Frag Beatrice

Er war zweimal verheiratet, hat 4 Kinder von 3 Frauen, böse Trennungen hinter sich

Ist die neue Beziehung zum Scheitern verurteilt, wegen seiner vielen Kinder? Sie glaubt an diese Liebe, aber vielleicht sollte sie den Mann genauer anschauen

Mein Freund mit drei seiner vier Kinder

Hi Beatrice!
Ich habe seit 5 Monaten einen 35jährigen Freund. Unsere Beziehung läuft eigentlich super, außer dass wir uns zu wenig sehen. Wir können über alles reden und haben ein unendliches Vertrauen ineinander. Nur leider ist es heute zu einem Vorfall gekommen, den ich jetzt versuche zu schildern.
Mein Freund war schon zweimal verheiratet, hat 4 Kinder mit 3 Frauen. Er wollte die Kinder nicht. Die Frauen haben versucht, ihn mit einem Kind zu binden. Und in jeder neuen Beziehung war das Kind, was aus der vorangegangenen Beziehung entstanden ist, ein Problem und sogar der Grund der Trennung, oder zumindest zu einem großen Teil.
Heute haben wir über die Kinder gesprochen, per Whatsapp, da er ja weit weg wohnt. Er meinte, es wird auch für mich ein riesen Problem werden und auch unsere Beziehung wird daran scheitern, so wie immer. Diese Worte haben mich sehr gekränkt, denn er weiß, dass wir etwas ganz Besonderes sind. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass seine Kinder für mich kein Grund zu einer Trennung wären. Bin aber in dem Gespräch heute aufgrund meiner Verletztheit anders darauf eingegangen. Hab geschrieben, dass ich ihm wie immer ein Kind in die Welt setzen werde, dass wir uns wie immer endlos streiten werden und dass er mich wie immer nicht richtig geliebt hat. Daraufhin ist er offline gegangen und geht nun auch nicht mehr ans Telefon, sein Handy hat er ausgestellt.
Dies hat er schon des öfteren getan, wenn er dann keinen Bock mehr hatte, sich damit auseinanderzusetzen. Ich habe mit ihm schon darüber gesprochen, dass ich es doof finde, wenn er sowas macht, und er hat es mir versprochen, dass er nie wieder sein Handy einfach ausschalten wird und einfach auf stur stellt. Aber jetzt hat er es schon wieder getan und ich verzweifle. Er hat meinen Nachsatz, dass dies alles ja nicht eintreten wird, nicht mehr lesen können, weil er ja gegangen ist.
Wie bewertest du sein Verhalten? Ich bin einmal enttäuscht, dass er schreibt, es wird so wie immer werden, und zudem bin ich enttäuscht, dass er sein Versprochen gebrochen hat. Hab ich ihn damit zu sehr verletzt, dass er so reagiert? Ich habe das doch nicht mit bösen Absichten geschrieben…
Ich habe ihm schon auf die Mailbox gesprochen, dass er sich melden soll, und habe ihm den Nachsatz erklärt, doch er meldet sich einfach nicht.
Beatrice, ich kann ohne diesen Mann nicht mehr leben und er auch ohne mich nicht mehr, das weiß ich. Das sagt er mir oft genug. Er ist wahnsinnig zärtlich zu mir, er trägt mich auf Händen, so gut er kann. Er ist eigentlich ein Mann, von dem man/frau nur träumen kann. Er ist der Mann meines Lebens.
Aber in dem Punkt kann ich ihn nicht verstehen. Kannst du es? Was soll ich nur machen, Beatrice? Das zerreibt mich wirklich. Ich kann es nicht haben, wenn etwas offen im Raum steht, wenn ich nicht weiß, was jetzt in ihm vorgeht, und ich kann dann oft die ganze Nacht nicht schlafen, wenn sowas ist. Es geht mir dann ganz schlecht.
Wie soll ich ihm das nur nochmal klar machen? Ich will ihn nicht verletzen, er hat genug Schmerz erfahren in den Beziehungen vorher, aber kann er mich nicht auch ein wenig verstehen?
Beatrice, kannst du mir vielleicht etwas dazu sagen? Ich danke dir schon mal sehr
Meike (27)

Liebe Meike,
eigentlich finde ich deine Reaktion auf seine blöde Aussage (“auch unsere Beziehung wird daran scheitern, so wie immer”) nicht nur passend, sondern auch irgendwie cool.
Aber du hast mit deinem Spruch seinen wundesten Punkt getroffen, von daher hat er so reagiert, trotz seines Versprechens. Nicht dass ich seine Reaktion gutheißen würde… Du empfindest es als kränkendes Abblocken und Kommunikationsverweigerung, und das ist es ja eigentlich auch, und sehr unreif dazu, aber ich denke, es ist eher eine Art Hilflosigkeit, da er mit solchen Situationen offenbar nicht umgehen kann (können viele Männer und auch manche Frauen nicht).
Ich kann auch verstehen, dass er Angst hat, mit euch würde das gleiche passieren wie mit seinen Ex-Beziehungen. Diese Angst hat für einen Moment sein Vertrauen zu dir überlagert (vielleicht hat irgendetwas in dem Moment seine Erinnerung verstärkt wachgerufen?). Daher seine unsensible Bemerkung. Vielleicht wollte er nur, dass du ihn beruhigst und ihm wieder einmal bestätigst, dass es nicht eintreten wird?
Allerdings muss ich aus meiner Arbeit leider bestätigen, dass seine Befürchtungen begründet sind. Die meisten Beziehungen würden an so einer Konstellation zerbrechen (zwei Ex-Ehen, vier Kinder von drei Frauen! Damit muss man erst mal klar kommen!). Und man muss sich auch fragen, warum er so viele gescheiterte Beziehungen hinter sich hat und warum er so viele angeblich ungewollte Kinder hat. Ein einzelnes Kind „aus Versehen“, das passiert oft. Zwei Kinder „aus Versehen“: Pech oder Dummheit. Aber vier?!! Jetzt mal ehrlich: Wenn ich als Mann kein Kind will, mach ich nicht mal mit EINER Frau eins, geschweige denn VIERMAL, sondern VERHÜTE! Er hingegen verhält sich ziemlich verantwortungslos, indem er immer wieder neue Frauen aufgabelt und ohne Verhütung mit ihnen Sex hat und dann schon wieder ein Kind produziert, das er ablehnt. Wie schrecklich ist das für die Mütter und vor allem für die Kinder??!!
Ich persönlich würde einen großen Bogen um so einen Mann machen.

Jetzt zu euch und wie er grade dir gegenüber dicht macht:
Hat er vielleicht weniger Angst vor deinen Zweifeln als vor seiner eigenen Unbeständigkeit? Ist er vielleicht jemand, der sich immer mit fliegenden Fahnen in eine Beziehung stürzt und vorschnell Nägel mit Köpfen (Heirat, Kinder) macht, aber über kurz oder lang zu wenig beziehungsfähig bzw. kompromissbereit ist? Seine mangelnde Kommunikationsbereitschaft, wenn´s zu wirklichen Konflikten kommt, könnte ein Hinweis sein.
Geh diesen Fragen auf den Grund.
Und mach dir bewusst, dass die unangenehmen Seiten, die du jetzt an ihm erlebst, wahrscheinlich nicht verschwinden, sondern sich eher verstärken werden. Frag dich realistisch, ob du damit klarkommen kannst. Wie auch damit, dass er mit dir wahrscheinlich keine Familie gründen wird.
Da ist schon verdammt viel Liebe von deiner Seite nötig, um das alles auf dich zu nehmen…

Noch etwas. Du sagst, dass ihr weit auseinander wohnt und euch zu wenig seht. Das heißt: Wenn man eure fünf Monate mit einem Paar vergleicht, was im selben Ort wohnt und sich viel sieht, dann habt ihr vermutlich erst seit 2-3 Wochen eine Beziehung (wenn man das überhaupt so nennen kann). Du kannst ihn noch gar nicht richtig kennen, warum meinst du, dass du ihm “unendlich vertrauen” kannst? Das ist total naiv, und die Wahrscheinlichkeit, dass du mit ihm die selbe Riesen Enttäuschung erleben wirst wie all seine Exen, ist extrem hoch! Ich vermute, er stellt sich selbst als Opfer dar (“er hat genug Schmerz erfahren in den Beziehungen vorher”), aber wenn du mal genau hinschaust, ist das ja ein Muster, was da bei ihm abläuft, d.h. es hat vor allem MIT IHM zu tun, nicht mit diesen bösen Frauen, die ihm allesamt gegen seinen Willen ein Kind aufgehängt haben (Anmerkung: Nur sehr wenige Frauen machen so einen Scheiß, denn welche Frau will denn ein Kind, das vom Vater abgelehnt wird?).
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder

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