Er ist schwer depressiv und will mich nicht sehen (Teil 1)

Hallo Beatrice!
Ich liebe zwei Männer: Meinen Mann Michael und meinen Geliebten Peter. Peter hab ich vor einem Jahr kennengelernt. Es hat geknallt, auf beiden Seiten. Von April bis Dezember haben wir uns 1760 (!) Mails geschrieben, viel telefoniert, ich habe ihn mind. 2x wöchentlich besucht, bin auch über Nacht geblieben. Wir hatten wieder einen super schönen Sommer, auch Sex, wobei dieser sich im Bereich Küssen, Streicheln und Oralverkehr bewegte, wir haben nicht miteinander geschlafen. Er hat eine ziemlich harte Zeit hinter sich, seine Frau hat sich wegen einer Frau von ihm getrennt, so von heute auf morgen. Sie hat jeglichen Kontakt zu ihm oder gemeinsamen Freunden abgebrochen, er konnte nie seine Fragen stellen und damit diese Beziehung verarbeiten. Peter leidet schon immer unter einer Winterdepression, dieses Jahr ist es wohl eher eine schwere Depression, durch die Geschichte mit seiner Exfrau.

Er ist schwer depressiv, alles ist grau und unheimlich

So sieht es in seinem Inneren aus… Seine Depression ist sehr schlimm.

Mein Problem ist nun, dass er sich seit Dezember sehr zurückgezogen hat, kaum noch Besuch von mir will, Mails wurden extrem wenig, telefonieren noch weniger. Er sagt, er kann sich selbst nicht lieben und von daher auch keine Liebe von anderen Menschen empfangen oder an sie zurückgeben. Er grenzt sich so ab, da er glaubt, meine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Ich vermisse ihn schrecklich, hab seit Monaten richtigen Liebeskummer und komm mit diesem „Besuchsverbot“ nicht zurecht. Außerdem bin ich sehr unsicher, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll: Meld ich mich nicht, werde ich vielleicht vergessen, meld ich mich, hab ich immer das Gefühl, dass ich mich aufdränge.
Wir haben im Juli zusammen eine Woche Urlaub verbracht, im Oktober waren wir ein paar Tage mit einem Camper weg. Vor drei Wochen hab ich Peter geschrieben, dass ich im Mai für 4 Tage mit dem Camper wegfahren will, und ihn gefragt, ob er mit will. Er reagierte sofort, sagte ja und hat sich am gleichen Tag noch Urlaub eingetragen. Was soll ich den davon halten? Zum einen kann er mich nicht sehen, keine Nähe ertragen, zum Anderen will er mit mir wegfahren. Kommt das alles von der Depression? Soll ich mich eher zurückziehen und darauf warten, dass er mich vermisst und von sich aus wieder mehr auf mich zu kommt oder alles hinschmeißen? Ich wäre so gern wieder das Licht vom letzten Sommer für ihn, aber diese ständigen Ablehnungen sind schwer hinzunehmen, obwohl er immer beteuert, er lehen nicht mich als Person ab, sondern er würde zur Zeit alle Kontakte ablehen, will nur allein sein, nicht reden müssen, nichts erklären müssen. Aber wie passt das alles zu dem bevorstehenden Camperurlaub?
Wäre sehr froh, wenn Du mir etwas Klarheit verschaffen könntest, ich bin sehr ratlos.
Liebe Grüße, Maria (37)

Liebe Maria,
du fragst:
“Zum einen kann er mich nicht sehen, keine Nähe ertragen, zum Anderen will er mit mir wegfahren. Kommt das alles von der Depression?”
Das meiste schon, schätze ich, aber vielleicht nicht alles. Auch ohne Depression wäre er vielleicht skeptisch und ambivalent, wo das mit euch hinlaufen soll. Du bist gebunden und er ist noch nicht bindungsfähig. Er steht auf dich und hat zugleich Angst.

Ferner willst du wissen:
“Soll ich mich eher zurückziehen und darauf warten, dass er mich vermisst und von sich aus wieder mehr auf mich zu kommt oder alles hinschmeißen?”
Ich persönlich würde alles hinschmeißen, denn ich frage mich: Warum, um Himmels Willen, macht er keine Therapie gegen seine schwere Depression? (ja, es ist eine schwere!)
Ohne Therapie wirst du solche Phasen immer mit ihm erleben, und das halte ich für unzumutbar. Das würde dich im Laufe der Zeit fertigmachen. (Gutes Buch dazu: «Depression und Burn-out überwinden: Ihr roter Faden aus der Krise: Die wirksamsten Selbsthilfestrategien»)
Aber vermutlich bist du noch nicht so weit, alles hinzuschmeißen. Also zieh dich zurück und warte ab.
Widersteh dem Drang, dauernd wieder eine Verbindung herzustellen. Wenn er das nicht von sich aus genauso tut wie du, hat es eh nicht so viel Sinn mit ihm, denn du willst ja einen Geliebten, nicht einen Patienten.
Außerdem sollte er versuchen, seine Exfrau zu kontaktieren, um sie zu einem bereinigenden Gespräch zu bewegen.
Herzlichst, Beatrice Poschenrieder
(Hier geht´s zu Teil 2 dieses Briefes!)