Frag Beatrice

Verliebt in den Freund meiner Mutter, ihre Alkohol-Sucht brachte uns zusammen

Immer wenn meine Mutter wieder betrunken war, saßen ihr Freund und ich zusammen und redeten… und entwickelten Gefühle füreinander

Sie trinkt (säuft) manchmal so viel, dass sie besoffen irgendwo herumliegt

Hallo Beatrice,
Anfang dieses Jahres begann alles. Meine Mutter hatte nach langer Zeit mal wieder einen Freund. Was ich sehr toll fand. Sie ist alkoholabhängig und ich dachte, jetzt hat sie den Richtigen gefunden, der sie unterstützt und auch für sie da ist. Doch leider saßen wir beide dann immer zusammen, wenn sie getrunken hatte; er und ich haben viel darüber geredet, was wir noch machen können, wie wir ihr helfen können. Alles drehte sich um sie. Das Problem, also sie und ihre Alkoholsucht, verband uns somit.
Zu der Zeit hatte ich auch noch einen Freund, ich beendete die Beziehung, weil es eher eine Last für mich war in meiner momantanen Situation und auch weil ich ihn, also den Freund meiner Mutter, kennen lernte.
Ein weiterer Punkt ist, ich habe dieses Jahr Abitur gemacht und irgendwie schaffe ich es nicht, mich um einen Studienplatz oder einen Job zu kümmern, weil ich dann immer denke, dass ich mich dann nicht mehr um meine Mutter kümmern kann. Es ist nicht so, als ob sie dauerbetrunken und total hilflos wäre, aber es gibt öfter mal Situationen, wo es besser ist, dass ich da bin…

An einen Abend hatte ich dann etwas gefeiert. Meine Mutter war nicht da, aber ihr Freund. Als ich in die Küche ging und mich umdrehte, küsste er mich. Im ersten Moment war ich sprachlos, weil ich ihn sehr schätzen gelernt hatte, aber immer nur als „der Freund meiner Mutter“.
Am Abend schrieb er mir noch, dass er den Kuss sehr schön fand. Ich wusste nicht, wie ich darauf antworten sollte. Also schrieb ich erstmal nichts.
Ich hatte bzw. habe ein total schlechtes Gewissen gegenüber meiner Mutter. Es ist nicht in Ordnung, und ich hätte es selber nie gedacht, dass alles so verlaufen würde. Als meine Mutter dann zum Entzug fuhr, hatten wir zwei schöne Wochen, in denen wir zusammen waren.
Ich wusste, womit ich rechnen muss. Und ich hatte ihn auch sehr oft gefragt, „Liebst du sie?“ Ich bekam darauf eine unehrliche Antwort, wie sich rausstellte. Als sie wiederkam und trocken war, habe ich gemerkt, dass er auch nicht so recht wusste damit umzugehen, ich habe gemerkt, dass ich da keinen Platz habe – um das Glück meiner Mutter zu zerstören.
Ich machte Schluss, war sehr traurig, weil es so aufging, wie ich dachte (also dass die beiden wieder ein Paar wären, wenn sie zurück ist). Aber ich wusste, dass meine Mutter nicht trocken bleiben würde. Die hatten dann auch eine schöne Zeit danach… als sie nicht trank. Und nun ist es so:
Sie trinkt wieder. Er und ich unterhalten uns desöfteren, genauso wie davor. Ich weiß, dass er in Bezug auf sie einen Fehler gemacht hat. Denn wir, also er und ich, wären glücklich gewesen.
Er fragte mich vor ein paar Tagen, ob ich es mir mit ihm nochmal vorstellen könnte, ich sagte Nein!
Aber wenn ich ehrlich bin, vermisse ich ihn sehr. Ich sehe ihn jeden Tag bzw. fast jeden Tag! Es tut weh. Kannst du mir sagen, wie ich mich verhalten soll? Ist es gegenüber meiner Mutter hinterhältig? Ich komm mir so vor. Und weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll. Wie ich ragieren soll. Wie mein Verhalten gegenüber ihm am besten ist!
Ich hoffe, du kannst mir etwas Rat geben.
Maike (18)

Liebe Maike,
ich nehme an, du wohnst bei deiner Mutter, weil du es dir nicht leisten kannst, allein zu wohnen. Deshalb ist es besonders schwierig, ihr den Freund auszuspannen und es dir mit ihr zu verderben, was deine moralische Zwickmühle noch verstärkt.
Ich frage mich da folgendes:
Hätte eine Beziehung mit diesem Mann wirklich Zukunft für dich? Mir scheint er ein wenig wankelmütig: Wenn es mit deiner Mutter mal wieder gut läuft, will er mit ihr zusammen sein, wenn es nicht gut läuft, wechselt er zur Tochter über (bzw. verbringt mehr Zeit mit dir, wendet sich dir mehr zu).
Würde ein anderer Mann nicht besser zu dir passen? Einer, der eher in deiner Altersklasse ist und der NUR DICH haben will, statt zwischen zwei Frauen zu schwanken?
Und was ist das nur für ein Mensch, der hinter dem Rücken seiner Partnerin mit dessen Tochter anbändelt und eine ausgewachsene Affäre hat? Das muss man auch völlig unabhängig von der Alkoholsucht deiner Mutter sehen. Denn er hat ja eine ganze Zeit lang gesehen, was mit ihr los ist; wenn man mit der Sucht seines Partners nicht klar kommt, muss man gehen – aber man darf sie nicht als Vorwand nehmen, um diese Person zu hintergehen und zu verarschen. Möchtest du mit so einem Menschen eine Paarbeziehung haben?
Ferner:
Deine Mutter hat die Verantwortung für eine Tochter, und sie hat einen neuen Freund. Sie sollte eigentlich glücklich sein. Warum, verdammt nochmal, säuft sie dauernd und kann es nicht lassen, obwohl sie sich dadurch alles kaputtmacht?
Ist es nicht ihre eigene Verantwortung, wenn sich Freund und Tochter von ihr abwenden?
Warum solltest du Rücksicht auf sie nehmen, wenn sie kaum Rücksicht auf dich nimmt, sondern dich mit ihrer Sucht belastet?
Auf jeden Fall ist es nicht deine Aufgabe, dich dauernd mit der Abhängigkeit deiner Mutter zu befassen und zu versuchen, ihr zu helfen.
Das ist doch eine viel zu schwere Aufgabe für ein Mädchen und eine viel zu große Last! Du hattest ja deswegen nicht mal die Kraft, deine Exbeziehung zu halten.
Die Überlegung ist ja da auch: Bei den meisten Süchtigen ist es so, dass, solange sie jemanden haben, der sich um sie kümmert und sie stützt, sie nicht aufhören mit der Sucht.
Mein Rat ist daher:
Hör auf, dich mit der Sucht und den Problemen deiner Mutter zu befassen, kümmere dich um dein eigenes Leben, such dir einen Job, nimm dir eine eigene Wohnung, werde eigenständig und nable dich von ihr ab. Dann kannst du auch tun und lassen, was du willst, und mit jedem Mann zusammenkommen, den du willst.
Mach auch je einen Gesprächstermin bei einer Familienberatung und bei einer Beratung für Co-Abhängige. Die können dich nicht nur seelisch unterstützen, sondern eventuell sogar finanziell oder mit einer Wohnung.

Bitte lies zu dem Thema noch diese Artikel:

Habe ich durch meine Alkohol-Abhängigkeit die Beziehung zerstört?

Wir streiten täglich, er ist Alkoholiker, aber ich kann ihn nicht gehen lassen

Ich habe eine wunderbare Freundin und eine heiße Affäre mit deren Tochter

Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

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