Frag Beatrice

Als ich ihr sagte, dass mir alles zu viel wird, machte sie Schluss. Gibt es noch eine Chance?

Liebe Beatrice,
ich wende mich mit einem Problem an Dich, das sehr komplex zu schildern ist. Ich habe in den letzten 14 Jahren nach meinem Studium viele unruhige berufliche Jahre (mit Referendariat und 2 Jahren Auslandstätigkeit) hinter mir und bin jetzt in einem sehr kleinen Nest mit einer recht guten Stelle (Beamter im höheren Dienst) gelandet.
Vor sechs Jahren zog ich in meiner Studienstadt bei einer etwas älteren Freundin ein, die mit mir keine gemeinsame Wohnung beziehen wollte (Ordnungswahn, Essstörung, …). Diese Beziehung endete, als ich vor 4 Jahren aus beruflichen Gründen meine Stadt verlassen musste. Zwischenzeitlich war ich immer wieder in beruflichen Schwierigkeiten und war an verschiedenen Orten, lebte zeitweilg auch mit einer Frau und ihren beiden Kindern zusammen, was ganz gut funktionierte, ich aus beruflichen Gründen dann aber doch wieder weiterziehen musste.
Vor etwa 2 Jahren traf ich dann zufällig in meiner Heimatstadt eine alte Bekannte, die mir immer sehr gefallen hat (vor 14 Jahren waren wir sogar eine Woche gemeinsam verreist, ohne Ergebnis – haben uns danach nicht mehr gesehen). Sie war beruflich und persönlich in einer mindestens genauso verfahrenen Situation wie ich, nur noch viel ungünstiger und aussichtsloser. Da ich einige Wochen in meiner Heimatstadt zubrachte, habe ich sie sehr oft gesehen, und wir beide merkten, dass wir uns füreinander interessieren.

Die Frauen wollen immer zu viel von mir, oder bin ich beziehungsunfähig?
Wer läuft nun vor wem davon? Sie klammert und ich lass sie hängen

Nachdem ich einen guten Job in einer ganz anderen Gegend gefunden hatte, traf ich sie im Sommer letzten Jahres wieder und verliebte mich endgültig und fing auch etwas mit ihr an. Kurz darauf bin ich mit anderen in Urlaub gefahren und habe mich erst nach dem Sommer wieder bei ihr gemeldet. In der Zwischenzeit fand sie eine Arbeit in XY und eine Wohnung. Ich habe ihr dann in meinen Herbstferien bei Umzug und Wohnungsrenovierung geholfen und musste dann eben wieder an meinen Dienstort. Kurz danach kam sie zu mir und sagte, sie wolle mit mir zusammenleben und vorher ein Kind von mir. (Der Ort, an dem sie leben wollte, hat sich in den letzten 2 Jahren 4-5 mal geändert). Eine schnelle Lösung war also nicht in Sicht und wir hatten eine kurze Wochenendbeziehung, die mir bald zu viel wurde. Sie fragte mich in der kurzen Phase des Zusammenseins täglich 20mal, ob ich sie noch liebe, ob ich sie wirklich liebe, und machte mir Szenen, wenn sie der Meinung war, dass ich eine andere Frau ansehen würde. So kam es, dass ich durchblicken ließ, dass ich keine Lust hätte, wegen 1,5 Tagen zu ihr zu Silvester zu kommen, und dass ich etwas Luft zum Durchatmen brauchte. Daraufhin brach sie die Beziehung abrupt ab.
Nach etwa 2 Monaten habe ich dann nochmal telefonischen Kontakt mit ihr aufgenommen, wo sie versuchte mir vorzuspielen, dass sie die ganze Sache nicht mehr interessiert. Natürlich liebe ich sie noch und vermisse sie sehr. Jetzt meine Frage: Durch diese ganze Geschichte ist mir nach etwa 2 Monaten klar geworden, wie einsam ich in meinem kleinen Kaff mit meinem guten Job bin und wie sehr ich sie doch vermisse. Ich kann sie auch verstehen, dass sie nicht in so ein Nest ziehen will – obwohl sie zwischendurch vorgeschlagen hatte, für ein bis zwei Jahre hierherzukommen, bis ich hier wegkomme, unter der Bedingung, dass sie vorher schwanger sein will. Mir war aber irgendwie klar, dass das so niemals funktioniert hätte, weil sie nach wenigen Wochen hier wieder weggewollt hätte. Ich selbst kann als Beamter nicht von heute auf morgen meinen Arbeitsplatz wechseln.
Was soll ich tun? Ich habe das Gefühl, dass die ganze Beziehung vor allem an äußeren Umständen gescheitert ist, bevor sie eine richtige Chance hatte, sich zu entwickeln. Ich möchte der Beziehung gerne eine Chance geben, weiß aber nicht, wie… unter den gegebenen äußeren und mittlerweile auch inneren Umständen (Ablehnung ihrerseits).
Fred (40)

Lieber Fred,
Du hast ”das Gefühl, dass die ganze Beziehung vor allem an äußeren Umständen gescheitert ist, bevor sie eine richtige Chance hatte, sich zu entwickeln”.
Tja, da habe ich ein anderes Gefühl. Klar war das mit den Orten ungünstig, aber entscheidend ist:
Du bist ein unsteter Typ und im Gegenzug dazu macht diese Frau einen wahnsinnigen Druck- sie will dich viel zu schnell
in eine bestimmte Richtung drängen: feste Beziehung am selben Ort, so schnell wie möglich ein Kind von dir, dann auch noch dieses völlig übertriebene Abfordern von Liebesbezeigungen, das Einengen durch Eifersucht usw.
Da entsteht bei mir der Eindruck, es geht ihr gar nicht so sehr um dich als Person und Liebespartner, sondern darum, ein Kind und eine feste Beziehung mit einem zu haben, der sie liebt und allein für sie da ist.
Denn eine Frau, die dich wirklich liebt und als Person achtet, die geht es langsam und behutsam an. Sie hätte zum Beispiel erst mal eine Weile lang eine Fernbeziehung mit dir (ist ja heute was Normales) und würde sich viel Zeit nehmen, damit ihr euch kennen lernen und zusammenwachsen könnt, bevor so ein gewichtiges Thema wie ein gemeinsames Kind auf dem Plan steht.
Und dieses ständige Abfordern von Liebesbezeigungen und das Einengen durch Eifersucht, sowas geht gar nicht – das sind ganz schlechte Zeichen. Klingt, als hätte diese Frau ein ernsthaftes Liebes- und Selbstwertproblem. Sorry, aber das ist ein Fall für eine Therapie.
Ich kann dir nur raten, dass du sie dir nicht aus deiner momentanen Einsamkeit heraus schön malst. Lass sie lieber los und sieh dich nach einer anderen um.

Allerdings scheint mir, an dir ist auch irgendwas komisch. Obwohl du schon 40 bist, ist da nur die Rede von beruflichen Schwierigkeiten, ständigem Ortswechsel, ständigem Wechsel der Partnerinnen, und nie ne eigene Woznung, sondern bei den Frauen einziehen, und dann schwupp! bist du wieder weg. Insgesamt macht das den Eindruck, als ob du ein Chaot bist, der ziemliche Probleme damit hat, sich festzulegen. Bei der jetzigen schien das auch von Anfang an so zu sein. Du merktest schon vor 2 Jahren, dass ihr euch füreinander interessiert, hast die Sache aber dann ein Jahr lang schleifen lassen, bis ihr euch letztes Jahr wieder getroffen habt. Dann hast du was mit ihr angefangen, hast dich aber den ganzen Sommer nicht bei ihr gemeldet. Was ist denn das für ein Benehmen gegenüber einer Frau, mit der du was angefangen hast?? Und dann verbringst du nicht mal Silvester mit ihr. Ihre klammerige Art hin oder her, aber Silvester nicht mit seiner Partnerin zu verbringen, und das mit dem Spruch, “ich habe keine Lust…”, na da wundert´s mich nicht, dass sie Schluss gemacht hat und du jetzt bei ihr auf komplette Ablehnung stößt.
Vielleicht hat dein Problem mit dem Festlegen und deine Neigung zum Ausbüxen (man nennt das “Bindungsproblem”) ihre Neigung zum Klammern verstärkt – das ist sogar meistens so. Ich möchte dir wärmstens ein Buch ans Herz legen, wo das sehr genau beschrieben ist und worin du dich vermutlich wiederfinden wirst:
«Jein!: Bindungsängste erkennen und bewältigen. Hilfe für Betroffene und deren Partner».

Herzlichst
Beatrice Poschenrieder

Als ich ihr sagte, dass mir alles zu viel wird, machte sie Schluss. Gibt es noch eine Chance?
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