sie dann aber auch weniger und verschwanden eigentlich ganz. Und jetzt das eigentliche Problem: mein Vater ist psychisch krank, und zwar manisch-depressiv. Da er selber Arzt und relativ intelligent und schlau ist, dauerte es eine ganze Weile, bis er in die Psychiatrie eingewiesen wurde. In der Zeit litt ich und der Rest meiner Familie sehr unter meinem Vater, da er uns fast schon tyrannisierte, indem er Dinge versteckte, uns ausspionierte,…. Es war wirklich eine schreckliche Zeit und ich will, auch wenn er “nur” krank ist, nichts mehr von ihm wissen.
Es ist jetzt drei Monate her, seit er in der Klinik ist. Seitdem kann ich nicht mehr mit meinem Freund schlafen. Wir haben eine sehr gute Beziehung (3 Jahre) und er drängt mich auch zu nichts und versteht meine Lage, aber ich möchte trotzdem wieder unbeschwerten Sex haben. Wir haben es seitdem noch zweimal versucht, aber ich hatte Schmerzen und meine Scheide war sehr eng, wie wenn ich mich verkrampfen würde. Mit Petting habe ich keine Probleme, und wenn mich mein Freund oral befriedigt, habe ich auch immer schöne Orgasmen, nur das mit dem Verkehr klappt nicht (mehr). Kannst du mir vielleicht ein paar Tipps geben?
Vielen Dank, Anna (18)

Liebe Anna,
es weist ja einiges darauf hin, dass deine Schmerzen beim Verkehr seelisch bedingt sind. Sie können mit deinem Vater zusammenhängen, müssen aber nicht – normalerweise würde ich eher auf einen unterschwelligen Konflikt tippen, den du mit deinem Freund oder deiner Beziehung hast. Vielleicht hat sich dein Vaterproblem auf deine Beziehung negativ ausgewirkt? Oder möchtest du derzeit mit keinem Mann mehr “eng verbunden” sein?
Aber es hilft nicht viel, wenn ich dir jetzt ein paar Tipps gebe, denn die wären nur so eine Art “Oberflächen-Kosmetik”. Und das hieße, nur an den Symptomen herumzudoktorn statt an den tieferen Ursachen. Letztere kann ich aber nicht beheben, da musst du selbst aktiv werden, indem du dich mal intensiv mit einer Psychotherapeutin unterhältst, die auf Sexualprobleme spezialisiert ist. Viele bieten ein kostenloses oder kostengünstiges Erstgespräch an. Möglicherweise kann dir deine Frauenärztin auch jemanden empfehlen und dir eine Überweisung für die Krankenkasse ausstellen. Probier es einfach mal aus, es kann dir ja nicht schaden, nur helfen. Aber du musst dich mit der Therapeutin auch wohl fühlen, also scheu dich nicht, ein paar verschiedene anzutesten.
Hast du übrigens schon auf meinen Seiten alle Briefe zum Thema Scheidenschmerzen gelesen? (im «Sex-FAQ» und in der Rubrik «Scheide, Kitzler & Co»). Wenn nein, dann hol das bitte nach. Vielleicht findest du dort auch noch ein paar Hinweise. Denn meistens ist es nicht nur eine Ursache, sondern mehrere.
Gute Besserung
Beatrice Poschenrieder