Soll ich um sie kämpfen? Ich habe so viele Fehler gemacht

Hallo liebe Beatrice,
vor 3 Wochen hat mich meine Freundin verlassen und ich (30) leide sehr darunter. Mein Leben ist jetzt so leer und ich würde alles tun, um sie wiederzukriegen.
Sie ist 26, wir waren 6 Jahre zusammen. Sie war meine erste große Liebe. Bis auf die letzten 1-2 Jahre waren wir sehr glücklich zusammen. Wir hätten alles für den anderen getan und unsere Beziehung hatte so eine „Magie“ (zumindest in der ersten Zeit) und wir dachten, wir würden für immer zusammengehören.
Im letzten Sommer fing wohl alles an den Bach runterzugehen. Ich war mittendrin, mir eine neue berufliche Zukunft aufzubauen und hatte 2 Jahre zuvor nochmal eine Ausbildung angefangen. Das letzte Jahr war dann ziemlich stressig, so kurz vor den Prüfungen und zusätzlich noch mit vielen Lehrgängen und Abendschule. Ich hatte keine Zeit mehr für sie. Sie sagte mir immer, dass sie mit unserer Beziehung unzufrieden ist. Ich habe sie immer nur auf nächstes Jahr vertröstet und sie nicht ernst genommen.
Plötzlich sagte sie, dass sie sich in jemand anderes verliebt hat. Was aber ziemlich schnell in Angst umschlug, mich zu verlieren. Sie wollte bei mir bleiben und ich hatte ihr sehr schnell verziehen. Heute weiß ich, dass es der erste Hilferuf war, an UNS zu arbeiten.
Damals gab mir das eigentlich nur die Gewissheit, dass sie sowieso immer bei mir bleiben würde und dass niemand anderes eine Chance hätte, in unsere Beziehung einzudringen.
Das Jahr ging vorbei, ich hatte im Januar alles erreicht, was ich wollte, und verdiente nun auch nach langer Zeit mal wieder ziemlich gut. Aber irgendwie habe ich verpasst, unsere Beziehung wieder zu beginnen. Ich habe mich gehen lassen. Wollte nur noch meine Ruhe und bin, wie im Jahr zuvor, nachdem ich nach Hause gekommen bin, schon wieder an meinen Computer verschwunden, habe nur wenig mit ihr unternommen. Wir hatten nun auch keinen gemeinsamen Freundeskreis mehr. Sie lernte neue Leute kennen. Ich hatte inzwischen niemand mehr.
Das zog sich bis in den April und dann veränderte sie sich. Sie schleppte plötzlich ihr Handy überall mit hin, stand vor mir auf, um früher auf die Arbeit zu fahren, obwohl sie sich die Arbeit selbst einteilen konnte und bisher immer etwas länger geschlafen hatte. Selbst zu diesem Zeitpunkt bin ich noch nicht aufgewacht, bis sie mir 3 Wochen später sagte, dass sie mich verlassen möchte und sich nach einer neuen Wohnung umsieht. Ich habe geheult wie ein Schlosshund und konnte sie überzeugen, bei mir zu bleiben. Ich habe um sie gekämpft und nun wieder Dinge ganz spontan mit ihr unternommen und gemerkt, dass mir das selbst Spaß macht, und habe für kurze Zeit auch mein persönliches Glück wiedergefunden. Aber das hielt immer nur für ein Wochenende, oder einen Feiertag. Sobald sie von der Arbeit kam, war sie wie ausgewechselt. Distanziert, abweisend und kalt. Ich bin dann nicht mehr an sie herangekommen. Sie war vorher immer ehrlich zu mir, aber nun hat sie mir ins Gesicht gelogen ohne Hemmungen. Ich konnte das gar nicht glauben. Natürlich wusste ich jetzt, dass da jemand anderes sein muss, und habe in ihren Sachen spioniert. Dabei habe ich Liebesbriefe an sie gefunden. Von einem Mann, Manager bei einer Weltfirma, 38, verheiratet, hat eine Menge Geld und Erfolg. Da habe ich auch gelesen, dass er im Grunde versucht hat, mich ihr auszureden. Meine Freundin war schon immer etwas naiv und das war natürlich ein gefundenes Fressen.
Nachdem ich Bescheid wusste, habe ich ihr alles vor die Füße geknallt und sie mit der Tatsache konfrontiert. Ihre Sorge galt aber zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr uns, sondern nur noch der Tatsache, dass der Kerl verheiratet ist.
Eine Woche haben wir dann noch in der gemeinsamen Wohnung ausgehalten. Ich habe noch versucht ihr das auszureden, aber sie hat mich schon wieder belogen. Als ich das wieder rausbekam, hatte ich auch keine Kraft mehr und habe sie rausgeschmissen.

Ich habe zu lange nicht erkannt, dass sie sich von mir entfernt

Ich habe sie zu lange vernachlässigt – jetzt ist sie meistens kalt zu mir

Das ist jetzt etwa 3 Wochen her. Nun ging alles ziemlich schnell. Sie wohnt übergangsweise bei ihren Eltern und hat ab nächste Woche eine neue Wohnung.
Sie war ziemlich kalt und hat auch keine Gelegenheit ausgelassen, mir zu zeigen, dass sie jetzt glücklich ist. Ich bin natürlich am Boden zerstört, weil ich jetzt gemerkt habe, was ich alles falsch gemacht habe, und weil ich sie über alles liebe. Neulich kam sie zu mir und hat geheult. (Ich glaube, der Typ hat sich noch nicht von seiner Frau getrennt, obwohl er das für sie eigentlich tun wollte.) Das hat mir einerseits gezeigt, dass ich ihr doch nicht so egal bin, andererseits hat mich das aber auch wieder in ein noch tieferes Loch gerissen.

Ich weiß jetzt nicht mehr, was ich noch tun soll. Ich will um sie kämpfen, wie ich das früher schon getan habe. Ich habe damals ein halbes Jahr um sie gekämpft, um sie für mich zu gewinnen. Ich habe aber keine Kraft mehr und es tut mir sehr weh, nichts mehr erreichen zu können. Außerdem habe ich immer noch Angst um sie, weil ich glaube, dass sie ziemlich böse auf die Nase fallen wird. Aber ich befürchte, dass das zu lange dauern könnte und wir uns dann zu weit voneinander entfernt haben könnten, um nochmal ganz neu anzufangen.
Für sie ist das jetzt alles ziemlich spannend und aufregend – genau das Gegenteil zu unserer Beziehung. Ich habe mich schon verändert und werde wieder so sein, wie ich früher einmal war. Nur wäre ich das gerne mit meiner Freundin zusammen.
Alle sagen mir, dass ich aufgeben soll und die Beziehung beendet ist. Aber ich denke: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.”
Gibt es noch eine Chance?
Bitte helfen Sie mir. Bitte! Ich liebe diese Frau.
Sascha (30)

Lieber Sascha,
ich sag mal „du“, okay?
“Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.”
Ja, das finde ich auch. Trotzdem solltest du nicht blindlings nach vorn stürmen bzw. deine Exfreundin bestürmen. Denn wenn man auf dem Rückzug ist, drängt einen ein allzu penetranter Verfolger noch mehr in den Rückzug. Da ist es besser, wenn du stehen bleibst und sie dazu bringst, sich umzudrehen und dich von weitem zu betrachten: Hm, von Weitem sieht er ja doch nicht so übel aus… Vor allem wenn du ein paar Sachen machst, die dich attraktiver wirken lassen. FÜR SIE attraktiver, versteht sich. Sowohl in deinen Worten, Taten und deinem Äußeren. Überleg dir auch, was du haben (oder machen) könntest, was ihr Neuer nicht bieten kann. Und pass auf, dich nicht selber zu disqualifizieren durch Aktionen wie: versuchen, ihn ihr auszureden, oder ihre Affäre herumerzählen. Sieh zu, dass du dich total von der Schokoladenseite zeigst.
Ich werte es schon mal als sehr positiv, dass du dir wirklich Gedanken darum gemacht hast, was du selbst zum Scheitern der Beziehung beigetragen hast. Hast du ihr das alles denn auch schon gesagt? Und deine Bereitschaft gezeigt, dass du´s bei einem Neustart anders machen würdest? Wenn nein, dann tu´s, am besten mit einem Brief. Aber formuliere ihn so vorsichtig, dass sie sich nicht bedrängt fühlt. Es darf auch kein Fitzelchen darin enthalten sein, was sich für sie wie ein Vorwurf anhört.
Noch ist nicht alles verloren. Drei Wochen sind nicht viel im Vergleich zu einer so langen Beziehung, die obendrein die erste war, und die große Liebe.
Du befürchtest, „dass das zu lange dauern könnte und wir uns dann zu weit voneinander entfernt haben könnten, um nochmal ganz neu anzufangen“. Unterschätz nicht die innerlichen Bande, die euch verknüpfen, auch jetzt noch. Gerate nicht in Panik, du musst dich zwingen, auch abwarten zu können (statt ihr nachzulaufen!). Sie braucht Zeit, um sich neu zu orientieren, was sie jetzt will. Lass ihr diese Zeit. Deine Chancen stehen nicht schlecht. Ich kenne viele Paare, die nach so einem Einschnitt, wie ihr ihn jetzt habt, etliche Monate oder gar ein Jahr gebraucht haben, um wieder zusammenzukommen.
Bitte lies auch folgende Briefe aus meiner Paarberatung hier:
Wird sie zu mir zurückkommen?
Trennung wegen Vernachlässigung! Kann ich sie zurückgewinnen?
Ich soll ihr einen Brief schreiben, warum sie bei mir bleiben sollte.
Ich wünsch dir viel Erfolg
Beatrice Poschenrieder