Die Beziehung ist am Ende, doch sie ist schwanger und ich will nicht Vater werden!

Er war erleichtert über die Trennung, doch kurz zuvor hatten sie noch Sex – Treffer! Sie will das Kind, er nicht, zumal er noch studiert

Liebe Beatrice,
ich befinde mich in einer äußerst heiklen Lage und hoffe sehr, du nimmst meine Probleme ernst. Also: Meine Ex-Freundin hat gestern einen Schwangerschaftstest gemacht, der positiv ausfiel. Wir waren bis vor kurzem seit 2,5 Jahren zusammen, jedoch war und ist unsere Beziehung mehr ein Scherbenhaufen denn Harmonie. Das Krasse war ja, dass das Kind etwa einen Monat vor der Trennung gezeugt wurde (die war vor 2 Wochen). Ich war erleichtert über die Trennung, mir fiel buchstäblich eine Last von den Schultern, denn ich war ein Semester im Ausland, habe mich entwickelt und will meine Freiheit.
Nun ist sie schwanger, will das Kind behalten, ich stecke noch mitten im Studium (Bachelor) und wollte einen Master im Ausland anhängen, das wäre im nächsten Jahr. Und ich kann mich von dieser Planung einfach nicht lösen… Meine Pläne einfach über den Haufen werfen und mich fragen, soll es das schon gewesen sein? Klar, mit dem Kind kommt was Neues, Tolles, aber dann heißt es, Freiheit ade.
Ich habe schon jetzt das Gefühl, dass ich mich ins Unglück stürze. So von wegen, irgendwann später im Leben alles bereuen, Job angenommen, nur um Kind zu ernähren, nicht da hingekommen, wohin ich wollte, und auch nicht mit der Liebe meines Lebens. Ich habe immer noch ein sehr romantisches, vielleicht auch klischeebelastetes Bild und will eine Familie unter den richtigen Bedingungen, ich will, dass es meinem Kind einmal gutgeht.

Ich bin schon jetzt total überfordert, unreif ein Kind zu erziehen, abgesehen von momentan keinen Berufsaussichten, und gerade von der Freundin getrennt. Wenn sie das Kind hat, muss ich ja in ihre nächste Nähe, allein schon wegen dem Kind. Das heißt, ich habe jetzt eine Verantwortung, mit der ich nicht klarkomme, denn es ist wie gesagt nicht die Frau fürs Leben. Ich stehe erst noch am Anfang, was soll ich bloß tun? Es mir jetzt schönreden und dann später im Leben sagen, ja shit, hätteste man, dann wärste jetzt vielleicht glücklich, jetzt sind deine besten Jahre vorbei und dein Leben verpfuscht, du machst einen Job, der dich nicht glücklich macht, genauso wenig wie die Mutter deines Kindes, klingt nach Tragödie… Ganz zu schweigen von den Alimenten… Wie kann ich psychisch damit fertig werden? Denn sie wird das Kind austragen, sagte sie mir…
Daniel (26)

Ihr Schwangerschaftstest fiel positiv aus, sie will das Baby, er nicht

Hi Daniel,
ebenso wie deine Ex dich nicht in ihre Entscheidung mit einbezieht, kannst du entscheiden, dich nicht einbeziehen zu lassen, wenn es darum geht, sich um das Kind zu kümmern. Das ist zwar moralisch nicht so sauber, aber praktisch und rechtlich kannst du dich weitgehend entziehen. Niemand kann dich verpflichten, auch nur eine Minute mit dem Kind zu verbringen oder gar in seiner Nähe wohnen zu müssen (um es klarzustellen: Ich bin da absolut nicht dafür, aber ich schreib dir hier die Sachlage). Die einzige Verpflichtung ist, dass du einen gewissen Anteil deines Einkommens für den Unterhalt aufbringen musst. Als Student und Arbeitsloser zahlst du in der Regel nichts, es sei denn, du hast offizielle Nebenerwerbsquellen, die in einer beträchtlichen Höhe liegen.
Von daher kannst du deine berufliche Karriere durchaus konsequent weiterverfolgen, was ja in gewisser Hinsicht auch nicht verkehrt ist (auch in moralischer Hinsicht), denn erstens würdest du es eines Tages bitter bereuen, wenn du deine Pläne wegen des Kindes hinwerfen würdest (und eine Bitternis gegenüber Mutter und Kind empfinden, die spaltend wirkt), zweitens kommt es ja auch dem Kind zugute, wenn du mal gut verdienst und mit dir im Lot bist.

Wichtig wäre, dass du jetzt deutlich Position beziehst und nicht herummauschelst. Das heißt: Bekenne dich ganz offen dazu, dass du weder die Beziehung noch das Kind willst, auch wenn du selber dann als der Böse dastehst. Letztlich ist es auch für die werdende Mutter besser, wenn sie ganz klar weiß, woran sie ist, statt die ganze Zeit drauf zu hoffen, dass das Kind euch wieder zusammenschweißt, und daran zu verzweifeln.
Versuche auch nochmal mit ihr zu reden (freundlich und ohne Druck!!!), dass du nicht Vater werden willst und dass das für das werdende Kind ja keine gute Sache ist.

Später, wenn deine Karriere in geregelten Bahnen und dein Kopf frei ist, kannst du immer noch Kontakt zu Mutter und Kind aufnehmen und sehen, inwieweit du dich als Vater kümmern möchtest. Normalerweise funktioniert das.
Zigtausende von Vätern ziehen sich erst mal aus der Affäre. Das ist einerseits unschön, andererseits fast Normalität – und gewiss besser, als wenn zwei Leute zwangsweise aneinanderkleben, die sich nicht mehr lieben.

Um genau zu erfahren, welche Pflichten und Rechte du als Vater hast, solltest du ein Beratungsgespräch bei Pro Familia machen; deine nächstgelegene Stelle erfährst du über
https://www.profamilia.de/angebote-vor-ort.html

Herzlichst,
Beatrice Poschenrieder