Er ist schwer depressiv und will mich nicht sehen (Teil 2)

Hallo Beatrice!
Danke für Deine Antwort (“Er ist schwer depressiv und will mich nicht sehen“). Tja, das mit Kontakt zur Ex-Frau ist so eine Sache… sie reagiert auf gar nichts, blockt alles ab, lässt sich verleumden, schon tausend Versuche ohne Erfolg. Peter muss da alleine durch und wird das wohl ohne ihre Antworten verarbeiten müssen.
Das mit der Therapie, ja, da sind wir „auf dem Weg“. Vor 2 Wochen hat er mir in einer Mail zum ersten Mal geschrieben, dass wenn das so weiter geht, er sich wirklich eingestehen muss, dass er eine schwere Depression hat. Ich hab ihm zurückgeschrieben, dass ich ihm helfen werde, denn dieses „Aussitzen“ geht schon viel zu lange und ist völlig erfolgslos. Auf diese Mail hat er einfach nicht reagiert, auch nicht auf mein Nachhaken per Whatsapp. Und genau das ist mein Problem… ich wohne nicht in seiner Nähe (1 Std entfernt), bin nicht greifbar, wenn`s brennt, weiß nie genau, wie er im Moment drauf ist, was jetzt hilfreich wäre und was nicht.
Wieviel Druck soll ich machen, damit er was unternimmt? Bin mir einfach sehr unsicher im Umgang mit ihm. Wenn ich jetzt nur etwas Druck mache (z.B. auf eine Antwort bestehe), zieht er sich sofort zurück. Wie soll ich vorgehen?
Liebe Grüße, Maria (37)

Liebe Maria,
dein Angebot der Hilfeleistung kommt aus Liebe und von Herzen, aber das Ding ist: er will keine Hilfe! jedenfalls nicht von dir! (sonst hätte er reagiert.) Außerdem kannst du ihm nicht helfen und das ist auch nicht deine Aufgabe. Das Blöde an einer Depression ist bei vielen unter anderem dieses „Ich will leiden“ oder auch „Etwas in mir will leiden“ (eher unbewusst), verbunden mit diesem resignativen „mir kann sowieso keiner helfen“, was oft auch bedeutet „ich will garnicht, dass mir einer hilft“.
Ich hatte hier in meiner Beratung schon viele Angehörige von Depressiven, die daran verzweifeln, dass der/die Depressive nichts Effektives tut, und meiner Erfahrung nach helfen meist nur sehr klare Worte und Taten – sprich, aufhören damit, den Depressiven mit Samthandschuhen anzufassen und ihm durch liebevolle Rücksicht auf den richtigen Weg verhelfen zu wollen. Sondern ein ehrliches Aussprechen und ein konsequentes Danach-Handeln: „Deine Depression strengt mich furchtbar an und zieht mich total runter. Es macht mich wütend und verletzt mich, dass du nicht wirklich was dagegen unternimmst. Ich habe das Gefühl, du willst dir garnicht helfen lassen, sondern weiterhin in deinem Sumpf bleiben. Hast du dir schon mal überlegt, was du nicht nur dir selber damit antust, sondern auch Menschen, denen du am Herzen liegst? Ich kann so nicht weitermachen, es belastet mich zu sehr. Ich möchte, dass du dich beraten lässt und eine Therapie anfängst…“
oder sowas in der Art. Noch ein Buchtipp dazu: «Mit dem schwarzen Hund leben: Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren.».

Einen Punkt möchte ich noch ergänzen… Du hast ja auch noch einen Mann. Vielleicht zieht sich Peter auch deswegen zurück, weil er keine Zukunft für euch beide sieht? Seine Frau hat ihn für jemand anders verlassen, und bei dir könnte es passieren, dass er sich noch tiefer in dich verliebt, aber du deinen Mann nicht verlässt. Dann sitzt Peter wieder da mit gebrochenem Herzen…
Ich möchte dir raten, dir zu überlegen, welchen Mann du denn nun willst (dass du doppelgleisig fährst, wird mindestens einer von beiden auf Dauer nicht mitmachen) und Peter keine Mails und Whatsapps mehr zu schreiben, sondern dir klar zu machen, was du wirklich von ihm willst, und dann persönlich mit ihm zu sprechen – telefonisch oder sogar indem du ihn einfach besuchst.
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder
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