Nach 8 Jahren will er eine Pause statt ein Baby, ich fühle mich verarscht!

Wie kann ich ihm zeigen, wie wütend mich diese Beziehungspause macht?

Mein Herz steht Kopf und ich bin wütend, dass er mich jetzt so hängen lässt

Liebe Beatrice,
ich wende mich mit folgendem Problem an Dich:
Ich, 32, w, habe vor ca. 3 Wochen erfahren, dass mein gleichaltriger Freund im Moment weder in beruflicher noch in privater Hinsicht weiß, was er will und wo er hingehört. Zudem glaubt er, sich neu verliebt zu haben. Wir sind seit fast 8 Jahren zusammen und wohnen seit 3 Jahren zusammen. Beruflich sind wir sehr unterschiedlich „weit“: Ich habe seit fast 2 Jahren als Beamtin einen sicheren Job, er hat sich vor 3 Jahren selbständig gemacht. ER hatte bereits im Studium den Wunsch, sich selbständig zu machen. Leider ist ihm noch nicht so ganz geglückt, die Sache „so richtig“ so ins Rollen zu bringen, dass er eine solide finanzielle Basis hat und zufrieden ist. Finanziell stehen wir sehr unterschiedlich da – eine Tatsache, die mich viel weniger stört als seine – von ihm auch selbst zugegebene – Motivations- und Antriebsschwäche.
Vor einem Jahr war dies bereits schon mal Thema: Ich habe ihn in den ersten zwei Jahren seiner Selbständigkeit „in Ruhe gelassen“, mit ihm Dinge diskutiert, wenn er Gesprächsbedarf hatte etc. Vor einem Jahr allerdings habe ich gemerkt, dass es kaum voran ging. Auch er war unzufrieden. Nicht nur über seine Antriebslosigkeit im Job, sondern auch in privater Hinsicht.
Während ich neben unseren gemeinsamen Aktivitäten verschiedene Sportarten ausprobierte, Freunde traf und meiner Musik nachging, vernachlässigte er sein Hobby und unternahm sehr wenig. So habe ich ihn anfangs gar nicht kennengelernt. Ich habe ihn dazu angespornt, auch mehr zu unternehmen, nicht nur auf mich zu warten, ich fand seine geringe Aktivität nicht sehr anziehend. Zudem störte mich, dass wir nach fast 7-jähriger Beziehung nie über unsere Zukunft sprachen. Er meinte, er hätte ein Problem damit, Verantwortung zu übernehmen. Etwas, was ich wahrscheinlich nicht so ernst genommen habe, auch wenn ich versucht habe zu erläutern, dass Verantwortung überhaupt erst Möglichkeiten im Leben eröffnen kann. Während er etwas sorglos in den Tag lebte, habe ich schon immer gerne Pläne für meine Zukunft gemacht.
Ich hatte vor einem Jahr auch vorgeschlagen, mal auseinanderzuziehen. Dies wollte er auf keinen Fall. Wir haben daraufhin gemeinsam Pläne für das nächste Jahr gemacht – er wollte sich verstärkt im Beruf engagieren, Freunde treffen, Sport treiben. In diesem Jahr – was gerade vorbei ist – ist allerdings wieder wenig passiert. Ich habe mich damit arrangiert, auch wenn ich unterschwellig schon mal etwas gereizt war. Weil ich dachte, meine Haltung zu ihm würde ihn anspornen, habe ich ihn im vergangenen Jahr wohl ziemlich mit meiner Liebe überschüttet, ihn mit seiner Selbständigkeit gestärkt. Aber ich war ihm wohl zu nah (er meinte kürzlich, er hatte das Gefühl, ich würde ihn mehr lieben als er mich), habe zudem unterbewusst auf ihn Rücksicht genommen und war nicht mehr ganz so aktiv.
Aber immerhin hatten wir vor einigen Monaten für die Zukunft mal ein paar Pläne gemacht – Kinder im nächsten oder – wenn es mehr nach ihm ginge – übernächsten Jahr. Mir hätte das finanzielle Ungleichgewicht nichts ausgemacht, wir hätten es beide getragen. Ich habe da kein traditionelles Rollenverständnis. Er nach seiner Aussage auch nicht. Er ist der Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. Noch unser letzter Urlaub war wunderschön und hat uns beide gestärkt.

Seine Selbständigkeit hat grundsätzlich immer einen großen Gesprächsanteil in unserer Beziehung gehabt. Dies störte mich nicht – ich wollte keinen Nine-to-five-worker.
Die Beziehung war insgesamt unglaublich harmonisch – uns war nie langweilig, wir konnten viel zusammen lachen und galten als Vorzeigepaar im engen Freundeskreis. Allerdings war den Freunden das finanzielle Ungleichgewicht bekannt, und über die Tatsache, dass er weniger verdient als die Freunde – auch die weiblichen – wurde (keineswegs bösartig) gescherzt – was mir auch wenig ausmachte.

Nun haben wir uns dazu entschieden, uns auf Probe für mehrere Wochen zu trennen; er ist bereits ausgezogen und wir wollen uns ca. 1 Mal pro Woche treffen. Er will sich erst mal darüber klar werden, was er will, was er an mir hat, er will erwachsen werden. Zudem hat er das Gefühl, etwas zu verpassen. Privat besteht das Ungleichgewicht darin, dass ich mehr sexuelle Erfahrung und mehr Beziehungserfahrung habe.

Mir geht es insgesamt ziemlich schlecht – Angst, Appetitlosigkeit, Wut und Trauer. Ich habe den Eindruck, dass er nun, kurz bevor es ernst wird, merkt, was die nächsten Lebensschritte ihm abverlangen. Verstärkt wurde dies durch mehrere Hochzeiten in den letzten Monaten. Ich kann ihn ja irgendwie verstehen, dass er das Gefühl bekommt, etwas zu verpassen. Deswegen habe ich ihm in der Beziehung viele Freiheiten gelassen. Ich bedränge ihn nun nicht und laufe ihm nicht hinterher, aber ich fühle mich mit dem (von ihm mit genährten!) Kinderwunsch und mit 32 Jahren ziemlich verarscht und sitzengelassen. Ich weiß nicht, wohin mit meiner Wut – und ich überlege, ob er sich in 2-3 Monaten wirklich darüber klar werden kann, was er eigentlich will.
Vielen Dank für Deine Einschätzung!
Melissa (32)

Liebe Melissa,
was sind schon 2 – 3 Monate im Vergleich zu acht Jahren, die hinter euch liegen, und einem ganzen Leben, was vor euch liegt? Gib ihm die Zeit und den Abstand, denn du kannst ihn ohnehin nicht dazu drängen, eure Beziehung zu vertiefen. Drängen bewirkt hier immer nur das Gegenteil, nämlich Zurückweichen und/ oder Flucht.
Dazu kommt, dass er sich ja in eine andere verguckt hat. Auch hier kannst du nichts machen als nur abwarten (oder dich trennen, aber ich vermute, das möchtest du nicht).

Für mich klingt es, als ob du in Sachen Reife, Eigenverantwortung, Beruf usw. schon VIEL weiter bist als er. Er benimmt sich eher wie ein Typ Anfang 20. Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, so jemanden zum Vater seiner Kinder machen zu wollen…
Hmmm…
Versuche, deine derzeitige Freiheit so gut es geht zu nutzen. Lerne andere Männer um, schau, ob dein Freund wirklich das Nonplusultra ist oder ob du ihn dir, aus dem Schmerz heraus, nicht grade ein wenig schönredest…!
Tja und die Wut? Ich versteh das gut, du bist sehr enttäuscht und fühlst dich, wie man sich denken kann, “ziemlich verarscht und sitzengelassen”. Deine Wut hat also sehr mit den Hoffnungen zu tun, die er in dir geschürt hat und jetzt, nach Jahren, nicht erfüllen mag; aber zu einem gewissen Teil hat deine Wut vielleicht auch damit zu tun, dass du aus Angst, ihn zu vergraulen, zu sehr auf ihn geschaut hast und zu wenig auf dich und deine Vision vom Leben? Du warst 8 Jahre mit ihm zusammen, obwohl du gesehen hast, dass er in wichtigen Punkten nicht zu dir passt und nicht in deine Richtung läuft, z.B. seine “Motivations- und Antriebsschwäche”, “Zudem störte mich, dass wir nach fast 7-jähriger Beziehung nie über unsere Zukunft sprachen. Er meinte, er hätte ein Problem damit, Verantwortung zu übernehmen. Etwas, was ich wahrscheinlich nicht so ernst genommen habe, auch wenn ich versucht habe zu erläutern, dass Verantwortung überhaupt erst Möglichkeiten im Leben eröffnen kann. Während er etwas sorglos in den Tag lebte, habe ich schon immer gerne Pläne für meine Zukunft gemacht” u.ä..
Werde die Wut beim nächsten Treffen mit ihm ruhig mal los. Sag ihm, wie du dich wirklich fühlst und wie wütend du auf ihn bist.

Bitte lies auch das hier:
Er will Schluss machen, weil er denkt, ich will Heirat und Kinder
Ich helfe ihm beruflich und finanziell aus seinem Tief, warum zieht er nicht zu mir?
Wird er sich in der Auszeit entlieben?
Er will mich heiraten und ein Kind – liebt er nur mein Geld?

Alles Gute
Beatrice Poschenrieder