Über Sex reden: Wie soll ich meine sexuellen Bedürfnisse ausdrücken?

Frage:
Mein/e Partner/in und ich haben zwar ein Sexualleben, auch insgesamt kann ich mich über die Beziehung nicht beklagen, doch wir reden nie über Sex. Wir sagen einander weder, was wir wollen, noch was wir nicht wollen oder nicht so mögen. Die Hemmschwelle ist auf beiden Seiten sehr hoch. Hast du Tipps, wie wir besser über Sex reden können?

Sexuelle Wünsche äußern, Bedürfnisse ausdrücken, wie geht das?

Wie können wir so über Sex reden, dass es bei uns im Bett besser wird?

Antwort:
Als erstes musst du dich überwinden, ein Gespräch darüber zu führen. Und zwar möglichst nicht in einer Situation, wenn ihr grade Sex habt oder kurz davor seid. Eher nach einem guten Akt oder noch besser in einer neutralen Situation, wenn ihr euch grade gut versteht und miteinander wohl fühlt.
Fang damit an, zu äußern, dass du es schön fändest, wenn ihr mehr über Sex reden könntet. Begründe es, warum (z.B. dass man sich dann besser drüber austauschen könnte, was einem gefällt), und frag deinen Partner, warum er/sie so selten drüber redet. Frag ihn/sie, ob damit irgendwelche versteckten Ängste verbunden sind.
Überleg dir vorher genau, warum du selber nicht über Sex redest und welche Befürchtungen dahinter stecken.
Vielleicht fehlt es euch beiden auch einfach an den richtigen Worten – ihr habt nie gelernt, über Sex zu reden, fühlt euch darin unbeholfen, befürchtet, euch in Ton oder Inhalt zu vergreifen. Da muss man einfach mal anfangen – kann man ja vorsichtig machen. Gib dir einen Ruck! Hier sind meine Tipps:

1) Etliches kannst du ja auch wortlos mitteilen! Indem du seine/ihre Hand oder seinen/ihren Körper führst. Und verzag nicht, wenn´s nicht klappt. Viele Leute sind halt ein wenig begriffstutzig. Versuch´s nochmal mit deutlicheren Gesten, oder rede dann doch. Zum Beispiel: “Weißt du, worauf ich Lust hätte?”, “Ich hab es gern, wenn du…”, “Könnten wir mal folgendes ausprobieren: …?”

2) Unerwünschte Aktionen haust du ihm/ ihr nicht wie nasse Waschlappen um die Ohren (“nicht so doll!”, “das mag ich nicht!!”), sondern diplomatisch (“sanfter bitte”, “das da fühlt sich angenehmer an”). Erwähne weniger, was er/ sie abstellen soll, als wie du´s lieber hättest. Also nicht: “Du machst immer so schnell”, sondern: “Ich mag es total, wenn du ganz langsam machst.” Umkleide es mit netten Dingen wie: “Es ist schön mit dir. Wenn du´s noch schöner machen willst, dann…”.

3) Akzeptiere auch mal einen Korb, ohne dich persönlich abgewiesen zu fühlen – du erfüllst ihm/ ihr ja wahrscheinlich auch nicht jedes sexuelle Bedürfnis, und das hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun.

4) Frage ab und zu, wie er/ sie “es” haben möchte. Wenn du durchblicken lässt, daß du dich gerne darin unterweisen lässt, wie du ihm/ ihr mehr Freude im Bett verschaffen kannst, kommt er/ sie vielleicht auf die Idee, daß er/sie da auch ein paar Wissenslücken hat.

5) Hierzulande wird Sex oft mit einem solchen Bierernst behandelt, dass es nicht verwundert, wenn jemand
schnell gekränkt ist, sobald der/die andere nicht wunschgemäß (re)agiert. Mach lieber ein Spiel daraus. Etwa einen Rollentausch: Der eine spielt das, was der andere sonst immer tut; oder: Du demonstrierst an ihm/ ihr, was du gern hättest, er/ sie an dir. Verlängere das Liebesspiel mit “du darfst mich da und da anfassen, aber da nicht…”, oder indem du dich nur ganz langsam ausziehst (bzw. ausziehen lässt).

6) Bereichert euren sexuellen Horizont und eure Kommunikationsfähigkeit durch das gemeinsame Lesen von Ratgeber-Büchern, z.B. mein Buch “Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!” liefert nicht nur jede Menge tolle Ideen, um das gemeinsame Sexleben zu bereichern, sondern noch mehr Tipps, wie man am besten über Sex redet und auch besondere Wünsche kommuniziert!
Beatrice Poschenrieder