Meine Neue hat eine exzessive Sexvergangenheit, ich komme damit nicht klar

Hallo Beatrice,
nach einer 12jährigen Beziehung lebte ich 4 Jahre mehr oder weniger alleine, außer zwei kürzere Beziehungsversuche, die vermutlich daran scheiterten, dass ich die Partnersuche zu anspruchsvoll gestaltet habe. Ich wollte aber keine Partnerin auf Biegen und Brechen, sondern habe nach meiner Traumfrau gesucht. Ich meldete mich bei einer seriösen Singlebörse an und nach einigem Suchen fand ich die Partnerin meiner Träume. Sie ist 33 und wir haben uns direkt ineinander verliebt. Sie übertraf alle meine Erwartungen an eine Partnerin um ein Vielfaches. Die sexuelle Seite unserer Beziehung sowie der Alltag sind sehr harmonisch verlaufen. Nach bereits 6 Monaten sind wir in eine gemeinsame Wohnung gezogen.
Nach einiger Zeit stieß ich allerdings auf die sexuelle Vergangenheit meiner Partnerin. Sie liebte Swinger-Clubs, Sadomaso-Sex, hatte ständig sehr oft wechselnde Partner und vieles mehr. Ich war geschockt über die Erkenntnis. Ich wünschte, ich hätte diese Seite meiner Partnerin nicht kennen gelernt. Sie meinte, sie wolle nur ehrlich sein – doch sie hätte nicht mehr das Bedürfnis nach dieser Art von Sex, sondern sie liebt nur mich und wird zukünftig nur mit mir glücklich sein.
Dann ist das Unglaubliche passiert. Beim Recherchieren über SM-Sex im Internet in einem Sex-Forum bin ich auf Bilder gestoßen, die meine Partnerin bei freizügigen, sexuellen Handlungen mit Männern zeigen. Ihr Gesicht ist zwar unkenntlich gemacht, aber ich erkannte sie sofort. Sie stritt es auch nicht ab.
Ich bin am Boden zerstört und stelle nun unsere Beziehung in Frage. Seit Tagen bin ich ein seelisches Wrack. Ich kann weder essen noch schlafen. Meine Freundin versichert, dass dies nur ihre Vergangenheit ist und nichts mit unserer Beziehung zu tun hat. Sie fleht mich an, bei ihr zu bleiben.
Ich habe nicht erwartet eine Partnerin zu finden, die Jungfrau ist. Allerdings ist dies das andere Extrem. Wären diese Informationen über sie für mich verborgen geblieben, wäre ich der glücklichste Mensch. Warum quält mich die Erkenntnis nur so? Ich rede mir ein, es ist Vergangenheit und diese belastet mich nicht. Aber leider ist es nicht so.
Liebe Beatrice, bitte geben Sie mir einen Rat. Was kann mir helfen? Darüber geredet haben wir schon. Es ist eher schlimmer geworden als besser.
Liebe Grüße, Ben (38)

Ihre sexuelle Vergangenheit war sehr wild und auch Sado-Maso

Ich hab auf dem Foto ihren Hintern, ihre Schuhe und ihr Schlafzimmer sofort erkannt!

Lieber Ben,
es ist sehr schwierig für mich, hier etwas zu raten. Ich sag erst mal etwas hierzu: „Warum quält mich die Erkenntnis nur so?“
Wenn Sie mit Erkenntnis das Wissen über ihre Vergangenheit meinen: Das verstehe ich gut. Wenn ich in einen Mann verliebt wäre, über den so etwas rauskommen würde, wäre ich ähnlich erschrocken und erschüttert und voller Zweifel. Denn ich würde befürchten,
1. dass sein starker Sextrieb bald wieder zum Vorschein käme und er mir mit allen möglichen Frauen fremd ginge,
2. dass ihn unser Sex bald anöden würde und er entweder irgendwelche Sexsachen von mir wollte, den ich nicht teile (SM, Swingerclubs, usw.), oder sich das dann eben im Alleingang holen würde, und
3. dass er mich über kurz oder lang verließe für eine Frau, die seine Sexneigungen eher teilt.
Dazu kommt noch, dass ich es in meinen eigenen Beziehungen ablehne, unseren Sex nach außen zu tragen – Sex ist für mich etwas, was ich nur mit meinem Partner teilen will, und nicht mit Leuten im Pärchenclub und in SM-Clubs oder mit Internet-Onanierern. Ich habe ein gewisses Misstrauen bei Leuten, die sowas tun (nicht im Beruflichen, aber im Privaten) – ich frage mich, warum sie das tun; warum sie den Drang haben, das Intimste, was sie haben, öffentlich zu präsentieren.
Kompensieren sie mit dieser exzessiven Sexualität irgendeine neurotische, dunkle Seite ihrer Seele?
Gleichzeitig hätte ich Angst, dass mein freizügiger Partner mich bald für prüde und sexuell langweilig hielte und mich unter Druck setzen oder nicht mehr lieben würde.

Leider sind all diese Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen, denn sie kommen in meiner Beratung oft vor (bzw. deren negative Auswirkungen auf Beziehungen). Und leider ist es auch so, dass Leute mit so einem Sextrieb zwar manchmal aus Liebe den Willen haben, ihn abzustellen, es aber meist nicht schaffen – sobald die Beziehung und der Sex mit dem neuen Partner in „normale“, ruhigere Gefielde gehen (und das tun sie nun mal immer), bricht der Trieb wieder durch.
Allerdings will ich Ihnen auf keinen Fall raten, nur wegen meiner Einschätzung Ihre Beziehung zu beenden – denn was, wenn Ihre Freundin es tatsächlich schafft? Oder vielleicht könnten Sie sich auch mit einem gedanklichen Notanker anfreunden? Nämlich dass Sie sich im Fall der Fälle damit anfreunden könnten, dass Ihre Freundin ihre Sexualität ausleben dürfte – teils mit Ihnen, teils ohne Sie, aber nach vorher abgesprochenen Regeln (z.B. kein Verkehr mit anderen Männern)?
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Sie alle Spielarten in Ihrer beider Sexleben zulassen, die für Sie ok gehen, und nichts aus falscher Scham zurückhalten – dann wird´s Ihrer Freundin nicht so schnell langweilig.
Definitiv sollten Sie ihr ganz klar machen, was für Sie drin ist und was nicht und dass Sie im Fall von Grenzübertretungen (etwa dass sie ohne Sie heimlich in Sexclubs geht) sich sofort trennen.
Herzlichst, Beatrice Poschenrieder