Unser Sex läuft immer nach dem selben Schema, sie lässt nichts anderes zu

Hey Beatrice,
ich bin seit fast 2 Jahren mit meiner Freundin zusammen (19). Wir führen eine sehr tolle Beziehung, haben viel Spaß miteinander, lieben uns sehr und unternehmen auch viel. Eigentlich alles wunderbar. Doch leider stimmt mich der Sex schon immer etwas unzufrieden. Anfangs dachte ich noch, wir bräuchten einfach mehr Zeit, um Vertrauen usw. zu gewinnen, doch hab ich in der gesamten Zeit keinerlei Fortschritt bemerkt. Sie ist in dieser Angelegenheit sehr bestimmend: Wenn sie keine Lust hat, dann könnte ich mir ein Bein ausreißen und sie würde kein Sex wollen – was eigentlich auch okay ist. Der Sex ist auch nicht wirklich so selten, dass ich Grund zur Klage hätte (einmal in der Woche), aber er ist halt so geplant: Meine Freundin muss immer absolut entspannt sein und es darf keinerlei Zwischenfälle geben (Musik anmachen, ich darf nicht zu lange brauchen, den BH aufzumachen,….), sonst ist sie sofort aus dem Tritt. Und dann geht gar nix mehr. Also ich weiß quasi, sonntagsmittags, wenn wir im Bett rumhängen und fernsehen, dass sie da Lust bekommt. Weiß der Teufel warum. Aber ansonsten nie. Ich möchte jetzt nicht vulgär oder pervers klingen, aber ich bin jung und würde eben auch mal gerne Sex, was weiß ich, in der Küche, auf einer Party, ganz spontan haben.
Verstehst du das? Nicht immer dieser gleiche Trott. Aber wie gesagt, sie ist da sehr bestimmend, und wenn ich das Thema anschneide, sagt sie, wenn das so schlimm sei, dann solle ich mir eine Andere suchen. Sie geht kein bisschen auf mich ein. Ansonsten bin ich kein Mann, der sofort Ja-und-Amen sagt, aber in diesem Bezug ist sie wirklich sehr empfindlich. Und ich weiß, welches Fass ich lieber nicht aufmache. Sie sagt auch immer wieder, dass sie mich heiraten will später einmal, und dass ich einzigartig sei usw.. Ich liebe sie auch sehr, aber dieser Sex ist für mich kein Zustand. Denn der Sex an sich… naja… ich hatte bisher noch keinen anderen, aber das kann nicht wirklich das Gelbe vom Ei sein.
Nun meine Frage, wie soll ich damit umgehen? Wie gesagt: einfach mal ansprechen ist nicht. Schon so oft versucht, aber sie macht sofort dicht.
Till (21)

Unser Sex ist sehr verklemmt, sie lässt fast nichts zu

Sobald wir im Bett zugange sind, zieht sie sich die Decke bis zum Hals…

Hi Till,
bevor ich was dazu sage, wüsste ich gerne:
1) Wie genau ist euer Sex denn so?
2) War euer Sex immer schon so? Oder war er mal aufregender?
3) Wie ist eure Beziehung sonst so? Was stört dich daran?
4) Geht deine Freundin auch in anderen Bereichen so wenig auf dich ein? Wenn ja, worin?
5) Wer von euch ergreift sexuell die Initiative? Du? Immer?
6) Was, wenn euer Sex immer so bleibt? Kannst du dir vorstellen, sie trotzdem zu heiraten und ewig mit ihr zusammenzubleiben?
Bis dann, Beatrice

Hey Beatrice,
also:
zu 1) Unser Sex läuft immer so ab: wir küssen uns und liegen engumschlungen. In der Regel mit normalen Klamotten oder Unterwäsche. Währenddessen streichle ich sie am Rücken, Po und Oberschenkel. Sie macht das gleiche.
Ich bin dann schon erigiert und wir haben quasi “Trockensex”. Also mit Klamotten an. Das macht SIE in der Regel so heiß, dass sie mir in Null-Komma-Nix die Klamotten vom Leib reißt und es anscheinend kaum erwarten kann, dass ich eindringe. Ich würde lieber ein bisschen Petting oder ähnliches machen, aber ich darf sie im Intimbereich UNTER KEINEN UMSTäNDEN BERÜHREN!!! Und wenn ich das Vorspiel hinausziehen will und etwas auf “Entdeckungstour” gehen will, macht sie dicht und es läuft gar nix mehr.
Ich küsse ihren Busen und ihren Hals usw. Aber wir liegen immer, während des gesamten Sex, mehr oder weniger aufeinander/nebeneinander und immer Kopf an Kopf. Die Decke bis zum Kinn hochgezogen, alles spielt sich unter der Decke ab. Wenn wir nackt sind, dann wird sie ganz ungeduldig, dass ich eindringe, und lässt keinerlei Verzögerung zu. Das Eindringen spielt sich in der Regel etwas langwierig ab. Ich vermute, sie wird nicht recht feucht, deswegen muss ich immer sehr drücken und manchmal tut es ihr auch weh. Ich würde sie ja gerne “feucht machen”, aber bekomme keine Chance. Wenn ich “drinnen” bin, dann gibt sie den Rhythmus vor, denn jede Bewegung von mir scheint ihr weh zu tun. Was aber auch dazu führt, dass diese typische Vor-Zurück-Bewegung, die der Mann braucht, nicht zustande kommt. Sie scheint nach einer Weile zu kommen. Dann will sie in die Reiterstellung, am besten ohne meinen Penis rauszuziehen, und dann macht SIE weiter. Ich komme mir vor wie ein Spielzeug, weil ICH gar nix machen darf, außer an ihren Brüsten rumzuspielen. Dann kommt sie nochmal (ich denke wirklich, dass sie kommt, da sie wirklich fast abdreht!) und dann gibt sie mir vielleicht nochmal 7 Minuten Zeit zu kommen (ohne mein aktives Zutun) und wenn, dann ist gut, wenn nicht (was immer öfter vorkommt), sagt sie, es tue ihr langsam weh, und hört auf. Das war unser Sex.

zu 2) Unser Sex war schon immer so, denke ich. Anfangs hatte ich null Erfahrung und war sowieso mit allem überfordert.

zu 3) Unsere Beziehung läuft ansonsten wirklich gut. Manchmal ist sie ein sturer Bock und in meinen Augen auch ZU stark für eine Frau. Also sehr emanzipiert und überhaupt keine Tussi.

zu 4) Man kann nicht sagen, dass sie nicht auf mich eingeht. Sie macht sehr viel für mich. Aber manchmal hab ich das Gefühl, dass sie nur so viel macht, wie es ihr nicht zu sehr gegen den Strich geht: Ich würde bis zum Ende der Welt für sie laufen, sie wahrscheinlich nicht. Aber sie liebt mich, das kann ich bestimmt sagen.

zu 5) Selbst in der allerersten Phase unserer Beziehung hatten wir nur einmal in der Woche Sex. Ich weiß von Paaren, die die ganze Nacht durchmachten in dieser Zeit. Und nachdem ich so oft abgewiesen wurde, wurde ich mir zu stolz und warte mittlerweile, bis sie zu mir kommt. Manchmal versuch ich auch mein Glück. Aber man kann sagen: Wenn sie will, dann kommt sie zu mir. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie mich “ranlässt”.

zu 6) Ich liebe sie. Aber ich könnte nicht dafür garantieren, dass ich eines Tages sage: “Nee. Ich will das nicht mehr!” Und gehe. So lange ich diesen Gedanke hege, heirate ich nicht.
Till

Lieber Till,
auf der einen Seite haben wir da eine Frau, die sich scheut, sexuell die Kontrolle abzugeben und über Sex zu kommunizieren; auf der einen Seite haben wir einen Mann, der Konflikte scheut. Beide sind Verlierer: er kriegt nicht den Sex, den er gern hätte, sie kriegt keinen Anschub, um ihre eigene sehr eingeschränkte Sexualität zu erweitern.
Wenn du etwas ändern willst – und du MUSST etwas ändern, denn dieser Sex klingt schrecklich (für beide!) – musst du Konflikt, Streit, dicke Luft in Kauf nehmen. Das ist erst mal unangenehm, aber der einzige Weg. Sprich: Du musst Klartext mit ihr reden.
Nämlich genau das, was du mir unter Punkt 6 geantwortet hast; ferner deinen gesamten Frust über eure Sexualität.
Sie tut jetzt so, als ob es nicht weiter wild für sie wäre, wenn du dir eine andere suchst – sprich, eine Trennung ihr nichts ausmacht. Abgesehen davon, dass ich das Scheiße finde, glaube ich nicht, dass sie eure Beziehung tatsächlich so leichtfertig aufs Spiel setzen würde.
Wenn sie dicht macht, lass nicht locker. Frag sie, warum sie sexuell so sehr die Kontrolle haben will und warum euer Sex immer nur nach ihrem festgelegten Schema ablaufen darf. Frag sie, was denn passieren würde, wenn sie all das zulässt, was du gern machen würdest. Und warum sie sich in der Intimzone nicht anfassen lässt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Sex ohne Vorspiel, bei dem sie nicht feucht wird und der Verkehr ihr weh tut, wirklich Spaß macht (für mich ist es z.B. schwer vorstellbar, wie eine Frau unter diesen Umständen einen Orgasmus bekommen sollte). Das klingt eher wie ein Schauspiel, ein Pflichtprogramm, das sie absolviert, um dich nicht zu verlieren. Eigentlich möchte sie gar keinen Sex, denn Sex macht ihr Angst.
Die Frage ist auch: Macht es ihr so sehr Angst, beim Sex ihre totale Kontrolle zu lockern, dass sie dafür eure Liebe wegwerfen würde? Wenn ja, warum ist diese Angst so übermächtig?
Für mich klingt das sehr nach einem früheren Missbrauch. Wenn dem so ist, sollte sie sich professionelle Hilfe suchen, statt ihre gute Beziehung zu riskieren.
Frag so lange, bis du Antworten bekommst. Überwinde deine Konfliktscheu und konfrontiere sie mit etwas sehr Wichtigem: nämlich deinen Grundbedürfnissen nach einem guten, schönen, ganz normalen Sexleben. Ich verstehe dich verdammt gut, und du bist ganz bestimmt nicht “vulgär oder pervers”, wenn du mehr erwartest als dieses frustrierende Schema-F-Magerprogramm, was sie dir “erlaubt”.
Bitte lies zu der ganzen Thematik auch die Texte unten bei “Verwandte Beiträge”!
Viel Glück
Beatrice Poschenrieder