Frag Beatrice

Er verlangt zu ausgefallene Sachen

Hallo Beatrice,
Ich hab da mal öfters Probleme mit meinem Freund (er ist 25, wir sind über zwei Jahre zusammen). Er ist eigentlich ein sehr zurückhaltender Typ, aber beim Sex geht er ab wie eine Kanone, ich komme da gar nicht mehr hinterher. Er möchte im Bett auch manchmal, dass ich ihn fessle oder anale Spielchen oder ähnliche Dinge. Ich jedoch finde dieses gar nicht so antörnend! Ich empfinde es eher als abstoßend. Wie kann ich das meinem Freund klarmachen, ohne dass er sich in seiner Sexualität verletzt fühlt?
Mit den besten Grüßen
Felicitas (23)

Hi Felicitas,
du willst deinen Freund nicht “in seiner Sexualität verletzen”, aber offensichtlich merkt er nicht, dass er dich in deiner Sexualität verletzt! Er verlangt Dinge, die dich abstoßen, aber scheint das überhaupt nicht zu registrieren – das ist reichlich wenig einfühlsam! Von daher brauchst du dir nicht allzu viele Sorgen machen, dass du ihn vor den Kopf stößt. Zumal du seine seltsamen Wünsche sicherlich ohnehin sensibel und behutsam zurückweist. Insofern ist klar, dass du´s ihm nicht vor den Latz knallst, so à la “Lass mich in Ruhe mit dem Scheiß!” oder “Ih, du bist ja pervers!”
Du kannst zum Beispiel sagen: “Tut mir leid, aber das törnt mich nicht an”. (Jeweils ein ganzes Kapitel zu den Themen “Reden Sie frei über Sex?” und “Was ist sexuell normal und zumutbar?” gibt es in meinem Buch «Sexbewusstsein: So finden Sie erotische Erfüllung».)
Du könntest aber auch überlegen, ob du den einen oder anderen Vorschlag von ihm nicht eventuell doch mal antesten möchtest – nur so ein bisschen, und nur probehalber. Natürlich musst du vorher ganz offen mit ihm reden – über deine Bedenken, deine Ängste bezüglich des jeweiligen Experiments. Was zum Beispiel stößt dich daran ab, ihn zu fesseln? Ich wüsste jetzt nicht, was daran abstoßend sein sollte, sondern es kann sogar ein witziges Spiel sein. Du kannst es ja von vornherin begrenzen auf eine dir genehme Zeit oder ihm klipp und klar sagen, was bei dir drin ist und was nicht. Wenn er z.B. erwartet, dass du an ihm die große Pornonummer abziehst, während er gefesselt ist und selber ja nix tun kann, dann erklär ihm, wozu du bereit bist und wozu nicht. Wenn er etwas ausprobieren möchte, was dir weh tun könnte (z.B. Analsex), müsst ihr vorher abmachen, wie weit er gehen darf (z.B. Finger ja, Penis nein), und ihr müsst ein Stichwort abmachen, das ihm signalisiert, dass er sofort aufhören muss (z.B. “Stopp!”).
Solltest du dann beim Antesten festgestellt haben, dass die jeweilige Praktik dir nicht zusagt, so kannst du ihm es dann sagen, und er wird zufrieden sein – immerhin hast du guten Willen gezeigt, bist ein Stück weit auf seine Wünsche eingegangen und hast dich nicht als “un-experimentierfreudige prüde Zicke” dargestellt.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder

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