Meine Beziehung macht mich krank, aber ich hab panische Angst vorm Alleinsein

Liebe Beatrice!
Hat meine Beziehung überhaupt noch einen Sinn?
Ich bin mit meinem Freund seit fast 4 Jahren zusammen, in denen wir auch zwei Mal getrennt waren. Das erste Mal betrog ich ihn mit einem anderen und das zweite Mal er mich mit einer anderen. Seit diesem “ersten Mal” habe ich das noch mit 4 weiteren Männern wiederholt, aber ihm nicht erzählt, aus Angst ich könnte ihn verlieren. Ich war noch jung und unerfahren und suchte bei diesen Männern das, was er mir nicht geben konnte. Ich hatte auch andere Beziehungen, die aber nie aus Liebe geschahen, sondern nur um mich von ihm abzulenken. Trotz dieser Trennungen sind wir immer wieder zusammen gekommen.
Er ist meine erste große Liebe und ist es auch immer noch.
Hierbei geht es nicht darum, ob ich es ihm beichten soll oder nicht, sondern nur darum, dass meine Angst ihn zu verlieren ins Unermessliche steigt. Er ist häufig unterwegs und natürlich stellt sich dabei auch die immer wiederkehrende Vertrauensfrage, aber damit muss man leben. Ich vermute meine Angst kommt daher, dass ich mein Verhalten auf ihn projiziere. Dennoch, es macht mich kaputt. Nicht die Tatsache, dass er mir fremdgehen könnte, ich kann es sowieso nicht nachprüfen, da er in einer 30km weiter entfernten Stadt wohnt, sondern die Frage, die sich mir immer aufdrängt: Wird er mich heute verlassen??

Lieber in einer schlechten Beziehung, als alleine zu sein

Ich hab so Panik vorm Alleinsein!


Als er mich verließ, brach für mich eine Welt zusammen, vor allem weil dies aus heiterem Himmel geschah und ich bis heute nicht weiß warum. Ich habe solche Angst, dass er das gleiche wieder abzieht und mich alleine stehen lässt. Seit meinem ersten Freund (also ihm) war ich nie Single, da ich das Singleleben nicht ertragen kann. Bevor ich ihn kennenlernte gab es viele Momente, in denen ich versucht habe mich umzubringen, da ich dachte kein Mann würde mich jemals lieben. Als ich ihn dann kannte und wir zusammen kamen, veränderte er mein Leben und mich. Aus diesem Grund ist er so essentiell für mich. Alle meine Freunde sind der Meinung, dass er mir nicht gut tut, da ich mir ständig Gedanken darüber mache WAS er tut, WO er ist und WIE er gerade über unsere Beziehung denkt. Das ganze ließ sich bisher auch nicht aus der Welt schaffen, da er nicht sonderlich wortgewandt ist und immer abblockt.
Dabei liebe ich ihn doch so sehr und möchte ihn nicht verlieren. Im Grunde verstehe ich micht selbst nicht, warum ich noch mit ihm zusammen bin. Er kuschelt so gut wie nie mit mir, wir unternehmen fast nichts und Zärtlichkeiten gab es eigentlich noch nie großartig. Das einzige, was mich bei ihm hält, ist meine Liebe und die Angst nie wieder einen Mann zu finden, der mir “das” gibt, was er mir geben kann/konnte. Ich weiß ehrlich nicht mehr, was ich machen soll. Ich habe es schon mal versucht ihn zu verlassen, aber ich konnte es einfach nicht! Als ich es damals übers Herz brachte ihn zu verlassen, gab es auch einen anderen, und ich glaube, ich komme nur über ihn hinweg, wenn ich einen anderen kennenlerne, aber im Grunde will ich das ja gar nicht. Ich habe schon so oft versucht ihm klar zu machen, was wir an der Beziehung ändern müssen, aber natürlich hielt dies nur kurz vor. Ich kam mir vor, als würde ich gegen eine Wand sprechen. Mittlerweile bin ich schon froh, wenn er krank ist und nicht weggehen kann, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt oder wohlmöglich “die Traumfrau” findet. Diese Beziehung und dieser Mann machen mich krank, aber ich kann nicht ohne ihn Leben.
Bitte bitte helfen Sie mir, ich weiß wirklich nicht mehr weiter…
Heike (20)

Liebe Heike,
ich werde jetzt ein paar Dinge sagen, die dir nicht gefallen werden, also schon mal “sorry” im voraus….
Du verwechselst Abhängigkeit mit Liebe. Ich denke, du liebst deinen Freund nicht wirklich (sonst würdest du ihn nicht betrügen), sondern du bist abhängig von ihm – bzw. abhängig davon, dass er für dich da ist und du dich nicht einsam fühlen musst. Denn wie du selbst zugibst, ist deine Panik vor dem Alleinsein so groß, dass dich die Vorstellung, er könnte dich verlassen, mit ebensolcher Panik erfüllt (genau das ist auch der Grund für deine uferlose Eifersucht).
Im Grunde ist er tatsächlich nicht der Richtige für dich. Was du über ihn und auch deine Einstellung zu ihm erzählst, klingt schrecklich. Keine eigenständige Frau würde auch nur einen einzigen Tag in dieser lieblosen und von Misstrauen erfüllten Beziehung verharren. Aber leider bist du nicht eigenständig. Und das ist genau der Punkt, wo du an dir arbeiten musst. Der Punkt, der dir aus dieser krankmachenden Beziehung heraushelfen wird. Nein, nicht ein anderer Mann. Denn so würdest du nur von einer Abhängigkeit in die andere schlittern. Es ist nötig, dass du erwachsen wirst und lernst, auf eigenen Füßen zu stehen. Und dazu gehört, mit sich allein klarzukommen, ja diesen Zustand sogar schätzen zu lernen (zumindest zeitweise).
Ich befürchte jedoch, dass deine Angst davor so groß ist und dein Selbstwertgefühl so schlecht, dass du fachliche Hilfe in Anspruch nehmen solltest. Ich spreche von einer Therapeutin. Versuch es erst mal bei Pro Familia oder, falls es das bei dir in der Nähe gibt, bei einem Frauenzentrum oder der Caritas. Da ist es preisgünstig und meist haben die verständnisvolle Ansprechpartnerinnen.
Noch eines: Du wirst deinen Freund nicht ändern können. Du hast es jahrelang versucht, vergeblich. Du musst raus aus dieser Beziehung, zumal sie dich jetzt schon krank macht. Tu was, bevor es noch schlimmer wird!

Auf meinen Seiten in der Liebesberatung findest du übrigens etliche Briefe von Leuten in ähnlichen Situationen:
* Harmonische Beziehung, nur Reden und Sex klappen nicht
* Dauerstreit, Langeweile, Lustlosigkeit – aber wir lieben uns doch!
* Meine Freundin gibt mir keine Selbstbestätigung
* Verlustängste
* Ich bin zu eifersüchtig und habe zu hohe Erwartungen
* Ist er nur mit mir zusammen, um eine Beziehung zu haben?
* Ich bin süchtig nach ihm und geh dran kaputt
* Angst vor Trennung wg. Angst vor dem Alleinsein
* Sie ist einsam und traut sich nichts zu

Ich wünsche dir Mut und Kraft
Beatrice Poschenrieder