Wie mache ich möglichst sanft Schluss?

Ist es möglich, sanft und “schmerzfrei” Schluss zu machen, wenn du deine/n Partner/in nicht mehr liebst, jedoch er/sie noch sehr an dir hängt?

Hi Beatrice,
wie auch schon in einem anderen Brief hier beschrieben, hab ich ein ähnliches Problem, nämlich dass ich gebunden bin, mich im Urlaub aber in jemand anderen verliebt habe. Bei mir ist es so, dass ich mir schon ´nen Kopf drum gemacht habe (auch vorher schon) und meinen jetzigen Freund nicht mehr will (wenn man das so gemein sagen kann). Das hat nur nebensächlich was mit dem Urlaubsflirt zu tun, ich war schon vorher am Grübeln, nur der im Urlaub hat mir halt die Augen geöffnet, ich hab z.B. kein schlechtes Gewissen meinem Freund gegenüber. Und naja, mein Problem ist, dass er (mein Freund) sich super auf unser Wiedersehen freut (bin erst am Sonntag wiedergekommen und wir führen eine Wochenendbeziehung) und ich eigentlich so schnell wie möglich Schluss machen will. Nur wie, ohne ihn total zu verletzen??
(Ich weiß, es ist unmöglich, ihn nicht zu verletzen, wenn ich mich von ihm trenne, aber wie kann ich es möglichst sanft und schmerzfrei machen???)
Schönen Gruß, Karoline (27)

Bei diesem Paar herrscht emotionale Kälte, vielleicht steht eine Trennung an

Antwort an Karoline:
Eine schmerzfreie Trennung, wenn er dich noch liebt bzw noch an dir hängt, gibt es nicht. Viele meinen ja, es wäre eine “sanfte” Art der Trennung, wenn sie sich allmählich rausschleichen und einfach immer weniger Zeit mit dem Partner verbringen. Aber das ist nicht sanft! Der andere leidet darunter genauso, wie wenn du es klar kommunizierst, oder manchmal sogar noch mehr, weil es sich ja zeitlich hinzieht und dieses Gefühl der Ungewissheit oft schwer zu ertragen ist. Hier stimmt der Spruch “Lieber ein Ende mit Schmerzen als ein Schmerz ohne Ende!”
Ein bisschen weniger schmerzhaft ist es, wenn er selbst Schluss macht, statt dass er deiner Trennungsentscheidung machtlos ausgeliefert ist.

1) Du überlegst dir, was genau ihn an dir und eurer Beziehung am meisten genervt hat, und all das übertreibst du am Wochenende derart, dass ihm gar nichts anderes übrig bleibt, als mit dir Schluss zu machen. Dann hat er das Gefühl, es war seine Entscheidung, und er leidet nicht so sehr.
Beispiel: Es nervt ihn, wenn du (während ihr beide euch seht) ewig telefonierst und ständig mit deinem Handy beschäftigt bist (Whatsapp, Youtube, Instagram etc.). Also wirst du am Wochenende unaufhörlich mit Freundinnen telefonieren und dich auch sonst deinem Smartphone zuwenden – bis er dir eine Szene macht. Dann bist du oberzickig, und er sagt sowas wie “Mach nur weiter so und wir sind geschiedene Leute!”
Und du sagst: “Okay, wie du willst!”
Risikofaktor: Vielleicht klappt´s nicht.

2) Ein offenes, haarkleines Beziehungsgespräch, wie es Männer ja sooo lieben… Du überlegst dir, was genau ihn an dir und eurer Beziehung am meisten genervt hat, und integrierst das in deine Abschluss-Rede.
Beispiel: “Hör mal, Hase, in letzter Zeit ist es nicht mehr gut gelaufen mit uns beiden. Du warst zu Recht immer genervt, wenn ich ……… (bitte Passendes einsetzen), aber ich kann´s eben nicht abstellen. Ich bin einfach so. Und mir gefällt an dir / an unserer Beziehung nicht mehr, dass ……… (bitte Entsprechendes einsetzen). Ich denke, wir passen einfach nicht so gut zusammen. Vielleicht ist es besser, wenn du die Chance hast, ein Mädchen kennenzulernen, das besser zu dir passt….?”

Natürlich wird er sich wehren und alles verharmlosen oder vielleicht sogar Besserung geloben, aber du bleibst hartnäckig (“früher oder später wird´s doch wieder das selbe”). Dein stärkstes Argument wird sein, dass leider deine Gefühle für ihn erloschen sind. Das wird ihm weh tun, aber dagegen kann er nicht argumentieren und da muss er ohnehin durch.
Sag ihm nicht, dass du einen anderen kennengelernt hast. Wenn er danach fragt, dann sag eher sowas wie: “Ich hatte im Urlaub Gelegenheit, mit etwas Abstand über uns beide nachzudenken. Und ich musste leider feststellen, dass ich dich nicht so vermisst habe, wie ich eigentlich sollte. Ich habe das Bedürfnis, wieder für mich zu sein und mehr Zeit für mich selber zu haben.” Oder sowas in der Art.

Sag nicht “Wir können ja Freunde bleiben”. Das klingt für den Verlassenen wie ein schlechter Trostpreis. Sag lieber, du hältst es für besser, wenn ihr euch eine Weile nicht seht. Auch das wird ihn schmerzen, aber letztendlich ist es besser für ihn. Na denn… ich hoffe, du kriegst es mit allem gebotenen Takt und Zartgefühl hin und lässt dich nicht aus Mitleid breitschlagen, doch nochmal in eine Verlängerung zu gehen.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder