Meine Geliebte sagt, sie liebe ihren Freund nicht mehr, warum wohnt er dann bei ihr?

Verehrte Beatrice!
Ich (39) habe ein Problem mit der Frau, die ich liebe (30). Wir waren mal vor 8 Jahren zusammen, und nach langer Zeit hat sie Kontakt mit mir aufgenommen, recht unverbindlich, aber direkt meine aktuelle Lage gecheckt (ob ich solo bin!), und behauptete, sie habe zwar aktuell einen Freund, aber sei nicht verliebt, würde nur mit ihm kuscheln…. Und er lebe auch nicht mit ihr zusammen. Sie hat aus einer anderen Beziehung ein Kind und hat wohl wirtschaftlich und sozial eine üble Zeit hinter sich. Sie meinte, bei ihrem aktuellen Freund geht es ihnen beiden gut, da er aufmerksam und liebevoll wäre, und sie sei deshalb zufrieden!
Ihre Kontaktaufnahme war vor ca. 1 Jahr. Im Laufe der ersten sechs Monate hat sich der Kontakt durch Besuche, Telefonate, Emails und SMS stark intensiviert. Mit der Zeit habe ich mich wieder total in sie verliebt, und auch sie zeigte deutliche Hinweise, dass sie an mehr als nur an Freundschaft interessiert ist. Bei den Besuchen kamen wir uns auch näher und es kam fast zum Sex. Aber ich war nicht locker, weil ER, obwohl niemals zwischen uns in Gesprächen explizit thematisiert, ja noch als offizieller Freund existent war (und ist) und ich “meine Frau” ungern teile. Ich wollte ihr mit aller Macht glauben, dass nichts in dieser Hinsicht zwischen ihnen beiden läuft, aber mir war schon aufgefallen, dass sie “die Frau, die am Wochenende nie kann” ist (ab Freitagnachmittag), und war daher schon etwas misstrauisch geworden.
Nach der ersten Phase unserer Annäherung ist er “plötzlich” aus seiner entfernten Heimatstadt zu ihr aufs Land gezogen (sie lebt bei ihren Eltern in einer Anliegerwohnung und ist stark in das bürgerliche Leben ihrer großen Familie integriert). Das war ein Schock für mich, da sie immer sehr bewusst den Eindruck vermittelte, “da läuft nix mehr außer Freundschaft”. Ich muss gestehen, ich hatte vorher auch nicht hartnäckig nach dem Status ihrer Freundschaft gefragt, um ihr die elegante Möglichkeit zu bieten, “das Problem diskret zu lösen” und uns den Weg zu ebnen. Sie meinte, sie helfe ihm nur aus und er würde sich rasch eine eigene Bleibe in der Gegend suchen!
Seitdem stagniert die ganze Geschichte, und was soll ich sagen… er lebt immer noch bei ihr.
„Warum
Ich habe, im Laufe der Zeit, viele Ausreden gehört, warum er noch dort wohnt, weshalb sie kaum Zeit hat mich zu sehen. Es kam auch zu Differenzen, wenn ich sie zur Rede stellen wollte, da viele ihrer Aussagen einfach unlogisch waren. Konkrete Fragen (ihre Gefühle zu mir oder z.B. ob sie Sex mit ihm hat, wo sie doch täglich das Bett mit ihm teilt) hatte sie immer nur ausweichend oder mit echt peinlichen Schweigepausen beantwortet. Wenn ich härtnäckig blieb, wurde sie sauer. Andererseits schickte sie mir eindeutige, liebe Mails und SMS. Mein Mistrauen und mein Frust wurden immer größer und meine Stimmung im Umgang mit ihr immer mieser. Unter diesen Umständen fiel es mir schwer, charmant und locker zu bleiben. Ich bin immer eifersüchtiger geworden, kann kaum noch Schlaf finden, weil mir die Ereignisse und meine Fantasien durch den Kopf gehen.

Ich wollte in der Zwischenzeit mehrmals den Kontakt zu ihr abbrechen, weil sie mich mehrmals, trotz verbindlicher Verabredung, hat aufs Übelste sitzen lassen (abends, und an Wochenenden) und später eine fadenscheinige Ausrede parat hatte, oder weil mir die Situation aussichtslos erschien. Sie hatte sich vehement dagegen gewehrt und um Zeit zur Beendigung seines “Aufenthalts” gebeten. Vor einigen Tagen ist wieder so ein Ultimatum ausgelaufen, worin sie versprach, die Sache endgültig zu klären, und es hat sich, meines Wissens nach, nichts an der Wohnsituation und schon gar nicht an ihrem Verhalten geändert. Sie hat sich jetzt zurückgezogen, ist aber freundlich, wenn ich sie z.B. telefonisch anspreche. Letzte Woche schrieb sie mir eine Karte mit “Denke an Dich”, aber Zeit hat sie keine, um mich zu sehen.

Ich hänge mit meinen Gefühlen fest, hatte mehrmals das Gefühl, unfair zu ihr gewesen zu sein, da ich sie (mit Argumenten) unter Druck gesetzt hatte und sie mir diesen Momenten sehr verzweifelt erschien.
Warum tut sie das? Ist sie unzufrieden und ich kein geeigneter Ersatz für ihn? Hat es noch einen Sinn, da weiter Gefühle zu investieren???
Manuel (39)

Lieber Manuel,
ist sie unzufrieden und du kein geeigneter Ersatz für ihn?
Wahrscheinlich. Keiner von euch beiden ist so wirklich der Mann, mit dem sie zusammen sein will, bzw. scheint es ihr aktueller Freund noch eher zu sein, da sie ja immer noch bei ihm ist bzw. er bei ihr.

Warum tut sie das?
Weil sie es genießt, von zwei Männern gleichzeitig geliebt zu werden. Weil es sich gut anfühlt und ihr Selbstbestätigung gibt. Weil es ihr Sicherheit gibt, dass sie auf keinen Fall allein ist, falls einer von beiden abspringt. Wahrscheinlich gehört sie zu den Frauen, die nicht allein sein können bzw. die sich ohne Partner “unkomplett” fühlen. Zudem wohnt sie mit 30 noch bei ihren Eltern und ist in deren Leben eingebunden, statt ein eigenes Leben zu führen!
Wirklich lieben tut sie keinen von euch beiden, sonst würde sie nicht so doppelte Spielchen spielen.

Mir scheint, du bist mittlerweile in so einer verzweifelten Leidenschaft gefangen, dass du nicht mehr ganz klar denken kannst!
Überleg mal: Willst du tatsächlich den Rest deines Lebens mit einer Frau verbringen, die unehrlich ist, Spielchen spielt, dich hängen lässt, dir nie reinen Wein einschenkt – kurzum: der du NIE WIRST VERTRAUEN KÖNNEN???
Also eines kannst du mir glauben: Das ist kein vorübergehender Charakterzug von ihr wg. Unentschiedenheit oder so, sondern ein grundsätzlicher.
Denn sehr viele Frauen in ihrer Lage würden dir gleich und immer sagen, was Sache ist, statt dich hinzuhalten. Und vor allem würden sie dich niemals SO LANGE hinhalten. Denn jeder Mensch mit Gefühl weiß, wie grauenvoll und quälend es ist, in der Liebe hingehalten zu werden. Das tut man jemandem eigentlich nicht an.

Hat es noch einen Sinn, da weiter Gefühle zu investieren?
Allein schon dass du die Frage so stellst, zeigt mir, dass du selber daran zweifelst.
Von mir ein klares Nein. Gib diese Frau auf, die so mit deinen tiefen Gefühlen spielt.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder